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Wermelskirchen: Trockenheit und Borkenkäfer-Plage setzen dem Wald zu

„Mein Wald“ – Wermelskirchens Hegering-Vorsitzender Norbert Drekopf : Wald und Wild gehören zusammen

Trockenheit und Borkenkäfer-Plage setzen dem heimischen Wald zu. Bei der Aufforstung sind die Jäger in den Augen Norbert Drekopf, von Vorsitzender des Hegerings in Wermelskirchen „systemrelevant“.

Hegering-Vorsitzender Norbert Drekopf hält nichts von Stimmen, die eine Rang-Ordnung à la „Wald vor Wild“ propagieren. So wie es Remscheids Forstamtsleiter Markus Wolff macht (wir berichteten). Für Drekopf steht fest: „Wald und Wild gehören zusammen.“ Dabei verneint der 71-Jährige nicht die momentan ernste Lage des Waldes: „Die Trockenheit hat den Wald belastet und die Fichten fallen dort dem Borkenkäfer zum Opfer, wo kein Mischwald steht“, sagt er. Seit 18 Jahren hat Drekopf eine Privat-Jagd – ein knapp 300 Hektar großes Areal – im Bereich Eichholz zwischen der Dhünn-Talsperre und Dhünn gepachtet. Die Folgen der Dürre sieht er klar vor Augen: „Bei Aufforstungen wird es eine große Aufgabe für uns Jäger werden, den Verbiss an jungen Bäumchen durch Wild gering zu halten.“

In Zukunft würden wohl eher Stiel-Eichen oder Douglasien zur Aufforstung in den Waldbereichen genutzt werden, die von Sturm oder Borkenkäfer betroffen sind. „Diese Bäume sind wärmebeständiger. Aber Rehwild mag deren Blätter unheimlich gerne.“ An ein Einzäunen der neu bepflanzten Regionen sei nicht zu denken: „Das kann sich keiner leisten.“ Allerdings stünden hier die Jäger mit den Waldbesitzern in guter Abstimmung: „Gibt‘s Verbiss, wird das gemeldet und wir reagieren. Wenn Zeit ist. In meinem Revier kann ich fleißig sein, denn ich bin Rentner.“ Und weiter: „Der anstehende Wald-Umbau, der kommen muss, wird für uns Jäger eine Herausforderung – wir Jäger sind gefordert und systemrelevant.“

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Norbert Drekopf geht davon aus, dass noch viele Fichten der Kombination aus Trockenheit und Borkenkäfer zum Opfer fallen. „Regen stärkt die Bäume, sie können sich mit ihrem Harz gegen Schädlinge wehren – wir haben in 2020 bislang mehr Regen als im Vorjahreszeitraum.“ Aber in den vergangenen Jahren war es zu heiß. Auch die Fichte, die vor 200 Jahren als „Preußen-Baum“ aus Bayern zur Aufforstung kahler Flächen ins Bergische geholt wurde, werde dort „kaputt gehen“, wo sie auf großen Arealen quasi als Monokultur steht. Kleinere Flächen würden sich selbst überlassen, für größere diene die Aufforstung der vom Sturm „Kyrill“ betroffenen Flächen als Beispiel: „Diese vor 15 Jahren aufgeforsteten Bereiche stehen jetzt wie eine Eins.“

Aber: Einige Eichen-Sprösslinge sind durch Reh-Verbiss eingegangen, Fichten sterben zwar nicht ab, wachsen aber langsamer. Den Wald vor das Wild zu setzen, wie Markus Wolff propagiert, sei nicht generell schlecht. Dennoch wären Jäger keine „Unkraut-Vernichter“, die auf „Teufel komm‘ raus“ Wild schießen: „Wir wollen selektiv eingreifen.“ Es müsse möglich bleiben, einen Reh-Bock zu pflegen – also längere Zeit nicht zu schießen, damit sein Gehörn zur Jagd-Trophäe werden könne: „Die Jäger müssen auch Spaß an der Jagd haben können, denn sie investieren schließlich viel Zeit und Geld in ihre Tätigkeit.“

Im Spannungsfeld zu Wanderern, Fahrradfahrern oder Reitern sieht sich Norbert Drekopf, der sich selbst auch als „Wald-Nutzer“ bezeichnet, nicht: „Derzeit sind tatsächlich viele Menschen im Wald – vielleicht ein bisschen sehr viel. Das führt zu Verlust des Lebensraums der Tiere. Aber das wird sich bestimmt auch wieder einspielen.“ Wichtig sei das Einhalten der Regeln: auf den Wegen bleiben, Rücksichtnahme, Hunde an der Leine führen, nicht auf Wiesen oder Felder gehen. „Reiten im Naturschutzgebiet ist verboten. Und Mountainbiker, die sich neben den Wegen einen Trail angelegen, schaden dem Wald, weil die Trails das Wasser verstärkt abfließen lassen.“

Als ungebrochen hoch wertet Drekopf den Bestand an Wildschweinen – milde Winter und starke Mast tragen dazu ihren Teil bei: „Die Buchen hängen voll mit Eckern. Weil die Bäume von der Trockenheit bedroht sind, wollen sie Nachwuchs produzieren.“ Dadurch ziehe es die Wildschweine weniger in den Mais. Das Schwarzwild wäre schwierig zu bejagen: „Die Tiere werden gleich im ersten Jahr geschlechtsreif. Bei einer Rotte ist immer ein Muttertier dabei und die schießen wir nicht.“