Rhein-Kreis Neuss: Viele Waldwege bleiben für Reiter tabu

Rhein-Kreis Neuss: Viele Waldwege bleiben für Reiter tabu

Obwohl neue Regelungen seit Anfang des Jahres einen Ausritt auf allen befestigten Waldwirtschaftswegen ermöglichen, möchte die Kreisverwaltung an den bisherigen Vorschriften festhalten. Damit bleiben die Pferde auf den Reitwegen.

Reiter auf Schimmeln im gleichmäßigen Schritt neben Familien bei ihrem Sonntagsspaziergang auf einem Waldweg: Ein idyllisches Bild, das in der Realität bisher so nicht möglich war. Seit dem 1. Januar müssen Reiter aufgrund des neuen Landesnaturschutzgesetzes aber rein theoretisch nicht mehr auf die für sie vorgesehenen Reitwege verbannt werden. Doch im Rhein-Kreis bleibt vermutlich alles so wie es ist.

Das neue Landesnaturschutzgesetz gestattet das Reiten auf allen befestigten Waldwirtschaftswegen. Den Kreisen und kreisfreien Städten ist dabei überlassen, ob sie diese Erlaubnis auch tatsächlich umsetzen. Und davon macht der Rhein-Kreis Gebrauch: "Noch haben wir keine Allgemeinverfügung erlassen. Die Tendenz geht aber dorthin, dass wir die alten Regelungen beibehalten", sagt Ulrich Schmitz, verantwortlich für die Untere Naturschutzbehörde. Der Rhein-Kreis sei mit sieben Prozent Bewaldungsanteil immer noch der waldärmste Kreis in NRW, begründet Schmitz die Entscheidung. "Deshalb liegt ein enormer Erholungsdruck auf den Wäldern." Die Wälder dienen bei einer so geringen Fläche im besonderen Maße der Erholung. Statistisch gesehen kommen auf einen Quadratkilometer im Bewaldungsgebiet 11.000 Menschen. "Wenn ich mir dann alle auch noch mit einem Pferd vorstelle, kann das zu sehr vielen Problemen führen", sagt Schmitz.

Josef Hamzek, Vorsitzender des Ausschusses für Allgemeinen Pferdesport und Besitzer einer Reitschule, ist da anderer Meinung: "Im Rhein-Kreis wurden die Reiter bisher auf enge Reitwege neben den Waldwegen gequetscht." Im Prinzip sei das derzeit gefährlicher, als wenn alle befestigten Waldwirtschaftswege auch für Reiter freigegeben werden. "Der Reiter ist an sich immer vorsichtig. Wenn eine Nordic-Walking-Truppe den Weg kreuzt, bleiben wir stehen oder drehen um", sagt Hamzek. Wenn es so wie in Düsseldorf wäre, dass die Reitwege ungefähr 15 Meter breite Sandwege darstellen würden, wäre ein Beibehalten der bisherigen Regelungen gar kein Problem. Aber zwei Meter neben dem Wanderweg weiterhin Reitwege laufen zu lassen, finde er unüberlegt.

Ein weiteres Problem ist laut Schmitz das allgemeine Fehlen naturfester Wege im Rhein-Kreis. "Naturfest meint, dass da Steine drunter sind. Wenn bei uns aber Wege fest sind, sind es Straßen." Selbst wenn alle hintereinander Reiten würden, kriege man eine "mordsmäßige Spur". Die Instandhaltungskosten die dadurch entstehen, seien aus den Reitabgaben vermutlich nicht finanzierbar.

"Es gibt so viele unbenutzte Wege auf denen noch nicht einmal Fußgänger sind", sagt Hamzek wiederum. Und außerdem müsse ja kein Jagdreiten veranstaltet werden, so hinterlassen die Pferde dann auch keine Spuren. Er finde es schade, wenn die Regelungen nicht gelockert werden, da der Reitsport darunter leide. "Es heißt immer: Menschen müssen mehr Sport treiben und in die Natur gehen. Dann müssen wir auch mehr anbieten. 17 Kilometer Reitweg hören sich da besser an als zwei Kilometer", sagt Hamzek. Der Reitsport sei ohnehin sehr teuer und oben drauf kämen noch Kosten, wenn sie ein bisschen weiter als zwei Kilometer um den Stall reiten wollen. Ein Umdenken sei daher "top".

(jms)