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Seit 2018 hat das Schlaganfallbüro Bergisch Land in Wermelskirchen ein eigenes Büro

Leben im Alter : Zuhören und an die Hand nehmen

Seit 2018 hat das Schlaganfallbüro Bergisch Land ein eigenes Büro in Wermelskirchen und bildet selbst Helfer aus.

Selbsthilfegruppen werden meist gegründet, wenn jemand selbst betroffen ist und Hilfe, Rat oder auch den Austausch mit ebenfalls Betroffenen braucht. So war es auch bei der Schlaganfall-Selbsthilfegruppe in Wermelskirchen. Ins Leben gerufen wurde die Gruppe von Brigitte Hallenberg im April 2007. „Mein Mann hatte im Dezember 2001 einen Schlaganfall. Und ich hatte Fragen, auf die ich keine Antworten bekam“, sagt die 65-Jährige. Was kein Wunder sei, denn: „Jeder Schlaganfall ist anders“, sagt Brigitte Hallenberg. In Remscheid habe es wohl eine kleine Selbsthilfegruppe gegeben, in Wermelskirchen indes nicht. „Mit meinen Fragen bin ich zur Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe gegangen. Die hat mich dann gefragt, ob ich nicht eine Selbsthilfegruppe in meiner Stadt gründen könnte“, sagt die 65-Jährige.

Knapp 13 Jahre später ist die Wermelskirchener Schlaganfall-Selbsthilfegruppe zur Anlaufstelle für Betroffene im Rheinisch-Bergischen Kreis, im Norden des Oberbergischen Kreises sowie in Remscheid, Solingen und Wuppertal geworden. „Zu Beginn waren bereits 20 Menschen da – Betroffene wie Angehörige“, sagt Brigitte Hallenberg. Der Bedarf sei da, die Menschen seien froh, eine Anlaufstelle zu haben. Wie sich ihre Selbsthilfegruppe entwickeln würde, sei da aber noch nicht abzusehen gewesen, sagt die 65-Jährige. „Damals wusste ich noch nicht, was auf mich zukommen würde. Heute haben wir drei Gruppen mit 62 Mitgliedern, dazu dann noch die Angehörigen.“

Die Gruppen sind nach Alter aufgeteilt. Denn der Schlaganfall ist mitnichten eine Erkrankung, die Menschen nur im hohen Alter ereilt. „Wir haben mit der Seniorengruppe angefangen, etwa 20 Mitglieder über 60 Jahre. In einer zweiten Gruppe sind über 30 Mitglieder im Alter von 29 bis 60 Jahren“, sagt Brigitte Hallenberg. Die dritte Gruppe ist altersmäßig durchgemischt und für Angehörige und Betroffene gedacht.

Neben Brigitte Hallenberg sind Margit Lehnhard und Ute Baehr Ansprechpartnerinnen im Schlaganfallbüro Bergisch Land an der Remscheider Straße. Ute Baehr ist ebenfalls Angehörige, ihr Mann hatte einen Schlaganfall. „Es hilft den Menschen, dass sie verstanden werden und Ansprechpartner für die Krankheit haben“, sagt die 63-Jährige. Ein Schlaganfall trete im wahrsten Wortsinne schlagartig auf. „Das hat mich schon verblüfft, dieses Von-jetzt-auf-gleich“, sagt Ute Baehr. Viele direkt und indirekt Betroffene würden sich schwer damit tun, Hilfe zu suchen. Andere seien schlicht von der Vielzahl der plötzlich notwendigen Entscheidungen überfordert. „Gerade zu Beginn ist es eine einzige Jagd zwischen Krankenhaus und Zuhause“, sagt die 63-Jährige.

Neben den Ansprechpartnerinnen gibt es auch Schlaganfallhelferinnen. „Das ist eine achttägige Weiterbildung, die Teilnehmer bekommen theoretisches Wissen über die Krankheit und besuchen auch die Stroke Unit im Krankenhaus“, sagt Brigitte Hallenberg. Anschließend sind die Schlaganfallhelfer Ansprechpartner für Betroffene und ihre Angehörige. „Sie begleiten die Menschen dann auch nach einem Schlaganfall“, sagt Brigitte Hallenberg. Die Schulung ist zertifiziert und wird etwa über ein Vierteljahr an den Wochenenden angeboten. „Wir brauchen noch mehr Helfer, deswegen haben wir jetzt einen zweiten Kurs im Januar angeboten“, sagt die 65-Jährige.

Eingeführt wurde das Angebot, nachdem die Schlaganfall-Selbsthilfegruppe in das Büro an der Remscheider Straße umgezogen ist. „Im Sommer 2018 haben wir das gemacht, weil es mir einfach zu viel geworden ist – ich habe die Selbsthilfegruppe ja zu Hause bei mir ins Leben gerufen und alles vom Wohnzimmer aus gemacht“, sagt Brigitte Hallenberg lachend.

Die Gruppe finanziert sich über Spenden, die Mitarbeit in der Regel über das Ehrenamt. So konnte auch das Schlaganfall-Mobil angeschafft werden – ein VW Caddy Maxi mit kurzer Rampe. „So können wir auch Leute im Rollstuhl abholen oder auch etwa in den Gottesdienst fahren, wenn sie das mögen. Das war uns sehr wichtig“, betont die 65-Jährige.

Für sie habe der Schlaganfall ein Stück weit den Schrecken verloren, seitdem sie sich so ausführlich damit beschäftige. „Aber ich kenne eben die Vorzeichen. Daher achte ich mehr auf mich und meine Gesundheit“, sagt Brigitte Hallenberg.

Helfen dürften da auch schöne Momente wie dieser: „Ich habe kürzlich eine Karte einer Frau bekommen, die ich vor vier Jahren betreut habe. Ihre Mutter hatte einen Schlaganfall, und die Frau schrieb, dass sie mir dafür danke, dass ich sie an die Hand genommen hätte – da habe ich schon kurz schlucken müssen“, sagt die 65-Jährige.