Wassenberg: Stille als Thema für die Kunst

Wassenberg: Stille als Thema für die Kunst

Ungewöhnliche Stille herrschte bei der Eröffnung der Ausstellung mit Werken der Künstlerinnen Setsuko Fukushima und Beili Zhou in der Galerie Noack. Die Werke der beiden Künstlerinnen gehen eine gelungene Symbiose ein.

Statt einer Eröffnungsrede, in der die ausstellenden Künstler und deren Werke von Experten erläutert werden, stellten sich Setsuko Fukushima und Beili Zhou gestern Morgen in der Galerie Noack in einer ungewöhnlichen Performance vor. In einem Dialog der Stille schwiegen sie sich an, auf weißen Kissen gegenübersitzend traten sie in ein ungewöhnliches Zwiegespräch ein.

Die Stille gab ihnen und auch den zahlreichen Besuchern die Gelegenheit, den eigenen Gedanken nachzugehen, sie sich entfalten zu lassen, so wie Beili Zhou langsam ein leeres, weißen Blatt Papier entfaltete. Dass die Zeit der Stille keine Zeit des Stillstands ist, sondern des Fortschreitens, machte Setsuko Fukushima deutlich, die die Uhr im Blick hatte, um nach vier Minuten und 33 Sekunden die Stille zu beenden. Nicht ohne Grund dauerte diese Stille diese Zeit. 4.33 Minuten dauert das Stück des Komponisten John Cage, bei dem kein einziger Ton gespielt wird, bei dem aber, wie bei der Performance, die Stille nicht gleichzusetzen ist mit Geräuschlosigkeit. Durch die Umgebung wird die Stelle lebendig, geräuschvoll. Das dokumentieren die Künstlerinnen auch in der Ausstellung, die den "geheimen Titel 'Stille'" trägt, wie Galerist Klaus Noack bei der Begrüßung erklärte. Dargestellt wird diese Stille symbolisch auch durch die chinesischen Schriftzeichen, die die aus China stammende, nun in Wassenberg lebende Beili Zhou und ihre japanische Freundin Setsuko Fukushima, die in Meerbusch wohnt, in weißer Farbe auf die Fensterscheibe der Galerie gezeichnet hatten.

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Die Stille ist der roten Faden dieser ersten Gemeinschaftsausstellung der beiden Frauen, zu der der Wassenberger Galerist sie ermutigt hat. Die Werke der beiden Künstlerinnen sind zwar unterschiedlich, gehen aber eine gelungene Symbiose ein. Fukushima, die ihre Werke als "alternative Botanik" bezeichnen, bevorzugt schwarze und weiße Töne, die Strukturen der Natur aufzeigen und nachzeichnen. Zhou hingegen reduziert ihre Kunst auf geometrische Formen, schmale rechteckige Flächen, feine Striche. Beiden ist gemeinsam, dass sie ihre Kunst nicht als laut interpretieren. Sie arbeiten mit leisen Tönen, leiser Kunst; eben mit der Stille, die jedem Betrachter den Freiraum zu eigenen Gedanken gibt. "Stille ist nicht Abwesenheit, sondern Auftrag, Gedanken zu lesen", sagt Zhou. Ihre Gedanken zur Welt erschließen sich dem Betrachter ebenso wie die Gedanken von Fukushima zur Welt durch die intensive, stille Betrachtung, zu der in Galerie Noack reichlich Zeit ist.

(kule)