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Neuss: Tanz auf dem Vulkan

Neuss : Tanz auf dem Vulkan

Die sauerländischen Urgesteine des Rock- und Pop Coverns, "Halber Liter" , tanzten im "Hamtorkrug" furios in den Mai. Das mehrstündige Konzert wurde zu einem Meilenstein der Musikkneipe.

Normalerweise braucht es schon mehrere Konzerte in einer Saison, wenn man als Veranstalter seinen Gästen gute Live-Musik unterschiedlichster Stilrichtungen und Interpreten anbieten möchte. Es sei denn, man macht es wie Szenewirt Thomas Wenning aus dem Hamtorkrug an der Büttger Straße und lädt sich in die Musikkneipe "Halber Liter" ein.

Das sind fünf Vollblutmusiker aus dem — wie viele fälschlicherweise meinen doch sehr spaßgebremsten Sauerland — die nun schon seit fast 30 Jahren Musikgeschichte aller Art covern und während der Zeit eine geradezu perfekte Annäherung an all die Großen der Zunft erreicht haben. Mit immer wieder veränderter Besetzung sind sie aufgetreten, aber niemals haben sie ihren prägnanten Stil verloren. Ein meisterlicher Gitarrist Klaus Vanscheidt, Schlagzeuger Tim Husung mit einem gefühlt 15 Minuten langen, beeindruckenden Solo, Bassist, Leadsänger und — mit Verlaub — Rampensau Michael Grimm, ein grandioser Tilo Baron mit dem Saxophon, zuständig für immer wieder Gänsehaut und Barney Brands, der Mann, der fast unglaublich variantenreich die Tasten bedient; die fünf lassen es richtig krachen, sie haben die Lizenz zum Party machen und von der ersten Minute an setzen sie die altehrwürdige Spielstätte mächtig unter Dampf.

Und ihr wirklich umfangreiches Repertoire lässt die zahlreichen Zuhörer in der Tat staunen. AC/DC, Police — die haben es den Fünfen irgendwie angetan — Van Halen, ZZ-Top, Deep Purple und und und... Die Reihe der Interpreten ist schier endlos, die Band könnte ohne Mühen einen Musik-Marathon bestreiten. Und die seit Wochen restlos ausverkaufte Kneipe steht Kopf, aus Düsseldorf, Krefeld und dem Bergischen Land sind sie angereist, der Tanz in den Mai wird zum Tanz auf dem Vulkan. Was in den Bierzelten dieser Republik und auf Mallorca — denn "Halber Liter" haben schon überall gespielt — recht ist, das kann in dieser ersten Mainacht nur billig sein.

Zwei Sets werden gespielt, an kraftvoller Dynamik, musikalischer Präzision und ausgelassener Spielfreude lassen sie keine Wünsche offen. Doch wer dachte, nach gut drei Stunden Vollgas auf der Bühne sei Schluss, der wurde eines Besseren belehrt. Denn der Abend steuerte noch auf einen ganz anderen Höhepunkt zu, Michael Grimm feierte nämlich um Mitternacht Geburtstag und ab dann blieb wirklich kein Auge mehr trocken. Und da war es dann an den Fans, ein kräftiges Ständchen anzustimmen, ein, "Happy Birthday", nicht schön, aber laut. "Sauerland", Kulthit und unbedingtes finales Muss war der Abschluss, wer um kurz vor eins noch Kraft hatte, der gab reichlich verdienten Applaus.

(NGZ)