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Wermelskirchen: "Giftliste": Musikschule droht Qualitätseinbruch

Wermelskirchen : "Giftliste": Musikschule droht Qualitätseinbruch

Die Musikschule Wermelskirchen steht mit dem Rücken zur Wand. 35 000 Euro sollen in diesem Jahr eingespart werden, bis 2015 insgesamt 100 000 Euro.

"Wenn das so durchgezogen wird, gibt es bald die Musikschule in der heutigen Form nicht mehr", so die Vorsitzende Anke Schopphoff. Ihre Befürchtung angesichts der vorgelegten und in den Haushalt 2012 eingearbeiteten "Giftliste": "Hier will man unbedingt in zehn Jahren die schwarze Null erreichen, spart sich dabei aber kaputt. Ich erkenne außer dem Ansatz des rigorosen Sparens kein Konzept."

Die Musikschule wird jährlich von der Stadt mit 192 000 Euro bezuschusst. Im Vorfeld der Planungen für das Haushaltsjahr 2012 hatte der Vorstand das Angebot unterbreitet, 25 000 Euro einzusparen. 10 000 Euro mehr stehen nun im Haushaltsentwurf 2012. "Wir werden schon die Stelle von Nathalie Bohnet nicht wieder besetzen. Eine weitere Vollzeitkraft ist noch in Elternzeit." Insgesamt hat die Musikschule sechs Vollzeitstellen für Pädagogen. Dazu gezählt werden müssen die Verwaltungskraft und der Musikschulleiter. Schopphoff: "Wenn im Sommer zwei Stellen weniger besetzt sind, wird man das im neuen Semester nach den Sommerferien merken."

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Beiträge und Entgelte steigen

Mitgliederbeiträge wie auch die Entgelte für die Kurse und Stunden werden auf jeden Fall in diesem Jahr "massiv" angehoben werden müssen. Über die Größenordnung gibt es noch keine klare Regelung — sie schätzt eine Größenordnung zwischen fünf und zehn Prozent. "Einmalige Mitgliederbeiträge im Jahr sowie Entgelte sind unsere einzige Einnahmequelle", so die Vorsitzende. "Aber irgendwann ist hier die Grenze erreicht, wo wir nicht weiter erhöhen können." Und sie wisse nicht, wo die Grenze erreicht sei. "Ich befürchte, dass Eltern abspringen werden."

940 Schüler — es läuft gerade gut

Dabei läuft es gerade sehr gut in der Musikschule. " Wir haben derzeit 940 Schüler. Das ist der absolute Höchststand, den ich kenne." Sollte die Musikschule in vier Jahren nur noch 90 000 Euro Zuschuss erhalten, müsste die Schule komplett umstrukturiert werden — auf ein einfaches Niveau. "Dabei sind gerade die Kooperationen mit Schulen und Kindergärten sehr erfolgreich." So gibt es inzwischen am Gymnasium zwei Orchesterklassen. Rund 30 Euro zahlen die Schüler monatlich. Die Kooperationen müssten, sagt Schopphoff sehr deutlich, "dann auf den Prüfstand." Das sei ärgerlich.

Deshalb hat die Musikschule die Fraktionsvorsitzenden noch einmal zu einem Gespräch eingeladen. Ob der Termin stattfinden wird, weiß sie nicht. Denn sie hat noch keine Rückmeldung. Auch der Landesvorsitzende der Musikschulen NRW hat sein Kommen angesagt, um den örtlichen Verein zu unterstützen. FRAGE DES TAGES

(RP/rl)