Nachtwächter Karl Küppers führt seit zehn Jahren durch Wegberg

Nachtwächter Karl Küppers führt durch Wegberg : Hüter der Stadtgeschichte

Karl Küppers zieht seit zehn Jahren mit Hellebarde und Laterne durch Wegberg. Das neue Thema „Das Wirtschaftswunder von Wegberg“ hat sich der Nachtwächter der Mühlenstadt selbst zum Jubiläum geschenkt.

Hat Karl Küppers in den vergangenen Jahren in einer ähnlich verlaufenden Tour bedeutende Plätze und Bauten wie Wegberger Mühle, Kloster, Kirche, Krankenhaus oder Burg angesteuert, legte er nun diese zusätzliche, neue Führung auf. Dabei ist mit dem Wirtschaftswunder weniger allgemeiner wirtschaftlicher Aufschwung, wie ihn etwa die Eisenbahnlinie mit sich brachte, gemeint, sondern vielmehr die Vielfalt an alten Kneipen, Wirtschaften, Lokalen, Hotels und Restaurants, die es im 19. und 20. Jahrhundert gab und zu Teilen heute noch zwischen Bahnhof und Ende der Hauptstraße gibt.

Die Freude an seinem Tun ist dem Wegberger bei seinen geführten Rundgängen deutlich anzumerken – und ebenso seine Überzeugung, mit der er die Hintergründe darlegt, erläutert und die er mit dem ein oder anderen Späßchen und mit einigen Anekdoten würzt. „Ich bin der Mann, der die mehr als 1000-jährige Geschichte der Stadt erzählt“, beschreibt er seine außergewöhnliche Aufgabe selbst, „die Geschichte macht mir Spaß und zudem ist die rund zweieinhalbstündige Wanderung an der frischen Luft für mich ein kleines Training.“ Den letzten Nachtwächter hatte es derweil 1911 in Wegberg gegeben: Der schaute während seiner Rundgänge danach, dass kein Unfug getrieben wurde, kein Feuer ausbrach oder nicht eingebrochen wurde. Fast genau 100 Jahre später nahm dann sein „Nachfolger“ in Person von Karl Küppers wieder eine historische Hellebarde und Laterne in die Hand – diesmal allerdings, um die lange Stadtgeschichte zu bewahren. Dabei ist die Nachtwächter-Führung eng mit dem Publikumsmagnet „Wegberger Eisbahn“, die ebenfalls Zehnjähriges feiert, verbunden. „Wir wollten zur Eisbahn ein Beiprogramm machen, und mir war zunächst die Idee gekommen, eine Glühweinwanderung anzubieten“, erzählt Karl Küppers, der Mitarbeiter des Wegberger Stadtmarketings ist, „aber Manfred Vits überzeugte mich, als Nachtwächter zu gehen.“ Für das passende Outfit kam eins zum anderen: Freund Walter Wilms brachte ihm die historische Hieb- und Stichwaffe, und das gold-blaue Gewand erhielt Küppers im Baaler Kostümverleih – passend zu den Farben des Stadtwappens. Dazu eignete er sich einen Text an und entwickelte die Route, wobei sich die Führungen im Laufe der zehn Jahre immer weiter verbesserten. Sage und schreibe 90 Teilnehmer seien damals zur Premiere auf den Rathausplatz gekommen, erinnert sich der langjährige Vorsitzende des Historischen Vereins Wegberg mit Stolz.

Und das Interesse von Besuchern ist ungebrochen: So ist er mit Firmen, im Rahmen von Betriebsfesten, mit Vereinen und Institutionen auf Nachfrage sowie zu angekündigten Terminen unterwegs. Er wisse aufgrund der vergangenen Jahre beispielsweise mehr über die Kirchengeschichte, berichtet Karl Küppers, der 1975 nach Wegberg gezogen war und seit 1980 akribisch Zeitungsartikel sammelt. Durch die Vorbereitung des Jubiläumsthemas hat er dazu sein Wissen über die Fußgängerzone erweitert. So wird er die Teilnehmer zur mehr als 100 Jahre alten Gaststätte „Am Stöckske“, zum Gebäude des ehemaligen Lokals „En de Hött“, zur Musikkneipe „Zur alten Post“ oder bis zum Platz des damaligen Hotels „Zum Schwanen“ Ecke Maaseiker Straße, Tüschenbroicher Straße, führen sowie mit ihnen einkehren.