Szilágyis enger Kontakt zum BHC wird bleiben

Bergischer HC : Szilágyis enger Kontakt zum BHC wird bleiben

Viktor Szilagyi ist jetzt Sportlicher Leiter des THW Kiel. Ein Besuch beim ehemaligen Vorzeige-Profi des Bergischen HC im neuen Umfeld.

Es waren nicht die angenehmsten Tage für Viktor Szilagyi, und selbst der Bergische HC konnte seinen ehemaligen Mitstreiter nicht aufbauen. Eine Stunde war Szilagyi am vergangenen Sonntag von Kiel aus gefahren, um Trainer Sebastian Hinze und seine Mannschaft in der Lübecker Hanse-Halle zu sehen. Dass der BHC dort nach dem 18. Auswärtsspiel dieser Saison durch ein 22:24 gegen Lübeck-Schwartau erstmals als Verlierer die Heimreise antreten musste, passte irgendwie ins Bild.

Denn einen Tag zuvor erlebte Szilagy im Hamburger Volksparkstadion mit, wie der HSV in die 2. Liga stürzte. Seit seiner Kindheit ist der Österreicher ein großer Fan des Fußball-Traditionsvereins. „Das war definitiv kein schöner Moment für mich. Natürlich hatte sich der Abstieg über viele Wochen angedeutet – aber wenn er dann wirklich klar ist, dann tut das schon sehr weh“, sagte Szilagyi. Doch damit nicht genug – schon am Vatertag hatte der sportliche Leiter des THW Kiel einen herben Nackenschlag zu verkraften gehabt.

Durch das 25:29 gegen den Nord-Rivalen SG Flensburg-Handewitt wird der THW zum ersten Mal seit 13 Jahren die Qualifikation zur Handball-Champions-League verpassen. „Wegen Verletzungen sind uns mit Duvnjak, Dahmke, Toft-Hansen und Weinhold gleich vier Schlüsselspieler langfristig ausgefallen“, sagte Szilagyi und erklärte beim Besuch in seinem Büro in der Ostsee-Halle die Folgen. „Eine Saison ohne Europacup können wir problemlos ohne drastische Einsparungen überstehen. Länger sollte es jedoch nicht sein. Unser Kader ist schließlich so groß, weil er für mehrere Wettbewerbe zusammengestellt wurde.“

Seit Jahrzehnten sind die „Zebras“ das Aushängeschild der Stadt. Drohen durch einen möglichen Bundesliga-Aufstieg der Fußballer von Holstein Kiel nun gar wirtschaftliche Einbußen? „Das glaube ich nicht. Unsere Sponsoren, die sich auch im Fußball engagieren, würden ihre finanziellen Zuwendungen nicht kürzen“, so Szilagyi. Und so ganz hat er die Hoffnung auf die Königsklasse ja auch noch nicht aufgegeben. „Viele Clubs haben signalisiert, dass sie uns gerne dabei hätten. Die EHF wird entscheiden, ob es bei zwei deutschen Startern bleibt, eine Wild-Card verteilt wird oder es für uns die Chance auf ein Qualifikations-Turnier gibt.“

Seit knapp einem halben Jahr ist Szilagyi nach seinem Wechsel vom BHC nun wieder in Kiel. Dort hat er als Spieler drei deutsche Meisterschaften, zwei Pokalsiege sowie den Gewinn der Champions League 2007 gefeiert. Wie damals hat er mit Frau und Kindern ein Haus in Altenholz nördlich des Nord-Ostsee-Kanals bezogen. Seine Verbundenheit zum BHC aber sollen die 500 Kilometer Distanz nicht behindern. Auch aus der Ferne behielt der 39-Jährige die Saison der „Löwen“ immer im Blick.

„Der BHC hat eine bemerkenswerte Konstanz gezeigt und trotz des sich früh abzeichnenden Aufstiegs den Fokus hoch gehalten. Wie in Emsdetten nur zwei Tage nach der Aufstiegsfeier ungefährdet gewonnen wurde, war beeindruckend. Das zeigt den Charakter des Teams und der ist ein großer Verdienst von Sebastian Hinze“, sagte Szilagyi und fügte lachend hinzu: „Auch wenn er den Spielern in den Phasen, wo er die Gefahr einer aufkommenden Zufriedenheit sah, sicher hier und da mal auf den Sack gegangen ist.“

So werden sich die Wege in der nächsten Saison zumindest zweimal kreuzen. Ob der BHC dem THW dabei Paroli bieten kann, bleibt abzuwarten. Den Klassenerhalt aber traut Szilagyi seinem Ex-Verein definitiv zu. „Ein großer Vorteil ist, dass der Kader schon jetzt erstliga-tauglich ist und nur noch punktuell verstärkt werden muss. Das wird sich gerade zu Saison-Beginn bemerkbar machen. Natürlich kann es später eine Durststrecke geben – ich glaube aber, da ist der BHC schon in sicheren Gefilden angelangt.“

Um sich langfristig in der 1. Bundesliga zu etablieren, braucht der Bergische HC in Zukunft sicher weitere Verstärkungen und da könnte er sich aufgrund der freundschaftlichen Kontakte zu Viktor Szilagyi auf den einen oder anderen Akteur aus Kiel freuen. „Wenn ein Talent von uns für seine Entwicklung Spielpraxis erhalten soll, dann wäre der BHC natürlich ein guter Ansprechpartner. Ich weiß, wie der Verein sowie Sebastian Hinze arbeiten und würde den BHC aus Überzeugung empfehlen. Das wäre eine Win-Win-Situation“, sagte Szilagyi und ergänzte: „Mein enger Kontakt nach Wuppertal und Solingen wird ganz bestimmt bestehen bleiben.“

Mehr von RP ONLINE