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Senioren in Sorge: Wirtschaftswege in Wesel bringen Radfahrer in Lebensgefahr

Ortstermin in Obrighoven : Gefahr für Radfahrer auf Wirtschaftswegen

Eduard Neu und Reinhard Weiß sorgen sich um die Sicherheit von Radfahrern. Manche Wirtschaftswege in Obrighoven halten sie für lebensgefährlich. ASG-Chef Mike Seidel und Wesels Fahrradbeauftragten Michael Blaess sehen das ganz anders.

Eduard Neu und Reinhard Weiß leben nicht nur beide in Obrighoven, sie machen sich auch beide große Sorgen um die Sicherheit von Radfahrern. Unabhängig voneinander haben die beiden Senioren mit unserer Redaktion Kontakt aufgenommen, um ihre Anliegen öffentlich zu machen.

Eduard Neu kann nicht verstehen, warum an vielen Wirtschaftswegen die Übergänge zwischen Fahrbahn und Randstreifen mehrere Zentimeter hohe Kanten aufweisen. „Wenn bei Dunkelheit, also in den Wintermonaten schon gegen 17 Uhr, Radfahrer von entgegenkommenden Autos oder landwirtschaftlichen Fahrzeugen geblendet werden und auf den Randstreifen ausweichen müssen, riskieren sie ihr Leben“, ist Neu überzeugt. Aus seiner Sicht müsste der städtische Betrieb ASG (Abfall, Straßen, Grünflächen) dafür sorgen, dass diese Höhenunterschiede ausgeglichen werden.

 Vertraten ihre Meinungen leidenschaftlich (v.r.): Eduard Neu, Reinhard Weiß, Mike Seidel (ASG) und Michael Blaess (Stadt Wesel)
Vertraten ihre Meinungen leidenschaftlich (v.r.): Eduard Neu, Reinhard Weiß, Mike Seidel (ASG) und Michael Blaess (Stadt Wesel) Foto: Klaus Nikolei

Zwar hat er seine Bedenken vor gut zwei Jahren schriftlich formuliert und an die Verwaltungschefin, die Ratsfraktionen, an die Mitglieder des Verkehrsausschusses und an die Straßenbauexperten von Stadt und ASG gemailt und eine schriftliche Stellungnahme vom ASG erhalten. Seinem Wunsche nach einem Ortstermin ist damals aber nicht entsprochen worden. Und die Probleme, betont Neu, gebe es nach wie vor.

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Auf Bitten unserer Redaktion hat Wesels Fahrradbeauftragter Michael Blaes einem Ortstermin auf dem Wirtschaftsweg Auf dem Heidchen zugestimmt und passend dazu auch ASG-Chef Mike Seidel mit ins Boot geholt. Zwar signalisiert der Fahrradbeauftragte der Stadt, dass er „als Radfahrer Herrn Neu durchaus verstehen kann“. Allerdings gelte auf den Wirtschaftswegen – wie auf allen Straßen – § 3 der Straßenverkehrs-Ordnung. In Absatz 1 heißt es: „Wer ein Fahrzeug führt, darf nur so schnell fahren, dass das Fahrzeug ständig beherrscht wird.“ Außerdem, so Blaess: „Wenn die Breite einer Fahrbahn nicht ausreicht, dann hilft nur gegenseitige Rücksichtnahme. Außerdem kann der Radfahrer doch auf dem Weg bleiben. Der Autofahrer kann doch die Bankette nutzen.“

Mike Seidel macht mehrfach deutlich, dass die Bankette nicht dazu da sein, befahren zu werden. „Würde die Randstreifen aufgefüllt, hätten wir eine breitere Fahrbahn – und das würde für höhere Geschwindigkeiten sorgen“, ist der ASG-Chef überzeugt. Der Randstreifen sei nötig, damit Regenwasser von der Straße ablaufen könne. Aus seiner Sicht seien die Fahrbahndecken der Weseler Wirtschaftswege verkehrssicher und so gut, „dass man hier mit Inlinern fahren kann.“ Weil Eduard Neu die Argumente von Seidel und Blaess immer wieder nur kopfschüttelnd zur Kenntnis nimmt und betont, dass der ASG bezüglich der Randstreifen „zu wenig macht“, wird am Ende ein Kompromiss gefunden: Seidel verspricht, dass seine Straßenbauexperten die Banketten in dem besagten Bereich erneut unter die Lupe nehmen und Ausbesserungsarbeiten durchführen werden. „Wenn das dann auch tatsächlich passiert, bin ich zufrieden“, sagt Neu.

An dem Treffen teilgenommen hat auch Reinhard Weiß. Er, Mike Seidel und Michael Blaess fahren ein paar Kilometer weiter auf der Feldstraße Richtung A 3 und halten kurz vor der Kreuzung mit dem Apteikerweg. Dass sowohl auf dem Apteikerweg als auch der Feldstraße Tempo 100 gilt, kann Reinhard Weiß kaum fassen. „Das ist vor allem für radelnde Schüler lebensgefährlich“, warnt er. „Vor allem für die, die auf der Feldstraße unterwegs sind und dann an der Kreuzung nach rechts in den Abteikerweg einbiegen wollen. Die Stelle dort ist durch eine hohe Hecke nur schwer einsehbar. Muss denn erst etwas Schlimmes passieren?“ Ginge es alleine nach ihm, würde im besagten Bereich Schritttempo gelten.

Michael Blaess kann der Argumentation von Reinhard Weiß nicht folgen. Zumal an der Kreuzung rechts vor links gilt und ein entsprechendes Verkehrsschild aufgestellt ist. „Generell“, sagt Blaess, „ist es ja auch so: Wenn ich als Verkehrsteilnehmer eine Situation nicht überblicken kann, muss ich die eigene Geschwindigkeit entsprechend anpassen.“

Das Ordnungsamt, das von Weiß in der Vergangenheit angeschrieben wurde, hat vor einigen Wochen eine Tempomessung auf der Feldstraße durchgeführt. Ergebnis: Durchschnittlich wird dort zwischen 30 und 40 km/h gefahren. Auch die Polizei bestätigt, dass es dort keinerlei Probleme gibt. Unfälle? Fehlanzeige.