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Wermelskirchen: Philosophisches Café im Haus Eifgen

Philosophisches Café im Haus Eifgen : Wenn Corona Lebensweise in Frage stellt

Im Philosophischen Café im Eifgen diskutierten die Teilnehmer über mögliche Folgen der Pandemie. Rund 30 Interessierte hatten Redebedarf.

Den Wermelskirchenern liegt die Pandemie auf der Seele: Das signalisierten die Teilnehmer des Philosophischen Cafés im Haus Eifgen am Dienstagabend. Zum ersten Mal nach der coronabedingten Pause hatten Achim Schulte und Uwe Christoph zum Debattieren eingeladen. „Der Grund für die Absage unseres Termins im Frühling soll auch das Thema dieses Abends sein: Corona“, sagte Christoph.

Rund 30 Interessierte hatten Redebedarf. Sie ließen sich von den Moderatoren die Frage stellen: Wird das Corona-Virus unser Leben nachhaltig verändern? Bevor die Teilnehmer, von denen viele das Konzept des beliebten Philosophischen Cafés bereits gut kannten, ins Gespräch einsteigen durften, hielten die Moderatoren Impulsvorträge. Achim Schulte machte sich auf die Spur von Veränderungen in Sprache, Arbeitswelt und Kommunikation, in Umweltfragen und dem Demokratieverständnis. Uwe Christoph nahm das politische Handeln während der Krise in den Blick. Dann gaben die beiden das Wort an die Teilnehmer ab – und die diskutierten kontrovers.

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„Dieses Land ist selten so gut regiert worden wie in dieser Krise“, befand ein Besucher, „ich war völlig überrascht, dass die große Koalition handlungsfähig war.“ Uwe Christoph war anderer Meinung: Die Pandemie sei absehbar gewesen, schon vor Jahren habe die Politik eine Studie zum Thema in Auftrag gegeben – um dann untätig zu bleiben. Politiker hätten auch in der Pandemie vor allem opportunistisch gehandelt. Ihr Appel zur höheren Anerkennung von Pflegeberufen, stärkeren Kontrollen der Fleischindustrie und einer grünlicheren Digitalisierung der Schullandschaft habe nur von „den Schandtaten der Vergangenheit ablenken“ sollen. Er hoffe, dass die Bürger nun genug Druck ausüben würden, um echte Veränderungen herbeizuführen. Das wollte ein anderer Besucher so nicht stehen lassen: „Ich weiß auch, dass ich 30 Kilo zu viel auf den Rippen habe und trotzdem kümmere ich mich erstmal nicht darum und stelle andere Sachen in den Vordergrund“, erklärte er. Ähnlich könne man den Umgang der Politik mit der Pandemie-Studie bewerten.

Blieb die Frage nach der Lernfähigkeit der Menschen: Und auch hier stellte sich schnell heraus, dass die Situation unterschiedlich bewertet wurde. Der Pflegenotstand sei genauso wie die fehlende Digitalisierung kein neues Thema. „Darüber sprechen wir seit Jahrzehnten. Deswegen glaube ich auch nicht, dass sich etwas ändern wird“, befand eine Dame, die selbst in der Pflege arbeitet. Ein Besucher ergänzte: Er gehe aus eigener Erfahrung ohnehin davon aus, dass die Deutschen nach einer kurzen Schockstarre zu dem Alten zurückkehren würden. „Nein“, widersprach ein anderer. Er sei Optimist und habe die Hoffnung und die Erfahrung, dass Menschen lernfähig seien. Corona habe die Frage danach gestellt, ob die Lebensweise der Menschen die richtige sei. „Es stellen sich jetzt Grundsatzfragen, die revolutionär sind. Und das ist gut so.“ Alles laufe auf die Frage hinaus: Können wir so weitermachen?

Nicht wenigen fehlte an diesem Abend die Frage nach gesellschaftlichem Zusammenhalt, den Veränderungen des Miteinanders im kleinen wie auf internationalem Parkett. „Ich habe einige positive Signale erkannt“, sagte ein Besucher, „aber der Mensch verändert sich im Wesentlichen wohl nicht.“