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Kaarst: Beratungsstelle trotzt Corona-Krise

Für Eltern, Kinder und Jugendliche : Wie die Kaarster Familien-Beratungsstelle der Corona-Krise trotzt

Der volle Terminkalender der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche ist von dem sechsköpfigen Team am Telefon abgearbeitet worden. Auch in Zukunft wollen Simone Dirmeier und ihre Kolleginnen öfter per Videochat kommunizieren.

„Die Corona-Krise hat uns als Team zusammengeschweißt und die Menschen lagen uns wie immer sehr am Herzen, das ist unser Job“, zieht Simone Dirmeier, Leiterin der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern, eine positive Bilanz der Erfahrungen mit Pandemie und Lockdown. Von Mitte März bis zum 4. Mai war die Beratungsstelle am Neumarkt in Trägerschaft des Diakonischen Werks geschlossen. „Aber wir sind systemrelevant, denn wir helfen Menschen in Krisensituationen“, erklärt Diplom-Psychologin Dirmeier.

Getreu dem Wahlspruch der Diakonie „Damit Leben gelingt“ wurde der volle Terminkalender am Telefon abgearbeitet. „Anfang des Jahres waren die Anmeldezahlen für Beratungen so hoch wie noch nie“, so Dirmeier. Dann kam Corona und das sechsköpfige Team setzte sich ans Telefon. Das galt für bereits vereinbarte Termine, aber auch für Neuanmeldungen, die sehr froh über die Möglichkeit der vertraulichen, kostenlosen und freiwilligen Beratung waren: „Viele Menschen fühlten sich unter Druck und warteten auf ein Gespräch“, weiß Pädagogin Hilla Friedrichs. Die Gespräche wurden kürzer, aber dafür häufiger geführt. Die Unterstützung per Telefon erwies sich für die Ratsuchenden als sehr hilfreich, denn die Bandbreite neuer Probleme war groß. Mütter fühlten sich überfordert, weil sie die Hauptlast des Alltags mit Beaufsichtigung der Hausaufgaben und Erledigung der eigenen Erwerbsarbeit tragen mussten – und das mit der ganzen Familie zu Hause. Der Wegfall von Betreuungsangeboten durch Kita und Schule sowie des sozialen Netzwerks wie Großeltern schufen vollkommen neue Situationen, die erstmal bewältigt werden mussten: „Wir gaben Tipps für Tagesstrukturen und Rituale wie gemeinsame Mahlzeiten und Zeitfenster für Schularbeiten“, erinnert sich Hilla Friedrichs.

Sozialpädagogin Ulrike de Heuvel hat viele Sorgen von Eltern gehört, die durch das Homeschooling ein Zurückbleiben ihrer Kinder befürchteten. Doch es gab auch gute Corona-Effekte: Mütter und Väter hatten plötzlich mehr Zeit für ihre Kinder und genossen sie sehr. Für Simone Dirmeier war es wichtig, in der besonderen Pandemie-Situation Druck und Ängste von den Familien zu nehmen, zu beruhigen und aufzuklären: „Es war für alle eine Ausnahmesituation, die nicht überbewertet werden sollte und die auch wieder aufgelöst werden muss“, fasst sie zusammen. Partnerschaften wurden zusammengeschweißt – oder es geschah das Gegenteil. Inzwischen läuft die Beratung unter Wahrung aller Regeln wieder normal. In Zukunft kann sich das Team auch Videoberatungen vorstellen: Die Ausstattung ist nun vorhanden.