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Joscho Stephan Quartett in der Reihe Götterspeise in Tönisvorst zu Gast

„Gypsy meets Christmas“ in der Christuskirche : Beschwingte Weihnacht in St. Tönis

Das Joscho Stephan Quartett bot in der Christuskirche rasanten Gypsy Swing mit Weihnachtsliedern in neuem Gewand und beliebten Jazzstandards. Die Musiker holten damit einen wegen Corona ausgefallenen Konzertabend nach.

Wenn man den Kölner Jazzviolinisten Sebastian Reimann im Zusammenspiel mit dem virtuosen Mönchengladbacher Jazzgitarristen Joscho Stephan erlebt, werden bei Jazzfreunden Erinnerungen wach an zwei Legenden des Gypsy Swing, den Geiger Stéphane Grappelli und den Gitarristen Django Reinhardt. Wie die beiden Jazzgrößen vergangener Tage verstehen es auch Reimann und Stephan, die in diesem Jahr bereits seit 20 Jahren zusammen auf der Bühne stehen und perfekt aufeinander eingespielt sind, ihr Publikum mit ebenso klangvollem wie flottem Gypsy Swing zu unterhalten.

Gemeinsam mit Sven Jungbeck, der im Joscho Stephan Quartett die Rhythmusgitarre spielt, und dem Kontrabassisten Volker Kamp gestalteten die vier Jazzmusiker einen adventlichen Abend in der Christuskirche in St. Tönis unter dem Motto „Gypsy meets Christmas“. Sie holten damit einen wegen der Corona-Pandemie ausgefallenen Konzertabend nach. Der fand jetzt unter 2G-Bedingungen mit Maskenpflicht und auch bei winterlichen Temperaturen noch geöffneten Fenstern statt.

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Die Gastgeberin, Pfarrerin Daniela Büscher-Bruch, freute sich auf viel Konzertbesuch in ihrer Kirche und endlich wieder Live-Musik in der Reihe „Götterspeise“ in Kooperation mit dem Stadtkulturbund. Wer Joscho Stephan bucht, der weiß, worauf er sich freuen kann: rasanten und mitreißenden Gypsy Swing. Was dieser fingerflinke Gitarrist aus seiner Akustikgitarre herauszuholen versteht, ist immer wieder überraschend und beeindruckend.

Das Programm sah adventlich zeitgemäß die jazzige Umsetzung von populären Weihnachtsmelodien vor: Aber wie das Jazzquartett Titel wie „Leise rieselt der Schnee“ und „Ihr Kinderlein kommet“ von der überkommenen Spielweise befreit und sozusagen völlig neu einkleidet, das hat so viel Kreativität, dass es richtig Spaß macht, den pfiffigen Arrangements in neuem Gewand aufmerksam zu lauschen.

„Santa Claus is coming to town”, dieser aus der Vorweihnachtszeit nicht mehr wegzudenkende Weihnachtsklassiker aus den Staaten machte das Opening und stellte das Trio noch ohne den Violinisten vor, der dann mit ebenso gefühlvollen und romantischen Balladen wie kraftvoll zupackenden Soli sein Können beweisen konnte. Bei einigen Hochgeschwindigkeits-Gitarrensoli könnte man fast meinen, Joscho Stephan möchte immer wieder neue Tempo-Rekorde aufstellen. Faszinierend, sein schnelles Fingerspiel zu beobachten, mit dem er sowohl französischer Filmmusik wie beliebten Melodien vergangener Tage Leben einzuhauchen versteht. Mozarts Komposition „Rondo alla turca“ ist so ein Beispiel für eine in tollem Tempo und mit dynamischer Rasanz vorgetragene Musik an der Grenze zwischen Jazz und Klassik, die sich ja ohnehin sehr nahe sind.

In dem Weihnachtsklassiker „Let it snow“ ersetzte Joscho Stephan in seinem Gitarrensolo auch noch einen Schlagwerker und zeigte sein ganzes Können auch in der „Bossa Dorado“ von Stochelo Rosenberg. Hörenswert auch der berühmte „Christmas Song“ aus dem American Songbook. Bassist Volker Kamp konnte sich in Bass-Soli bewähren und Sebastian Reimann beherrscht das ganze Repertoire zwischen Wiener Walzerseligkeit und lebendigen Latin-Klängen – notfalls wechselt er von einem Genre zum anderen in einem einzigen Stück.

Zum Abschluss dieses genussvollen Jazzkonzerts erklang der Jazzstandard „Sweet Georgia Brown“ und mit der absoluten Hymne des Gypsy Swing, dem von Django Reinhardt und Stéphane Grappelli im Jahre 1937 gemeinsam komponierten „Minor Swing“, endete ein unterhaltsamer Jazzabend. Joscho Stephans Gypsy Swing müsste auf seinem Label eigentlich einen Warnhinweis enthalten: „Vorsicht, Suchtgefahr!“