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Wesel: Bühnenhaus feiert 60. Geburtstag mit Festkonzert

Wesel : 60 Jahre Bühnenhaus: Wie alles begann

Es ist vor allem einem cleveren Schachzug des damaligen Stadtdirektors Karl-Heinz Reuber zu verdanken, dass Ende der 1950er Jahre genügend Fördermittel an Land gezogen werden konnten, um die Kulturstätte zu bauen.

Wenn’s ums Geld geht, waren die Weseler immer schon clever. Karl-Heinz Reuber war Stadtdirektor, der Wiederaufbau der kriegszerstörten Stadt war mächtig vorangekommen. Erst das Wohnen und die Firmen, dann die Kultur – so war die Rangfolge. Das vielseitige Weseler Musik- und Theaterleben fand damals auch ohne zentrale Spielstätte statt, im Stadtkasino am Kurfürstenring oder im Saal Schnelling an der Schermbecker Landstraße. 1954 wurde von der Stadtverwaltung die Schaffung eines größeren Theaterraums als zwingend erforderlich erachtet, hat Stadtarchivar Martin Roelen aufgeschrieben. Die Bildung war räumlich bereits gut untergebracht. Dem Andreas-Vesalius-Gymnasium fehlte noch eine Aula als Schlusspunkt des Wiederaufbaus.

Und hier kommt der clevere Reuber ins Spiel. Der meisten Landesmittel gab es für eine kombinierte Aula, die auch als Theaterraum genutzt werden konnte. Vor allem mit mehr Kapazität als zunächst gedacht. Statt geplante 450 Plätze wurde ordentlich auf 772 aufgestockt, der Geldregen fiel bei dieser Größe in Strömen. Das könnte man als ungewollte Weitsicht interpretieren. Heute, im 60. Jahr des Bestehens des Bühnenhauses, ist man dankbar. Selbst die größten Schulabschlussfeiern und die Publikumsrenner im Bühnenprogramm haben Raum genug.

So sah die Zufahrt zum Bühnenhaus früher aus. Dort, wo früher eine Wiese war, steht heute das marode Parkdeck. Foto: Stadtarchiv/Thomas Hesse

Deshalb fallen Sätze wie die von Bürgermeisterin Ulrike Westkamp: „Ich habe mir die Unterlagen angeschaut, diese penible Art von Reuber. Der wusste schon, wie man Fördergeld akquiriert.“ Oder von Paul Borgardts, dem Programmmacher: „Für die Weseler war das Bühnenhaus von Anfang an das Stadttheater von Wesel.“ Da schwingt Stolz mit. Ganz so, als hätte man über ein eigenes Ensemble verfügt und sei nicht nur gefragte Tourneetheaterstätte. Zumal der Bau mit seiner gegliederten Optik und den hohen Fenster etwas von klassisch-immergrüner Optik an sich hat. Er gefällt bis heute, auch wenn niemand weiß, wie es angesichts des Sanierungsbedarfs mit der guten kulturellen Stube der Stadt weitergeht.

Zur Eröffnung des Bühnenhauses 1958 wurde Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ aufgeführt. Foto: Thomas Hesse

Doch darüber redet man lieber nicht, wenn einem nach Geburtstagsfeier zumute ist. Offiziell war der Tag eins schon, denn die feierliche Eröffnung war am 19. September 1958 nach einem Kraftakt in Rekordbauzeit. Geblieben ist das Doppelnutzungskonzept Schule und Kultur, geblieben ist auch die Struktur des Programms mit Sparten und Abo-Reihen, die sich bis heute erhalten. Nur haben akltuell Kindertheater und Kabarett/Comedy mehr Raum. „Schon früher war das Boulevardtheater gefragt. Schwieriger war es mit anspruchsvollen Stücken. Früher hieß das Zimmertheater, heute Bühnenwelten, die auf der Hinterbühne stattfinden“, berichtet der Theaterleiter. Curd Jürgens, Elisabeth Flickenschild, Götz George – die alte Schauspielergarde trat auf, heute stehen viele Fernsehstars auf der Weseler Bühne.

Das Festkonzert am kommenden Samstag, 29. September, gestaltet die Neue Philharmonie Westfalen. Foto: Stadtkultur

„Die Künstler kommen sehr gern nach Wesel“, sagt auch Renate Brützel, Vorsitzende des Städtischen Musikvereins. Das hat auch mit der persönlichen Weseler Note zu tun. „Wir betreuen die Künstler intensiv, nach dem Auftritt sitzen wir zusammen, geben Feedback“, sagt sie. Großes Lob kommt oft zurück, denn die Künstler mögen das interessierte und aufmerksame Publikum. Der Musikverein sorgt dafür, dass ein hochwertiges Konzertprogramm mit jährlich drei Orchester- und vier Kammerkonzerten stattfindet. Das tut der Stadt gut, und die Stadt tut dem Musikverein gut. „Von Anfang an hat sie sich finanziell und ideell sehr engagiert“, sagt die Vorsitzende.

Das macht sich auch bei den Eintrittspreisen bemerkbar. Wie 1958, als zur Eröffnung ein Festkonzert gegeben wurde, wird das Jubiläum auch mit einem Konzert begangen. Am Samstag, 29. September, spielt die Neue Philharmonie Westfalen (siehe Info). 13 bis 22 Euro kosten die Karten. „Wir sind nicht elitär, wir machen ein Programm für alle“, sagt dazu Borgardts. Ein guter Ansatz, Kultur soll möglichst viele Menschen erreichen. Dazu gehört, dass man sie sich leisten kann.