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Remscheid: Jedes zehnte Kind ist zu dick

Remscheid : Jedes zehnte Kind ist zu dick

Die aktuellen Schuleingangsuntersuchungen zeigen: Jeder zwölfte Fünf- bis Sechsjährige hat Probleme mit der Körperkoordination. Und fast ein Drittel der Kinder mit Migrationshintergrund hat Sprachauffälligkeiten.

Mehr als 920 Mädchen und Jungen wurden in Remscheid nach den Sommerferien eingeschult. Um ihre Schulreife festzustellen, haben Ärzte des Gesundheitsamtes zuvor die Kinder untersucht. Einige Ergebnisse hält Schulärztin Dr. Bärbel Janßen-Kriesel für "erschreckend".

So zum Beispiel der hohe Anteil von Sprachauffälligkeiten: "Es gibt Kinder, die haben mit einfachen grammatischen Strukturen Schwierigkeiten", berichtet Janßen-Kriesel von den Untersuchungen. Manche Kinder können Fragen, die ihnen im Sprachtest gestellt werden, lediglich in Zwei-Wort-Sätzen beantworten.

Die Anzahl ist "gewaltig"

Besonders groß sei dieser Anteil unter den Kindern mit Migrationshintergrund: Während bei 5,4 Prozent der deutschen Kinder Sprachauffälligkeiten festgestellt wurden (2011: 7,2 Prozent), sind es bei Kindern mit Migrationshintergrund 32 Prozent (2011: 31 Prozent). Hier sei "dringender Handlungsbedarf" geboten, sagt Janßen-Kriesel. "Die Anzahl der Migranten, die Probleme mit unserem Sprachtest haben, ist gewaltig."

"Keine Entwarnung" könne man laut Schulmedizinerin auch in Sachen Übergewicht geben. Bei elf Prozent aller deutschen Kinder wurden Übergewicht oder Adipositas, die krankhafte Form des Übergewichtes, festgestellt. Bei den Migrantenkindern seien es sogar 18 Prozent, berichtet Janßen-Kriesel. Damit liegt der Wert der deutschen Kinder leicht über dem Landesdurchschnitt von 10,5 Prozent, während der Wert der Migrantenkinder das Landesmittel von 16,2 Prozent schon deutlicher überschreitet. Viele Remscheider Kinder haben auch Schwierigkeiten mit ihrer Körperkoordination: Bei Kindern aus deutschen Familien sind es 8,1 Prozent, bei Kindern mit Migrationshintergrund sind es 6,6 Prozent.

Das Problem von Übergewicht bei kleineren Kindern führt Janßen-Kriesel vor allem auf den Genuss süßer Getränke zurück: "Viele glauben immer noch, dass Eistee gesund ist", sagt sie. Dabei enthalte Eistee viel Zucker. Die Schulmedizinerin appelliert zudem an die Eltern, ihre Kinder zu Spiel und Sport anzuhalten: "Viele Bewegungsangebote sind kostenlos. Die Eltern können mit ihren Kindern auf einen Spielplatz oder einfach mal zu Fuß zum Einkaufen gehen", rät die Medizinerin.

Insgesamt mussten nur fünf der untersuchten Kinder aus gesundheitlichen Gründen vom Schulbesuch zurückgestellt werden. Gründe dafür waren nicht unbedingt immer Entwicklungsdefizite, sondern auch schweres Asthma oder Operationen, die die altersgemäße Entwicklung bislang behindert haben.

(RP)