Handball: Ganz ohne Handball geht es nicht

Handball : Ganz ohne Handball geht es nicht

Als eine der schwersten Entscheidungen seines Lebens bezeichnet Kristian Nippes seinen geplanten Abschied vom Bergischer HC.

Während der 20-Jährige mit dem Handball-Zweitligisten um Platz zwei kämpft, wartet er auf einen Studienplatz zum gehobenen Polizeidienst.

Sie haben für reichlich Gesprächsstoff gesorgt, als Sie verkündet haben, dass Sie den Bergischen HC verlassen werden, um einen neuen, beruflichen Schwerpunkt in ihrem Leben zu setzen: ein Studium zum gehobenen Polizeidienst.

Nippes Für einige kam diese Entscheidung sicherlich sehr überraschend. Ich denke aber, das war für alle Seiten in Ordnung so, weil es so früh in der Saison gewesen ist.

Wie lange ist der Entschluss gereift ?

Nippes Im September ist mir klar geworden, dass ich das Studium bei der Polizei gerne angehen würde. Dann hat es halt gedauert, bis man sich bewusst ist, was man dafür aufgeben wird. Knapp zwei Monate später habe ich meinen Entschluss dem Verein mitgeteilt.

Eigentlich ist es doch verwunderlich — Ihre Formkurve hat in dieser Saison stetig nach oben gezeigt, und Sie spielen im Rückraum. Dort also, wo Sie in der Bundesliga immer eingesetzt werden wollten . . .

Nippes Es ist eine sehr schwere Entscheidung gewesen. Eine der schwersten in meinem Leben. Ich habe Sie unabhängig von den kurzfristigen sportlichen Veränderungen getroffen. Man hat immer seine Höhen und Tiefen. Das habe ich versucht auszublenden.

Haben Sie sich von Jemanden Rat eingeholt, der zu lange Handball gespielt hat und meint, den beruflichen Schritt zu spät eingeleitet zu haben ?

Nippes Mit meinem engsten Vertrauenskreis — also Familie, Freunde und Kollegen aus der Mannschaft — habe ich natürlich geredet. Aber einen speziellen alten Spieler, der sonst nichts hat im Leben, habe ich mir nicht raus gepickt (lacht). Aber ich habe mir angehört, wie die älteren Spieler darüber denken, die schon zehn Jahre im Geschäft sind. Sie haben das etwas anders gesehen und gesagt, dass der Schritt zu früh komme und man ja noch etwas warten könne.

Hat sich denn schon etwas Konkretes ergeben — beruflich wie sportlich ?

Nippes Noch nicht. Ich habe Ende Januar meine Bewerbung abgeschickt und bislang nur eine Eingangsbestätigung erhalten. Alles weitere kann noch etwas dauern aufgrund der großen Anzahl von Bewerbungen. Zeitgleich gab es auch schon Gespräche mit Vereinen, die sich diese Konstellation vorstellen könnten. Konkret ist jedoch noch gar nichts.

Ganz ohne Handball wird es in Ihrem Leben aber nicht funktionieren ?

Nippes Glücklich machen würde mich das nicht. Das war auch nie mein Ziel. Das dreijährige Studium möchte ich machen, auch mit dem nötigen Einsatz. Beim Bergischen HC wäre das mit den Anspruch, in die Erste Liga aufzusteigen, nicht vereinbar. Ich wäre kaum zufrieden mit dem, was ich dem Verein dann geben könnte.

Daran hatte insbesondere Ihr Trainer Raimo Wilde am meisten zu knabbern, oder ?

Nippes (lacht) Oh ja. Raimo Wilde lebt halt den Sport, er ist ein sehr emotionaler Mensch. Dass er verwundert war, steht außer Frage. Die Sache ist jetzt gegessen und hat für das nächste halbe Jahr sicherlich keine Auswirkungen.

Seitdem Ihre Zukunft geklärt ist, scheinen Sie auf dem Feld richtig aufzublühen. Sehen Sie das genauso ?

Nippes Das kann Zufall sein. Zeitlich passt das schon, dass es sportlich seitdem einen Schub gegeben hat. Die Entscheidungsfindung hatte mich vielleicht nur ein bisschen runter gezogen. Und seitdem diese beendet ist, fühle ich mich insgesamt auch sehr gut. Ich fühle mich allerdings nicht befreit von irgendeiner Qual (grinst).

Wie sehr hat Sie oder auch die Mannschaft die jüngste Niederlage in Hüttenberg beschäftigt ?

Nippes Das war schon ein gehöriger Dämpfer. Insbesondere die Art und Weise, wie wir dort verloren haben. Die Anspannung war enorm. Die Lockerheit, die wir noch im Dezember hatten, ist uns leider etwas verloren gegangen. Es ist genau analysiert worden, woran es gelegen hat — und nun hoffen wir, dass es gegen die HG Oftersheim/Schwetzingen wieder besser wird.

Guido Radtke führte das Gespräch

(RP)
Mehr von RP ONLINE