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Remscheid: Gottesdienst in außergewöhnlicher Kulisse

Remscheid : Gottesdienst in außergewöhnlicher Kulisse

Die Wagenhalle der Stadtwerke Remscheid war am Wochenende Schauplatz von zwei beeindruckenden Veranstaltungen.

Zum Abschluss einer ereignisreichen Woche anlässlich des doppelten Jubiläums des evangelischen Kirchenkreises Lennep (500 Jahre Reformation und 200 Jahre Kirchenkreis) feierten alle evangelischen Gemeinden mit mehr als 1500 Gläubigen einen zweistündigen Festgottesdienst. Es war ein besonderes Ereignis unter außergewöhnlichen Umständen: Statt in einer Kirche zelebrierten die Protestanten ihren gemeinsamen Gottesdienst dort, wo die Stadtwerke für gewöhnlich ihre Busse parken. Nirgendwo anders im Stadtgebiet hätten so viele Menschen hineingepasst.

Praktisch war, dass am Vorabend das Musical "Luther" an selber Stelle aufgeführt wurde, entsprechend standen noch Bestuhlung, Bühne und Beleuchtung parat. Und die Einlasskontrolle. Ein eher ungewöhnliches Bild, vor dem Gottesdienst durch einen Security-Check hindurch zu gehen - aber wohl notwendig, bei der enormen Anzahl an Menschen, die zur Halle an der Neuenkamper Straße pilgerten. Ein außergewöhnliches Bild, den ein gewöhnlicher Sonntagsgottesdienst so wohl noch nie mit sich gebracht hat. Auch Feuerwehr und Rettungshelfer waren vor Ort und wachten über die Sicherheit der Anwesenden.

Es hatte etwas von einem ruhigen Ansturm auf ein Popkonzert und ähnlich - mit viel Musik und geselliger Gemeinschaft - wurde auch die Andacht zelebriert: Auf der mehrere Meter langen Bühne fanden sich eine Band, ein Posaunenchor aus verschiedenen Musikern des Kirchenkreises sowie ein Erwachsenen- und ein Kinderchor wieder. Mittig war ein Altar hergerichtet worden, und eine Kanzel stand bereit für die Verlesung der Apostelgeschichte sowie der Predigt von Nikolaus Schneider, ehemaliger rheinischer Präses der Protestanten.

"Das ist ein beeindruckender Anblick von hier oben. Das kann ich ihnen sagen", entfuhr es Dieter Jeschke aus Radevormwald. Der Pfarrer moderierte von der Bühne aus durch das Vorprogramm, während sich die Halle langsam füllte und immer mehr Menschen in einer der unzähligen Stuhlreihen Platz nahmen. Als um 10.30 Uhr die Kirchenglocken läuteten, wurde es ruhig, und der Posaunenchor setzte zum Eröffnungsspiel an.

Trotz der außergewöhnlichen Kulisse und der beinah schon unüberschaubaren Menschenmasse, hatte der Festgottesdienst etwas sehr Würdevolles. Die Liturgie übernahmen Pfarrerin Sonja Spenner-Feistauer und Superintendent Hartmut Demski, die durch viele musikalische Beiträge aufgelockert wurde. Auch Remscheids Talkmaster Horst Kläuser ließ es sich trotz Armschiene nicht nehmen, am Festgottesdienst teilzunehmen und - eingeschoben in den Festakt - Nikolaus Schneider und dessen Frau Anne sowie die Vertreter anderer christlichen Gemeinden, Monsignore Thomas Kaster (Katholiken) und Pastor Andre Carouge (Baptisten) zu interviewen.

Alle bekräftigten, wie wichtig der Glaube und der persönliche Kontakt zu Gott sei, wie ihn Luther propagierte. Und sie betonten auch, dass zwischen den christlichen Gemeinden, kein großer Unterschied mehr bestehe. "Nach 500 Jahre Reformation also eine Rolle rückwärts", fragte Kläuser provokant. Doch Schneider antwortete gekonnt: "Eher eine gemeinsame Rolle vorwärts wäre angebracht."

(seg)