Wassenberg: Ein Kreativer mit vielen Facetten

Wassenberg: Ein Kreativer mit vielen Facetten

Im Bergfried wird zurzeit eine große Ausstellung vorbereitet, die an den Wassenberger Architekten und Künstler Paul Wollenweber (1920-1980) erinnert. Walter Kurzweg vom Leo-Küppers-Haus hat rund 100 Werke zusammengetragen.

"Uns ist wichtig, Wassenberger Künstler dem Vergessen zu entreißen und auch Neubürgern bekannt zu machen", sagt Walter Kurzweg, Anreger und Leiter der Galerie im Leo-Küppers-Haus, die jetzt seit einem Jahr, diesem Ziel verpflichtet, zu Ausstellungen einlädt. Kurzweg ist auch Initiator einer großen Retrospektive zum Werk des vielen älteren Wassenbergern noch wohlbekannten Paul Wollenweber. An die 100 Werke dieses künstlerischen Universalisten hat Kurzweg für die Schau zusammengetragen, die nächste Woche im Wassenberger Bergfried eröffnet wird. Mitveranstalter sind die Stadt Wassenberg und der Heimatverein.

Endlich soll eine große Wollenweber-Schau realisiert werden, zu der es aus Anlass des 85. Geburtstags des Künstlers 2005 schon einmal einen Anlauf gab. Paul Gotzen und Helmut Flecken hatten damals im Vorfeld bereits in zwei Bildbänden charakteristische Arbeiten Wollenwebers zusammengestellt und sein Leben und Wirken umrissen.

Vor allem als Architekt hat Paul Wollenweber (1920-1980) in Wassenberg Spuren hinterlassen. Neben Privathäusern setzen das Gefallenendenkmal mit seiner ovalen Schalen-Struktur auf dem Waldfriedhof und die Friedhofshalle mit der ebenfalls von Wollenweber geschaffenen Eingangstür heute noch Akzente, ebenso Wollenwebers Wegkreuze in der Oberstadt oder im Pützchenwald, die auf seinen zweiten Schwerpunkt als Plastiker hinweisen. Der Vorgängerbau der Begegnungsstätte stammte übrigens ebenfalls von Wollenweber.

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Dass der mit 60 Jahren früh verstorbene Künstler, der im Eifelort Hellenthal geboren wurde und in Langerwehe bei Düren aufwuchs, eine erstaunliche Breite an Themen und Techniken nutzte, wird die Schau in verschiedenen Werkgruppen dokumentieren. Besonderen lokalen Bezug haben die Wassenberg-Ansichten in verschiedenen grafischen Techniken, in denen auch Veränderungen der Zeit im Stadtbild deutlich werden. Landschaften und Reiseimpressionen stehen als weitere Gruppen neben (Frauen-)Bildnissen aus Familie und Bekanntenkreis und natürlich plastischen Arbeiten. Wollenweber war in der Stadt als "Herrgottsschnitzer" bekannt, der gerne Auftragsarbeiten annahm: Muttergottes-Plastiken aus Holz waren eine Domäne. Aber auch Tonskulpturen und Aluguss-Arbeiten fertigte Wollenweber, der auch Ausflüge ins Kunstgewerbe (Obstschalen) nicht ablehnte. Von Wollenweber stammen auch die Entwürfe zu Kirchenfenstern in Wassenbergs Partnerkommune Pontorson/Normandie.

Die Biografie zeigt ein bewegtes Leben, das Wollenweber erst nach dem Krieg nach Wassenberg, den Geburtsort der Mutter brachte, wo die Familie inzwischen lebte. Den Wehrdienst nach dem Abitur 1939 in Düren empfand Wollenweber offenbar nicht als Bürde. Er strebte eine Karriere bei der Marine an, wurde Kapitänleutnant, später schwer verletzt, gleichwohl meldete er sich freiwillig aus dem Bürodienst zurück an die Front zu einem Seeminenräumkommando. Kurzweg charakterisiert Wollenweber in jüngeren Jahren als Draufgänger. Nach dem Krieg entschloss er sich zum Architekturstudium in Aachen. Mehr nebenbei belegte er auch Kunstseminare. Mit Ehefrau Barbara hatte Wollenweber drei Kinder.

(RP)