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Ehemaliger Tante-Emma-Laden in Ratingen schließt

Ratingen Ost : Nach 90 Jahren geht das Licht aus

1930 eröffneten Selma und Paul Bemenburg an der Ecke Feldstraße/ Fester Straße einen Tante-Emma-Laden. Seitdem ist das Geschäft Anlaufstelle und Nahversorger im Ratinger Osten.

90 Jahre lang war das Lädchen an der Ecke Feldstraße/ Fester Straße Anlaufstelle für Besorgungen und nicht zuletzt Treffpunkt der Bewohner im Osten. Am 31. Januar gehen dort die Lichter aus. 

Für Selma und Paul Bemenburg war es im Jahr 1930 ein Neuanfang. Sie betrieben bereits in der Feldstraße einen Lebensmittelladen und bauten sich nun ein paar Hundert Meter weiter ein neues Domizil – damals noch umgeben von Feldern und Wiesen. Bis 1956 versorgte das Ehepaar die Nachbarn mit Obst, Fleisch und Konserven. Bemenburgs wohnten gleich nebenan im Haus und hatten so kurze Wege ins Lädchen.

Harald Krug, Enkel der Ladeninhaber, erinnert sich noch gut. „Mein Großvater fuhr damals regelmäßig mit Pferd und Wagen zum Großmarkt und kaufte dort große Kisten mit Äpfeln, die anschließend im Laden sortiert werden mussten.“ Schon damals gingen makellose Früchte eher über den Tresen. Was gar keinen Abnehmer finden wollte, wurde an die Schweine verfüttert, die gemeinsam mit ein paar Hühnern im Hinterhof des Ladens gehalten wurden. Zum Weihnachtsfest waren die Tage der Tiere jedoch meist gezählt und sie bereicherten schließlich die Festtafel der Familie.

Sein Bruder Hans-Peter Krug ergänzt: „Der Opa hatte gute Kontakte zu den Homberger Bauern. Dort bezog er frisches Obst, Gemüse und Fleisch, das er mit der Kutsche abholte.“

Aufregende Zeiten brachen für Harald Krug an, als sein Onkel, Paul Bemenburg – einigen Ratinger als Karnevalsprinz aus dem Jahr 1956 bekannt – in den Laden mit einstieg. Fortan ging es nämlich mit dem Opel Blitz zum Großmarkt. „Hin und wieder durfte ich das Auto mal lenken“, so der Ratinger. Nach dem Einkauf gab es stets Kartoffelsalat mit Würstchen.

Irgendwann ließ die Kraft der Großeltern nach und sie übergaben den Tante-Emma-Laden zunächst an Familie Fitzke, später an Peter und Hildegard von der Heiden. Sie selbst behielten die Wohnung im Haus. Die Nachfolger führten die Tradition des Lebensmittelladens fort. „Es gab viele treue Kunden, die all die Jahre dort einkauften“, so Hans-Peter Krug, der schon als kleiner Junge hier ein und aus ging. „Morgens gab es Brötchen, damals noch für einen Groschen.“ Bei den Kinder war das Lädchen ebenfalls beliebt: „Wir kauften dort Süßigkeiten. Brausetütchen war zu jener Zeit angesagt.“

Doch die Zeiten änderten sich. Die Nachbarschaft wurde zunehmend mobiler und fuhr zum Einkaufen in die Innenstadt. Bis zum Jahr 2014 wandelte sich der einstige Tante-Emma-Laden in ein Lotto-Toto-Geschäft und zu guter Letzt in eine Postfiliale und einen Kiosk. Bis heute bietet das Geschäft Waren des täglichen Bedarfs. Und bis heute ist es Treffpunkt im Ortsteil. Stammkunden finden dort in der Frühe ihre fertig gepackte Brötchentüte mitsamt der jeweiligen Tageszeitung. Doch nun ist endgültig Schluss.

Hans-Peter Krug bedauert die Entwicklung: „Noch vor dem Weihnachtsfest habe ich ein paar Tage ausgeholfen, weil die Menschen vor dem Haus Schlange standen. Sie werden die Post sicherlich vermissen.“ Das Haus bleibt in Familienbesitz, ebenso die Registrierkasse aus den Anfangszeiten. Wie es weitergeht, ist noch nicht klar: „Wir hätten gerne einen Nachmieter, um die Tradition fortzusetzen.“ Fürs Erste geht eine lange Geschichte zu Ende.