„Ständchen“ wird zur gigantischen Hymne

„Mercy Street“-Konzert in der Katt : „Ständchen“ wird zur gigantischen Hymne

Die Peter-Gabriel-Tributeband „Mercy Street“ spielt just am Tag des 70. Geburtstags ihres „Helden“ vor 200 Besuchern in der Kattwinkelschen Fabrik. Dort hatten sie vor fünf Jahren ihr erstes Konzert gegeben.

Ihr erstes Konzert gaben die Musiker von „Mercy Street“ vor fünf Jahren in der Kattwinkelschen Fabrik – damals noch im Bistro. Ein weiteres Konzert folgte vor zwei Jahren in der kleinen Halle. Dorthin kehrte die Peter-Gabriel-Tributeband just am Tag des 70. Geburtstags ihres „Helden“ zurück. Vor rund 200 Besuchern brachte die Formation ein zweieinhalbstündiges „Geburtstagsständchen“ nach Maß – eine mit Begeisterung vorgetragene Retrospektive der Superlative auf das musikalische Solo-Werk von Peter Gabriel.

„Mercy Street“-Konzerte sind eine gigantische Hymne auf die intelligenten, aussagekräftigen Kompositionen von Peter Gabriel, sind für Freunde und Kenner von Live-Musik ein Pflichttermin, sind für Gabriel-Fans ein Muss. Wer sich als Tributeband an Peter Gabriels vielschichtige Musik heranwagt, braucht musikalisches Können, denn der „Meister“ hat sich stets mit der „Crème de la crème“ umgeben und benötigt das, was Oliver Kahn einmal mit den Worten „Wir brauchen Eier“ beschrieb. Die sechs Musiker von „Mercy Street“ vereinen diese Attribute: Gitarrist Patrik Winckler, Bassist Roman Fuchß, Keyboarder Thomas Elsenbruch sowie Schlagzeuger Sven Hansen stellten in der Katt erneut ihr herausragendes handwerkliches Können unter Beweis, Sängerin Katja Symannek brillierte mit ihrem stimmlichen Vermögen und ihrer strahlenden Bühnenpräsenz, die „Seele der Band“ und Sänger Ulf Pohlmeier erwies sich als „Hot-Spot-Schmelztiegel“ des Geschehens auf der Bühne, dessen gesangliche Bandbreite wie „Faust auf Auge“ zu der von Peter Gabriel passt – nicht als Eins-zu-Eins-Blaupause, sondern versehen mit einer Nuance von eigenständigem Flair.

Die „Mercy Street“-Musiker eröffneten das Konzert mit der Ballade „Here comes the flood“, die Ulf Pohlmeier nur mit Piano-Begleitung sang und so den Weg für eine Atmosphäre ebnete, die ein Eintauchen aller Anwesenden in die musikalische Welt von Peter Gabriel ermöglichte. Sieben Stücke, je eines von den sieben Gabriel-Studioalben, untermauerten zu Beginn die retrospektive Idee des Konzepts, das von selbstproduzierten Videos auf fünf Groß-Monitoren, einer aufwendigen Lichtshow und einem brillianten Sound befeuert wurde. Hits wie „Don‘t give up“ oder „Solsbury Hill“ packte „Mercy Street“ bereits in die erste Programmhälfte, hatte allerdings für die zweite mit „Secret world“, „Digging in the dirt“, „Sledgehammer“ oder den phantastischen Darbietungen von „Blood of Eden“ und „In your eyes“ noch reichlich „Futter“. Die Tributeband traute sich gar an das psychodelisch-jazzige „No selfcontrol“ heran. Für einige Stücke holte sich die Band den elfköpfigen Chor „Pray Day Allstars“ mit auf die Bühne, was dem Background-Gesang eine derartige Aura verlieh, dass „Gänsehaut-Momente“ garantiert waren.