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Neuss: So reich ist die Neusser Tierwelt

Neuss : So reich ist die Neusser Tierwelt

Obwohl das Stadtgebiet dicht bebaut ist, fühlen sich viele Wildtiere in Neuss sehr wohl. Das sind nicht nur Rehe, Wildschweine und Gänse, sondern auch geschützte Tierarten wie der Turmfalke oder der Kammmolch.

Der Kiebitz ruft auf den Feldern hinter Morgensternsheide, die Schneegänse schnattern am Jröne Merke und nachts wandern Dachse durch den Mühlenbusch. Gerade jetzt im Frühling können Spaziergänger den Artenreichtum der Stadt richtig genießen. "Obwohl wir ein Ballungsraum sind, leben in Neuss viele geschützte Tiere", sagt Peter Hilgers vom Umweltamt. So steht etwa der Kiebitz auf der Roten Liste, genau wie die Lerche, die ebenfalls auf freien Feldern in Neuss lebt — etwa bei Lanzerath, wie Ingeborg Arndt von der Naturschutzorganisation BUND erzählt.

Tiere auf der Roten Liste

Auch dass der seltene Eisvogel an der Obererft heimisch geworden ist, freut die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Neusser Grünen. "Problematisch ist die zunehmende Bebauung", sagt Arndt. "Denn die verdrängt die Tiere." Manche Arten finden in der Stadt jedoch eigene Nischen, wo sie sich niederlassen können. So gibt es an der Plangemühle einen Nistplatz für Wanderfalken, obwohl diese Tiere eigentlich Felsnischen oder Baumhöhlen vorziehen. Weiter südlich an den Rheinwiesen, wo der Lebensraum natürlicher ist, können Spaziergänger gleich mehrere geschützte Arten beobachten: Den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling etwa oder den Kammmolch, beides Tiere auf der Roten Liste. Auch unter Wasser finden sich geschützte Tierarten, darunter der Bitterling, ein Karpfenfisch, der sich in der Erft wohlfühlt. Wenn es nach dem Umweltamt geht, sollen künftig auch wieder Aale durch den Neusser Fluss schwimmen. Doch um verschwundene Arten wieder neu anzusiedeln, braucht es Zeit: Bis zu 15 Jahre könne es dauern, bis diese Fischart wieder in der Erft heimisch wird, schätzt Peter Hilgers. Naturschützer wünschen sich daher einen sensiblen Umgang mit der Umwelt — und von Spaziergängern Respekt vor den Bedürfnissen der Tiere. "Denn die brauchen Rückzugsmöglichkeiten", sagt Diplom-Biologin Sabrina Henkel, Leiterin der NABU-Ortsgruppe Neuss. Insbesondere an Hundebesitzer appelliert sie, ihre Tiere anzuleinen. Das fordert auch Theo Peters von der Kreisjägerschaft: "Gerade jetzt, in der Brut- und Aufzuchtzeit, sollten die Tiere nicht gestört werden", sagt der Revierförster vom Mühlenbusch. Die Tierwelt lasse sich auch aus der Distanz genießen. "Unsere Wiesen und Wälder sind sehr artenreich, man muss nur genau hinschauen", sagt Peters.

(NGZ)