Wassenberg: In Wassenberg das Glück erfahren

Wassenberg: In Wassenberg das Glück erfahren

Die Stadt eifert ihrem Nachbarn Roerdalen nach. Ab 17. März sollen zehn "Glücksorte" im Stadtgebiet Besucher zum Nachdenken und Fühlen von Zufriedenheit anregen. Initiator ist Bestseller-Autor Leo Bormans, der jetzt zu Gast war.

In Wassenberg sollen Einheimische und Gäste künftig ganz bewusst Glückmomente erleben - und zwar an zehn "Glücksorten" sowohl in den Zentren als auch in freier Natur. 100 Bürger waren im vergangenen Jahr der Einladung der Stadt gefolgt, Orte vorzuschlagen, an denen sie sich glücklich fühlten und sich vorstellen können, dass auch anderen die Augen für bewusstes Erleben schöner Momente geöffnet werden können.

Weil es Mehrfachnennungen gab, hat die Stadt gemeinsam mit einem prominenten Fachmann, dem selbsternannten "Glückbotschafter" und Autor des weltweit in viele Sprachen übersetzten "Books of Happiness", Leo Bormans, Orte ausgewählt, die an einem großen Aktionswochenende am 17./18. März vorgestellt werden sollen. Natürlich ist dass ein weiterer Baustein für die Stadt, die tüchtig an ihrem Image feilt und mit dem Glücks-Projekt die erste Kommune in Deutschland wäre, die mit diesem Markenzeichen (samt Logo) aufwartet. Vorbilder sind das belgische Hasselt, aus dem Bormans stammt, sowie Eindhoven und ganz in der Nachbarschaft Roerdalen, das seit etlichen Jahre mit dem Logo "Klein Glück" wirbt und mit Bormans' Unterstützung 25 Glücksorte markiert hat. Mehr noch: das Thema geradezu zur Gemeindephilosophie erhoben hat. Davon später mehr.

Um möglichst viele Menschen neugierig zu machen, werden die Glücksorte in Wassenberg vor Mitte März nicht bekannt gegeben. Dafür gab es jetzt für Interessierte bei einer Informationsveranstaltung im Naturpark-Tor eine unterhaltsam-informative Einführung ins Glücklichsein mit Leo Bormans. Politiker, Vereinsvertreter aber auch etliche "ganz normale" Bürger waren gekommen. Und Bormans trat gleich dem Irrtum entgegen, er sei eine schlichte Frohnatur, die "Fun" und "Happiness" als einziges Lebensziel propagiere. "Ich bin selbst auch nicht der Fröhlichste und wusste eigentlich gar nicht viel vom Glück. Deshalb habe ich Wissenschaftler und Menschen in aller Welt gefragt, was Glück bedeutet und was sie glücklich macht." Auch die Erfahrung von Traurigkeit gehöre dazu. Es gebe nicht den einen Weg, Glück zu erfahren, sondern viele Wege. Und daran könne jeder arbeiten. Wichtig, so das Fazit, sei die innere Einstellung. Wissenschaftlich belegt seien Angst und eine pessimistische Grundeinstellung als Hindernisse, Glückserlebnisse zuzulassen. 40 Prozent ihres Glückserlebens, so Bormans' Exkurs in die Wissenschaft, könnten Menschen selbst steuern bzw. erarbeiten, 50 Prozent seien genetisch bedingt. Wissenschaftler hätten "Säulen des Glücks" herausgearbeitet, bei denen immer wieder die menschlichen Beziehungen eine wesentliche Rolle spielten. So ließ Bormans in drei Übungen Menschen aus der Runde, die sich unbekannt wahren, einander näher kommen.

Kein Wunder, dass diese Philosophie auf "Glücksbotschafter" setzt, die andere Menschen gleichsam auf den Glückspfad verhelfen in Führungen, Wanderungen, Aktionen. In Wassenberg, so war von Tourismusfachkraft Sabrina Martin zu erfahren, haben 15 Bürger dafür Interesse angemeldet, weitere sind zu einem Workshop mit Bormans am 29. April willkommen.

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Was Nachbar Roerdalen aus dem Glücks-Projekt gemacht hat, lobte Bormans, der seinerzeit übers Googeln auf den Werbeslogan der Gemeinde, "Kleines Glück", gestoßen sei und Kontakt dorthin aufnahm. Die Kommune wollte sich mit ihrem Logo damals bewusst absetzen von massentouristischen Ambitionen, erläuterte Laurens Bijl, der in Roerdalen das Amt eines "Glückskoordinators" übernommen hat. Die Funktion der andernorts oft üblichen Beschwerdestelle wurde in Roerdaelen schlicht ins Gegenteil verkehr. Bijl soll Ideen, Anregungen, auch Verbesserungsvorschläge von Bürgern, Vereinen, Interessengruppen (etwa Gewerbe) aber auch der Verwaltungsmitarbeiter entgegennehmen und positive Änderungen anstoßen. Es gehe dabei um mehr Bürgernähe, Eigenverantwortung der Ortsteile, Offenheit, Vertrauensbildung zwischen Bürgern, Politik und Verwaltung - kurz alles, was Zufriedenheit und "Glück" befördern könne.

Das Glücksprojekt in Roerdalen beschrieb Bijl als eine Art Bürgerbewegung. 60 Gruppierungen aus der Gemeinde gestalten etwa am 18. März den "Glücktags" in Roerdalen mit. Das Programm umfasst von 8 bis 17 Uhr ein breites Spektrum: von Wanderungen, über Backaktionen und Führungen zur Kulturgeschichte bis hin zu Konzerten und Wellnessworkshops - teilweise zugeschnitten auch auf besondere Zielgruppen wie Familien oder Senioren. Im Internet können Bürger ihre Erlebnisse an der Glücksorten schildern und Fotos hochladen.

Wassenberg will seinem Nachbarn nacheifern, geplant sind eine Verbindung der Glücksorte diesseits und jenseits der Grenze und gemeinsame Veranstaltungen.

(RP)