Wegberg: Bibelgeschichten für Kinder im Kindergarten Rath-Anhoven

Kinder und Bibel : Lebendige Erzählungen aus der Bibel

Im Rahmen des Erzählprogrammes „Bibelgeschichten für Kinder“ besucht die Geschichtenerzählerin Susanne Tiggemann den Kindergarten Rath-Anhoven und erzählt den Kindern frei und lebendig aus der Bibel.

„Ich erzähle Euch nun eine Geschichte, die ich in diesem dicken, großen Buch gefunden habe und am Ende verrate ich Euch, wie das Buch heißt“, kündigt die Erzählerin Susanne Tiggemann an. Etwa zwanzig Kinder im Alter zwischen vier und sechs Jahren sitzen im Halbkreis vor dem Erzählplatz der Geschichtenerzählerin, welcher aus einem roten Samtvorhang im Hintergrund und einem Höckerchen besteht.

Am Rand steht ein schöner, großer Koffer, dessen Anblick allein allerhand Storys vermuten lässt. Aus diesem Koffer holt sie ein sehr großes und sichtbar altes Buch heraus. Mit kleinen Fragen an die jungen Zuhörer beginnt sie eine Erzählung zu spannen, eine Geschichte von Bartholomäus. „Heute heißt wohl niemand mehr so, das liegt wohl daran, dass es eine sehr alte Geschichte ist“, erwähnt sie. Sehr bildhaft lässt sie den armen und blinden Bartholomäus mit seinem Freund Ben vor den Augen der Kinder erscheinen. Sie erzählt von den vier Beinen des Freundes Ben und von seiner Sprache, die besonders „Wuf Wuf“ beinhaltet. Mit der genauen Beschreibung vom Aussehen der Menschen und Orte gelingt ihr ein buntes inneres Bild in jedem Einzelnen zu schaffen. Die Marktsituationen mit den unterschiedlichen Menschen, Gerüchen und Angeboten werden in den Köpfen real und beginnen zu existieren. Geräusche wie Trippeln, Trappeln oder Stampfen vermitteln ebenso wie Stimmen in unterschiedlichen Stimmlagen eine feinsinnige Vorstellung des Geschehens.

Wie man die Geschichten frei erzählen kann, in eigenen Worten, sodass sie verstanden werden können, macht Susanne Tiggemann vor. Manchmal nimmt sie Instrumente mit dazu, doch meist genügt ihre Stimme, ihr Gesichtsausdruck und ihre Gesten. Die Fortbildung „Erzählwerkstatt Bibel“ richtet sich an die Fachkräfte der Kita. Der Ansatz ist, sehr unterschiedliche und lebendige Formen von Religionspädagogik in die Einrichtungen zu bringen. Ein Schwerpunkt ist das Erzählen von biblischen Geschichten. Der Andere, vielleicht noch Größere ist, das grundsätzliche Erzählen von Geschichten, um diese wunderbare, alte Tradition lebendig zu halten. Susanne Tiggemann ist Erzählerin mit Leib und Seele. Sie erzählt ihre Geschichten mit Wort und Stimme, Händen und Füßen, Bewegung und Stille, mit Gefühl und Witz, immer gerade so, wie es zur Geschichte passt. Warum sie das tut? „Ich liebe Geschichten“, verrät sie. „Sie begleiten mich ein Leben lang. Ich finde sie zufällig: in einer Zeitungsnotiz, in einem offenen Lippenstift, in den Augen eines vorübergehenden Passanten. Manchmal entdecke ich sie zwischen alten, in Vergessenheit geratenen Buchseiten. Es macht mir Ver­gnügen, diese Geschichten wieder lebendig und neu zu erzählen“. Die Geschichtenerzählerin kommt ursprünglich aus dem Schauspielbereich. Für sie ist Erzählen die kleinste, reduzierteste Art von Theater. Denn Bilder, Gerüche und Geräusche entstehen nur im Kopf des Zuhörers. Um eine Geschichte lebhaft und spannend erzählen zu können, muss man sie sich vorstellen. „Die Vorstellung ist zur Ideenentwicklung elementar, deshalb ist es so wichtig, dass das Geschichtenerzählen in der Vorschulpädagogik seinen Platz hat“, erläutert Susanne Tiggemann. Bei ihren Darbietungen spannt sie den Bogen zwischen Erzähl- und Schau­spiel­kunst. Beides sind Kunstformen, die nur im Augenblick der Begegnung von Erzähler und Zu­schauern entstehen können, um dann als Erinnerung in den Köpfen und Herzen weiterzuleben. „Die Geschichte von Bartholomäus ist jetzt zu Ende und wenn sie Euch gefallen hat, dann erzählt sie doch einfach weiter, denn wenn die Geschichten nicht weitererzählt worden wären, hätten wir sie heute nicht hören können“.

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