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Wermelskirchen: Hebammen - Existenz bedroht

Wermelskirchen : Hebammen - Existenz bedroht

Über 4000 Euro müssen freiberufliche Geburtshelferinnen jährlich mittlerweile für die Haftpflichtversicherung zahlen, gleichzeitig stagniert die Vergütung durch die Krankenkassen. Und es könnte bald noch schlimmer werden.

Mehr als 30 Jahre lang hat Ursula Pomp als Hebamme gearbeitet, die letzten acht Jahre war sie selbstständig tätig. Sie hat die werdenden Mütter zu Hause auf die Geburt vorbereitet, die Geburt im Krankenhaus Wermelskirchen begleitet und auch nach der Entbindung war sie für Frau und Kind da.

Doch die Arbeitsbedingungen haben sich extrem verschlechtert. Das Problem: Die Haftpflichtversicherungsprämien sind für Hebammen enorm gestiegen, die Vergütung durch die Krankenkassen aber nicht. Im vergangenen Jahr hat die 62-Jährige ihre freiberufliche Tätigkeit als Hebamme aufgegeben und ist vorzeitig in Ruhestand gegangen.

"Als ich alters- und gesundheitsbedingt die Zahl der Geburten zurückschrauben musste, habe ich für lau gearbeitet. Finanziell hat es sich überhaupt nicht mehr gelohnt", erzählt Pomp. Die Prämien für die Haftpflichtversicherung seien für Hebammen in Vollzeit auf mittlerweile mehr als 4000 Euro pro Jahr gestiegen. Und das wird wohl noch nicht das Ende sein: "In diesem Jahr soll es eine weitere Erhöhung von 1000 Euro geben", sagt Pomp. Im Vergleich dazu habe sich die Erhöhung der Krankenkassen-Vergütungen "im Centbereich" bewegt. Pomp: "Diese Situation ist existenzbedrohend. Man muss ja auch immer die laufenden Kosten decken."

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Keine Begründung genannt

Eine genaue Begründung für die Beitragserhöhung habe es nicht gegeben, sagt Pomp, die einen Vertrag mit dem Krankenhaus abgeschlossen hatte, dass dort die von ihr betreuten Mütter ihre Kinder zur Welt bringen können. Die 62-Jährige betreut weiterhin einige werdende Mütter, 400 Euro darf sie sich neben der Rente dazuverdienen. "Ich hätte gerne auch weiterhin die Geburtsbegleitung übernommen, doch das hätte sich nicht mehr gelohnt", sagt die Hebamme, die ihren Job als "Traumberuf" bezeichnet: "Jede Geburt ist anders, es ist immer wieder toll. Bei mir überwiegen die schönen Erinnerungen."

Grit Adler, ebenfalls freiberufliche Hebamme aus Wermelskirchen, sieht ihre Existenz zurzeit (noch) nicht bedroht. Das hat einen einfachen Grund: "Ich arbeite so viel, dass ich die hohe Summe für die Versicherung zurzeit stemmen kann", sagt Adler. Im Schnitt hat sie einen 14-Stunden-Tag, pro Jahr begleitet sie 80 Geburten. "Wir bekommen pro Geburt 227 Euro. Da braucht man ja schon 20 Geburten, um überhaupt die Versicherung bezahlen zu können."

Für Grit Adler stehen die Versicherungsbeiträge und die Vergütungen durch die Kassen in keinem Verhältnis. "Die Gebührenordnung muss geändert werden, wenn sich diese Situation nicht noch weiter verschlimmern soll", betont sie. In zwei Jahren will sie kürzertreten, um mehr Zeit für die Familie zu haben. "Dann muss ich sehen, wie es weitergeht", sagt die Hebamme.

(RP/rl)