Stadtsportverband Wegberg darf 380.000 Euro verteilen

Bewerbungen von zehn Wegberger Vereinen : Stadtsportverband verteilt 380.000 Euro

Fürs NRW-Förderprojekt „Moderne Sportstätte 2022“ haben sich in Wegberg rund zehn Vereine beworben. SSV erstellt Prioritätenliste.

Beate Rönnebeck war erstaunt. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir in Wegberg so viele Vereine haben, die Eigentümer, Pächter oder Mieter von Sportanlagen sind und deren Pacht- oder Mietverhältnisse noch mindestens zehn Jahre Bestand haben“, bekennt die Geschäftsführerin des Stadtsportverbandes (SSV) Wegberg, Denn satte 20 gibt es davon in der Schwalmquellstadt – und an solche Vereine richtet sich das Förderprogramm „Moderne Sportstätte 2022“ des Landes NRW, mit dem auf unbürokratische Weise Sportstätten modernisiert oder saniert werden können. 300 Millionen Euro hat das Land dafür locker gemacht – für Wegberg stehen 381.765 Euro zur Verfügung.

Unbürokratisch ist das Ganze deswegen, weil die Kommunen bei dieser Förderung im Prinzip raus sind. Quasi die Richtlinienkompetenz haben hier die Stadtsportverbände, Gemeindesportverbände, Stadtsportbünde oder Kreissportbünde – je nach Zuschnitt. Denn diese erstellen anhand der eingereichten Projektwünsche priorisierte Vorschlagslisten für die Staatskanzlei NRW. Die checkt die Vorhaben und entscheidet. Danach leitet sie ihre Förderentscheidung an die zuständige NRW.Bank weiter. Die nimmt darauf Kontakt zu den geförderten Vereinen auf – so ist das Prozedere kurz umrissen. Bei ihren Kommunen müssen die Sportverbände bei dem gesamten Verfahren lediglich ein „Benehmen einholen“.

Wie überall im Land läuft auch in Wegberg noch Phase eins des Verfahrens, Vereine können aktuell Projekte anmelden – im Wegberger Fall beim SSV. „Etwa zehn der antragsberechtigten 20 Vereine haben das bislang getan. Wer es noch tun möchte, sollte sich beeilen“, sagt SSV-Vorsitzender Manfred Maschke. Denn der SSV plant, Anfang 2020 die vom Land geforderte Prioritätenliste bei der Staatskanzlei einzureichen.

Mächtig zu tun hat der Stadtsportverband aber auch jetzt schon. Denn die bislang schon eingereichten Anträge der Vereine haben ein Gesamtvolumen von 933.000 Euro und übersteigen damit die Gesamtfördersumme um über 550.000 Euro. Folge: Der SSV hat die entsprechenden Vereine aufgefordert, modifizierte Vorschläge einzureichen. Generell müssen die Vereine bei dieser Förderung auch einen Eigenanteil leisten, der bei mindestens zehn und maximal 50 Prozent des Vorhabens liegt – je nach dem, wie viel Geld zur Verfügung steht. „Auch Eigenleistungen kommen da in Betracht. Für eine Stunde Arbeit können 15 Euro geltend gemacht werden, für Arbeiten eines Fachmanns wie zum Beispiel eines Elektrikers sogar 35 Euro“, erläutert Maschke.

Der Vorsitzende weist zudem auf eine unabdingbare Voraussetzung bei dieser Förderung hin: „Die Vereine müssen die sogenannte Verkehrssicherungspflicht für Dach und Fach haben.“ Was das konkret heißt, erläutert Maschke anhand eines praktischen Beispiels: „Wenn dir ein Baum aufs Vereinsheim kracht und du dann das Grünflächenamt der Stadt kontaktierst, um den Baum zu beseitigen, hast du keine Verkehrssicherungspflicht. Die hat man, wenn man dafür selbst sorgen muss.“ Aus diesem Grund habe man den SC Wegberg, der einen Antrag auf Förderung für die Sanierung seines Vereinsdomizils Ophover Mühle gestellt hatte, auch nicht in die Liste mit aufnehmen können. „Der SC hat für dieses denkmalgeschützte Gebäude eben nicht die Verkehrssicherungspflicht für Dach und Fach“, stellt Maschke klar.

Folgende Vereine haben es in die Liste geschafft: Die Fußballvereine FC Wegberg-Beeck, Viktoria Rath-Anhoven, SV Klinkum und SV Helpenstein wollen ihre Flutlichtanlage auf LED umstellen. „Die Anlage für einen Platz kann dabei mit 27.000 Euro gefördert werden – freilich muss vorher der Bundeszuschuss in Höhe von 25 Prozent beantragt werden“, erläutert Maschke. Diesen Zuschuss vergibt der Projektträger Jülich. Im Auftrag von Bundes- und Landesministerien sowie der Europäischen Kommission setzt diese Einrichtung Forschungs- und Innovationsförderprogramme um. 2018 verwaltete der Projektträger Jülich insgesamt satte 1,75 Milliarden Euro Fördermittel.

Der fünfte Fußballverein, die Sportfreunde Uevekoven, haben den Antrag für die Sanierung der sanitäre Anlagen und der Erneuerung der Heizung im Sportlerheim gestellt. Der Tennisclub Wegberg möchte seine Plätze sanieren, der Tennisclub Arsbeck die Bewässerungsanlage erneuern. Und die beiden Schießsportvereine SSV Tüschenbroich und SSF Wegberg wollen ihre Schießanlage digitalisieren. Weil aber die Fördersumme pro Verein teilweise erheblich geringer als gewünscht ausfallen und daher der zu erbringende Eigenanteil der Vereine für ihre Projekte oft weit höher liegen dürfte, hält es der SSV nicht für unmöglich, dass Vereine ihren Antrag noch zurückziehen. „Einige bekommen ihr Vorhaben so vielleicht gar nicht finanziert. Da müssen wir einfach abwarten“, sagt Rönnebeck.

Der SSV hat sich übrigens selbst auch auf die Liste gesetzt – vorerst. „Aktuell haben wir ja ein kleines Büro und einen Lagerraum in der Turnhalle der Realschule. Nur: Diese wird ja abgerissen. Von der Stadt ist uns daher in Aussicht gestellt worden, dass wir dafür in der Beecker Turnhalle ein kleines Büro bekommen. Sobald wir dafür die verbindliche Zusage haben, ziehen wir unseren eigenen Förderantrag zurück – aber eben erst dann“, sagt Maschke und unterstreicht die Notwendigkeit eigener Räume – nicht nur wegen der Verwaltungsarbeit: „Der SSV hat fünf eigene Veranstaltungen im Jahr. Dafür haben wir eine Menge Material. Das muss ja auch irgendwo untergebracht werden.“