Bergischer Hc : Jan Artmanns sehr emotionaler Abschied

Ehrungen stehen beim Saisonfinale in der Unihalle im Vordergrund. Der 27-Jährige gibt seinen Ausstand vom Profihandball.

"Poldi, Poldi", schallt es aus 2432 Kehlen in der Wuppertaler Unihalle, als Jan Artmann in der 23. Minute eingewechselt wird. Heute ist der Linksaußen Protagonist. Im Rahmen der sportlichen Ehrungen, die der Bergische HC angesichts einer überragenden Saison in der 2. Handball-Bundesliga erhält, liegt das Augenmerk auf Artmann, der als Einziger nach der Partie verabschiedet wird. Aufgrund von akuten Problemen mit der Hüfte muss der 27-Jährige seine aktive Laufbahn beenden.

Zwei Treffer sind Artmann bei seinem letzten Auftritt vergönnt. Der Jubel bei seinem Gegenstoß zum 17:13 und dem 29:24 vom Kreis gleicht beinahe dem eines spielentscheidenden Treffers in der Schlussminute. Während "Poldi" die Meter zurück in die eigene Deckung läuft und die Zuschauer mit wilden Armbewegungen anstachelt, ist allen klar, dass sein Abschied nah ist. Noch ein letztes Mal feiern die Fans einen ihrer Lieblinge - und der genießt es sichtlich. "Es ist nur schade, dass der Kempa nicht reingegangen ist", hadert Artmann nach dem Schlusspfiff.

Max Bettin hat den Linksaußen mustergültig bedient, doch der trifft nur die Latte. Und auch in der letzten Minute will es die Mannschaft für ihren Mitspieler noch mal erzwingen. Artmann gehört der letzte Wurf - bei dem Winkel hat er aber keine Chance. Sei's drum. Der 32:27-Erfolg über den HSC 2000 Coburg ist ein würdiger Abschluss.

Und Mannschaft sowie Fans haben sich für den künftigen Teamassistenten Besonderes einfallen lassen. Daniel Merten vom Fanclub "Bergische Handball Löwen" ernennt Artmann zum Ehrenmitglied. Die Mannschaft hat ein Video für "Poldi" mit vielen Grüßen von aktuellen und ehemaligen Mitspielern gedreht. Fabian Gutbrod betont in seiner Anmoderation, dass sportlich der eine oder andere an ihm vorbeikommen würde, "aber menschlich konnte dir keiner das Wasser reichen".

Kristian Nippes, Viktor Szilagyi, Max Darj, Arnor Gunnarsson, Christopher Rudeck, Max Weiß, Linus Arnesson, Björgvin Gustavsson, Csaba Szücs und Nils Artmann zollen dem 27-Jährigen alle auf ihre eigene Art und Weise Respekt. Zwillingsbruder Nils will Jans letztes BHC-Trikot bei seinen Spielen künftig drunter tragen. "Die Verabschiedung war einzigartig", freut sich Jan Artmann. "Das gibt mir ein gutes Gefühl. Besonders danke ich meinen Eltern, die mir verboten haben, Fußball zu spielen." Den Tränen sei er häufiger nah gewesen. "Ich habe alles versucht, es heute wie ein normales Spiel zu sehen. Aber dann habe ich doch zwischendurch hochgeschaut und gesehen, dass meine letzten Minuten bevorstehen." Der Abschied habe ihn sehr, sehr gerührt. "Aber zum Glück gab es auch witzige Passagen, so dass ich es etwas leichter hatte."

Es ist ein emotionaler Abend in der Unihalle. Denn die Löwen erhalten auch die Meisterschale. Uwe Schwenker nimmt die Auszeichnung vor. "Wenn man so souverän die Liga gewinnt, darf man auch dem Team hinter dem Team danken - sonst wären solche Erfolge gar nicht möglich", sagte der Präsident der Handball-Bundesliga mit Blick auf die BHC-Führungsriege um Jörg Föste und Philipp Tychy. "Da ist das Ding", ruft Hallensprecher Jens Scheffler, während die Löwen die Schale in den Himmel heben. Hat der Titelgewinn schon vor Wochen festgestanden, kommt eine andere Ehrung überraschender. Linus Arnesson wird von den Trainern und Managern zum wertvollsten Spieler der 2. Liga ausgezeichnet. "Das hatte ich nicht erwartet" , sagt der stets zurückhaltende Schwede. "Aber ich freue mich natürlich riesig."

Der Spielmacher war im Sommer als wertvollster Akteur der schwedischen Liga gekommen. "Diese Ehre zwei Mal in Folge zu genießen, ist ein besonders großer Spaß." Der Unterschied zwischen den Ligen sei groß. "In Schweden geht es mehr um Schnelligkeit, hier steht die Körperlichkeit im Vordergrund." Hinze: "Er hat die Auszeichnung verdient. Ich habe ihn selbst auch gewählt. Er ist bei uns schnell zu einem Führungsspieler geworden."