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Ausstellung in Hünxe zeigt Bilder von Flüchtlingen

Hünxe : Porträts erzählen Fluchtgeschichten

Ulrich Rölfing aus Dingden stellt im Pankok-Museum Bilder aus, die in der Region lebende Asylbewerber zeigen. Seine würdevolle Annäherung an die Menschen wäre ganz im Geist von Otto Pankok gewesen.

Manches im Leben passiert einfach. Ulrich Rölfing, gebürtig aus Dingden, seit vielen Jahren Maler in Hamburg, mag interessante Gesichter. Seit über zehn Jahren malt er Porträtreihen. Darunter sind Bilder von Altbauern oder Demenzkranken. Nun hat er Flüchtlingen ins Gesicht geschaut. Er traf sie über Bekannte in Raesfeld, Velen, Marienthal oder Drevenack. Im Otto-Pankok-Museum, das sich in der Umbauphase befindet, war gerade Platz und Möglichkeit, den Gastkünstler Rölfing malen zu lassen. Das passt ins Konzept, weil die Ausstellungsmacher ohnehin Einzelprojekte in Pankoks Haus holen wollen bis hin zu Atelieraufenthalten. Ein Anfang ist gemacht mit „Ein neues Leben – Asylanten rund um das Haus Esselt“, wenn auch ein begrenzter. Vernissage ist am Freitag, 28. September, um 19 Uhr. Die Ausstellung ist geöffnet vom 29. September bis 6. Oktober, 11 bis 18 Uhr, an den Sams- und Sonntage sowie am 3. Oktober, ansonsten auf Nachfrage.

Mit dabei sein werden bei der Eröffnung die in 24 Bildern porträtierten Flüchtlinge. Sie stammen aus Syrien, Iran, aus dem kurdischen Irak oder sind Roma aus Serbien. „Das passt wie eine Fügung zu Otto Pankoks Weltanschauung“, freut sich Projektmanagerin Katrin Reuscher. Schließlich war er der Maler und Zeichner der Minderheiten und der Ausgegrenzten. „Er hat ihnen Würde gegeben und sie akzeptiert“, erzählt Museumsleiterin Annette Burger. Ulrich Rölfings nähert sich ebenso den Menschen an, die Fluchtgeschichten zu erzählen haben, aber in den Bildern mit ihrem Selbstbewusstsein und mit einer eigentümlichen Gewissheit, Träume anzugehen, auch vom Ankommen berichten. Ein gewisser Optimismus ist zu spüren.

„Für Otto Pankok spielte die Darstellung von Flucht und Unbehaustheit eine große Rolle. Das ist mir Ansporn, dieses Engagement auf unsere heutige Situation zu beziehen und zu befragen. Die Gestalt von Otto Pankok gibt diesem Anliegen eine besondere Farbe“, sagt der Künstler. Jedes Gesicht habe eine andere Geschichte zu erzählen, und Gesichter seien es, die ihn faszinieren. Da ist der Rasenmäherfahrer, der regelrecht thront und Sicherheit ausstrahlt. Da ist der junge Stahlbauer, der sich an seinen bei einem Badeunfall umgekommenen Cousin erinnert, den Rölfing als Porträt ins Porträt einfügt. Da ist der durchtrainierte Fußballer im Trikot der serbischen Mannschaft, der seinen Lebensmut wiedergefunden hat und nun Sportlehrer werden will.„Die Menschen und Gesichter, auf die ich gestoßen bin, haben viel zu erzählen: von fremder Herkunft und Kultur, von Idealen, Lebensmut und Enttäuschungen und von einem neu entstandenen Alltag in einer sicher begrenzten Welt“, sagt Rölfing. Und sie haben sich bereitwillig porträtieren lassen, ohne Scheu und ohne Distanz zu diesem Künstler, der schon mit farbig und buntflächig grundierten Leinwänden ankam und sich dann mit dynamischen Pinselstrich auf wenige Linien und charakteristische Zutaten konzentrierte.

Der gebürtige Dingdener ermöglicht dem Betrachter einerseits, den Menschen zu begegnen, er hat sie andererseits malerisch so erfasst, dass man ihre Sehnsüchte und Schicksale zu spüren glaubt. Seine Porträts zeigen Flüchtlinge, die in der Region rund um Haus Esselt leben. Doch wie das umgesetzt wurde und was zu sehen ist hat universellen Charakter. Fest steht: Otto Pankok hätte wohl seine Freude an den Bildern gehabt.

(thh)