Solingen: Lapawa begräbt seine Landeplatz-Pläne

Solingen: Lapawa begräbt seine Landeplatz-Pläne

Der Solinger Unternehmer verwirft das Vorhaben, in Gräfrath Helikopter zu stationieren und spricht von "Hetze" und "Polemik". Oberbürgermeister Feith pocht auf Fairness für Unternehmen. Die Grünen begrüßen hingegen den Rückzug.

Die Nachricht kommt einem Paukenschlag gleich. Die umstrittenen Pläne von Unternehmer Siegfried Lapawa, im Gräfrather Gewerbegebiet Piepersberg einen Helikopter-Landeplatz zu errichten, sind vom Tisch. "Die von interessierter Seite betriebene Polemik und unqualifizierte Kritik haben die Helijet Charter GmbH und die Silag Handel AG zu der Entscheidung geführt, von diesem Vorhaben Abstand zu nehmen und uns anderweitig zu orientieren", heißt es in einem Brief Lapawas an Oberbürgermeister Norbert Feith (CDU).

Der Unternehmer dankte dem OB und der Wirtschaftsförderung ausdrücklich für deren Unterstützung. Kritik übte er hingegen an Grünen und DSW. Ohne beide Ratsfraktionen zu nennen, verwies Lapawa auf "politische Kreise, die an zusätzlichen Arbeitsplätzen und einem größeren Gewerbesteueraufkommen wenig Interesse" hätten. Man könne den Eindruck gewinnen, es gebe Personen, "die bereit sind, der Stadt Solingen eher Schaden zuzufügen", heißt es in dem Brief an den OB. Mit der Erklärung Lapawas war eine von der CDU anberaumte offene Fraktionssitzung zu dem Thema, auf der auch Feith sprechen sollte, hinfällig. Gleichwohl erläuterte der OB vor mehr als 100 Zuhörern im Gräfrather Ratssaal des Kunstmuseums nochmals ausführlich den vorgesehenen Entscheidungsweg. Die Absage Lapawas wolle er nicht kommentieren, sagte Feith — und tat es doch: "Das war eine bewusst gesteuerte und provozierte Aufregung, die Wirkung gezeigt hat." Ein faires Verfahren im Umgang mit Unternehmen, die sich in Solingen niederlassen wollten, sei existenziell für den Wirtschaftsstandort. "Wir dürfen Unternehmern nicht willkürlich begegnen und zwar unabhängig von der Person", sagte der OB. Rückendeckung bekam Feith von CDU-Fraktionschef Bernd Krebs: "Das ist sicher keine Verfahrensweise, mit der sich ein Industriestandort präsentieren sollte."

Die Grünen wollten eine solch geballte Kritik gestern Abend nicht stehenlassen. Der umwelt- und planungspolitische Sprecher der grünen Ratsfraktion, Dietmar Gaida, begrüßte den Rückzug Lapawas und widersprach in Sachen Arbeitsplätze. "Es wären nur wenige feste Jobs entstanden", sagte Gaida. Für die Grünen trägt die Stadt die Schuld an den Auseinandersetzungen der vergangenen Wochen. Die Verwaltung habe die Öffentlichkeit nicht informiert. Dietmar Gaida: "Der Landeplatz sollte gegen den Willen der Bürger kommen."

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Ähnlich argumentierte die SPD. Deren Fraktionschef Tim Kurzbach griff OB Feith an. Dieser habe mit seinen Einlassungen zum Thema bei der zurückliegenden Ratssitzung eine Hektik in die Diskussion gebracht, die "nicht sachgerecht" gewesen sei, sagte Kurzbach. Gleichzeitig übte er Kritik an Grünen und DSW, die mit der SPD im Rat eine Koalition bilden. Auch von dieser Seite habe man sich beim Thema Hubschrauber-Landeplatz zu schnell festgelegt. "Es wäre besser gewesen, wenn man zunächst die Fakten abgewartet hätte", so Kurzbach gestern Abend.

Derweil bat Siegfried Lapawa um Verständnis für seine Entscheidung. Seine Unternehmen und Mitarbeiter benötigten Planungssicherheit sowie verlässliche Rahmenbedingungen. Beides sei aber angesichts der "aufgeheizten Stimmung, ja teilweise Hetze" der zurückliegenden Wochen nicht mehr gegeben, schreibt Lapawa in dem Brief an den OB. Grundsätzlich sei er aber "zu weiteren Gesprächen über zusätzliche Arbeitsplätze in Solingen und weitere Investitionen" bereit. Lapawas Pläne hatten eine lebhafte Diskussion ausgelöst. Die Grünen und DSW hatten sich vehement für ein offenes Verfahren starkgemacht. Die Grünen hatten dem OB sogar ultimativ mit Einberufung einer Sondersitzung des Stadtrats gedroht.

(RP/rl)
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