Walter Bienen verfasst Vortrag über Wassenberger Weinberg Kiggen

Weinanbau in Wassenberg : Das ist Deutschlands westlichster Weinberg

Eineinhalb Jahre lang hat Walter Bienen über den Weinanbau in Wassenberg recherchiert. Seine Ergebnisse hat er in einem Beitrag niedergelegt, den er erstmals beim Weinfest im Juli vorstellen wird. Erwähnt wird darin auch Karl Kiggen, der am Wingertsberg seinen eigenen Weinberg hegt und pflegt.

Nach dem Wissen von Sepp Becker, dem Vorsitzenden des Heimatvereins Wassenberg, ist der Weinberg von Karl Kiggen der einzige im Stadtgebiet und der westlichste in ganz Deutschland. Grund genug für den Heimatverein, mit Interessierten auf Einladung des Winzers den Weinberg zu besuchen, der treffend am Wingertsberg gelegen ist. Wingert ist die frühere Bezeichnung für ein Weinanbaugebiet, wie Becker bei der Begrüßung der Teilnehmer erwähnte.

Vermutlich hat es schon in der Römerzeit Weinanbau in der Region gegeben, dafür sprächen Anhaltspunkte, auch wenn keine Beweise vorlägen, erläuterte Becker. Die ersten dokumentierten Andeutungen stammen von 1480. Auch 1715 und in einer Prozessakte von 1782 finden sich Hinweise auf Weinschänken in Wassenberg. Noch vielen in Erinnerung sei der Weinberg unterhalb der Burg Wassenberg, meinte Becker, ehe er weitergehende Informationen über den aktuellen Weinanbau Karl Kiggen überließ.

Seit 1969 ist der Anwalt am Wingertsberg heimisch, 2005 reifte der Gedanke, die nach Südwesten ausgerichtete Hanglange hinter dem Haus am Wassenberger Wald für den Weinanbau zu nutzen. „Ohne Planung, Fleiß und Investitionen läuft gar nichts“, erläutert Kiggen. „Man kann mehr falsch als richtig machen.“ Sein Fachwissen hat er sich bei Mitarbeit auf Weingütern in Frankreich, Italien oder Deutschland geholt. Jetzt noch pflegt er intensive Kontakte zu einem Weingut im niederländischen Limburg, wo ein Winzer in der Nähe von Vaals rund 180.000 Weinstöcke bewirtschaftet. Dort lässt Kiggen seinen Wein pressen und keltern.

Doch ist der Weg vom Rebstock im Wassenberg bis zum Fass in Vaals und der Abfüllung in Flaschen steinig und schwer. „Bevor ich überhaupt angefangen habe, hat ein Bodengutachter feststellen müssen, ob sich der Boden hier eignet“, berichtet Kiggen. Er hatte Glück, auch dank der Kleischicht wenige Zentimeter unter der Erdoberfläche. Diese Schicht wurde durchbohrt, um dort Platz für die Wurzeln der Rebstöcke zu schaffen, „immerhin kann die Wurzel 15 Meter tief in die Erde wachsen.“ Doch kaum war der erste Weinstock gepflanzt, kam der erste Rückschlag. Nach einem Starkregen wurden die Pflanzen weggeschwemmt.

Ab 2006 gab es nach Vorarbeiten einen neuen Versuch, beginnend mit 30 Reben der Sorte Regent und 70 der Sorte Solaris. Doch richtig glücklich war Kiggen nicht nach den ersten Ergebnissen. Erst nach dem Anbau von 260 Stöcken Cabernet blanc und einem Cuvée aus Cabernet und Solaris war das Resultat für ihn zufriedenstellend. Nach vier Jahren reichte die erste Ernte aus, um Wein zu keltern und abzufüllen.

Aus den anfänglich wenigen Flaschen sind 600 bis 1100 geworden, die jährlich aus dem Weinberg gewonnen werden können, nachdem die Anbaufläche 2011 noch einmal erweitert wurde. „Alles Handarbeit und alles ohne Chemie“, betont Kiggen, der bei der Lese auf die Mitarbeit von rund 20 Freunden und Bekannten bauen kann.

Zu kaufen ist sein Wein nicht, die Flaschen mit dem kostbaren Inhalt dienen dem Eigenverbrauch und in der Mehrzahl als Geschenke. „Fremder Wein kommt bei mir nicht mehr ins Haus“, sagt Kiggen. Ihm schaudert der Gedanke daran, was so manchem Wein angetan wird. „Mit Blättern oder Stielen zu pressen, das geht gar nicht.“ Jede Traube wird bei ihm handverlesen, ehe sie für gut genug befunden wird, um in der Presse zu landen. Und einen Schraubverschluss statt Korken wird es bei ihm niemals geben.

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