1. NRW
  2. Städte
  3. Wermelskirchen

Starke Frauenfigur in leidenschaftlicher Darbietung

Tolle Aufführung im Film-Eck in Wermelskirchen : Starke Frauenfigur in leidenschaftlicher Darbietung

Die Figur der Courasche, im 17. Jahrhundert erschaffen vom damals bedeutendsten deutschsprachigen Literaten Grimmelshausen, ist trotz der bereits rund 350 Jahre, die sie bereits auf dem Buckel hat, eine hochmoderne Frau.

Das zeigte sich am Donnerstagabend in der trotz des recht speziellen Stoffes recht gut besuchten Aufführung des Stücks „Die Courasche“. Das Schelmenstück aus der Zeit des Barocks war eine Paraderolle für die Dortmunder Schauspielerin Jutta Seifert. Burschikos, lasziv und humorvoll brachte sie unter der Regie von Hans-Peter Krüger nicht nur ein Stück Weltliteratur auf die Bühne, sondern schaffte es gleichermaßen, die Sprache des Barocks mit viel Leben zu erfüllen. Was der Schauspielerin nicht zuletzt durch ihre große Ausdrucksstärke in Mimik und Gestik praktisch im Handumdrehen gelang.

Die Courasche, deren Leben nicht gerade auf dem goldenen Teller begonnen hatte, zumal in der chaotischen Zeit des Dreißigjährigen Krieges, zeigte sich als echte (Über-)Lebenskünstlerin, die genau wusste, dass vor allem Frauen in jener Zeit nichts geschenkt bekamen. Präsentiert wurde dieser Kampf ums Überleben, der mit den Waffen der Frau geführt wurde – und gleichzeitig zeigte, wie schwer genau das doch war – von einer leidenschaftlich und eindrucksvoll auftretenden Schauspielerin, die ihr Handwerk wirklich beherrschte.

Die Lebensbeichte dieser starken und modernen Frauenfigur war zugleich amüsant und berührend. Und es war nicht zuletzt die Geschichte einer emanzipierten Frau, als es diesen Begriff noch gar nicht gab. Jutta Seifert brillierte als Vollblutschauspielerin mit großer Lust am Fabulieren in barocker Sprache, die gerne auch mal ein wenig derber sein durfte. Sei es, wenn sie mit der Präzision eines Diamantschleifers ihre Worte zu wahrhaften Satz-Kathedralen aufgetürmt schliff. Oder geckengleich lachend durchs Publikum spazierte, die vierte Wand durchbrechend, mal sich ein Glas auslieh oder, ganz in der Rolle der Courasche, auch einmal flirtend kokettierte. Das hatte Charme und Stil und lockerte die bisweilen schwierig zu folgenden Gedankengänge ein wenig auf.

Fraglos war das zweite Stück dieser Spielzeit im Filme-Eck eine ungewöhnliche Wahl und wandte sich garantiert nicht an ein Massenpublikum. Andererseits war es auch einmal etwas ganz Anderes, etwas, das man sonst in Wermelskirchen eher selten zu sehen bekam. Schön wäre es gewesen, wenn die hervorragende Darbietung Jutta Seiferts ein gänzlich volles Haus gesehen hätte. Dem stand allerdings wohl jene ungewöhnliche Wahl entgegen. Schade eigentlich.