Wermelskirchen: Feuerwehr fühlt sich stiefmütterlich behandelt

Wermelskirchen: Feuerwehr fühlt sich stiefmütterlich behandelt

Der zweite Vorsitzende des Fördervereins, Dieter Herrmanns, greift Verwaltung und Politik scharf an.

Der Geduldsfaden der Wermelskirchener Brandbekämpfer steht unter Hochspannung: Auch wenn für das Gerätehaus in Dabringhausen mittels Container eine Übergangslösung bis zu einem Neubau geschaffen wurde (wir berichteten), war die Ungeduld bezüglich der Schaffung einer tragfähigen Infrastruktur auf der Jahreshauptversammlung der Wermelskirchener Feuerwehr im Bürgerzentrum spürbar - mehr als in den Vorjahren. Nach der Rede des zweiten Vorsitzenden des Feuerwehr-Fördervereins, Dieter Herrmanns, brach sich dieses Ungeduldsgefühl mit lautstarken Standings Ovations Bahn. Er sagte: "Der Stadtrat konterkariert den Einsatz und die Motivation der Feuerwehr wissentlich. Konkrete Entscheidungen liegen nicht vor. Es darf nicht länger bei Absichtserklärungen bleiben."

Das wollte Bürgermeister Rainer Bleek nicht so stehen lassen. Er konterte: "Dieser Beitrag ist unangemessen und wenig tief im Thema. Wir haben Klimmzüge gemacht. Die Politik prüft und untersucht und das ist ihr gutes Recht. Solche Prozesse lassen sich nicht in zwei Wochen abschließen." Die Erweiterung der Feuerwache Vorm Eickerberg könne erst begonnen werden, wenn ein von der Kommunalaufsicht genehmigter Haushalt vorläge. Zuvor hatte Bleek in seinem dritten Grußwort auf der Feuerwehrversammlung als Bürgermeister betont: "Bei meinem Amtsantritt war ich vom Zustand der schlechten Unterkünfte, des fehlenden Personals und des mangelnden Material überrascht. Wir haben inzwischen unsere Hausaufgaben erledigt und werden auch bei schwieriger Haushaltslage investieren."

Der Beigeordnete Stefan Görnert erinnerte daran, dass der Brandschutzbedarfsplan in Kürze fortgeschrieben und die Wache Eickerberg in Modulbauweise vergrößert werde. Für Dieter Herrmanns eine "Farce". Am Beispiel des ausstehenden, neuen Gerätehauses in Dabringhausen verdeutlichte er: "Laut dem aktuellen Brandschutzbedarfsplan sollte der Bau im Dezember 2013 umgesetzt sein." Der stellvertretende Leiter der Feuerwehr, Ingo Mueller, blickte in den Saal: "Die Reihen sind in diesem Jahr etwas licht, das ist krankheits- und terminbedingt." Er mahnte: "Wenn wir für die Feuerwehr Forderungen stellen, dann tun wir das stellvertretend für die Bevölkerung."

In seinem traditionell auch mit etwas Humor gespickten Jahresbericht blickte Torsten Raspe, Sachbearbeiter für die Freiwillige Feuerwehr bei der hauptamtlichen Wehrleitung, auf 2017 zurück: "Es gab viele, viele kleine Katastrophen, aber keine großen Katastrophen in unserem schönen Wermelskirchen." Damit bezog er sich auf die 616 Brandschutzeinsätze, unter denen es im vergangenen Jahr einen Großbrand und lediglich zwei Mittelbrände gab. Den größten Anteil stellten die Hilfeleistungen (462), wozu unter anderem Sturmschäden, Verkehrsunfälle oder Menschen in Notlagen gehören. "Unsere Autobahn 1 ist eine Katastrophe für die Burscheider Kollegen und uns", kommentierte Raspe die schweren Verkehrsunfälle auf der A1. Er erinnerte an einen Lkw-Fahrer, den die Wehrleute nur noch tot aus dem zerstörten Führerhaus bergen konnten: "Das kommen Dinge zum Vorschein, die man sich in keinem Horrorfilm vorstellen kann."

Aus der Statistik las Raspe durchaus positive Entwicklungen ab: "Die Hauptamtlichen wurden gestärkt, wodurch wir schneller vor Ort sein können. Außerdem zeigen Rauchmelder ihre Wirkung: Wir werden schneller alarmiert, sind schneller vor Ort und können schneller Schlimmeres verhindern."

(sng)