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Neuss: 50. Quirinusritt in Perl

Neuss : 50. Quirinusritt in Perl

Eine 30-köpfige Delegation aus Neuss nahm gestern am 50. Quirinusritt in Perl teil. Die Festpredigt hielt Monsignore Hans-Dieter Schelauske. Er hatte vor zehn Jahren eine Quirinus-Reliquie überbracht.

Der 30. April ist der Patronatstag des heiligen Quirinus. Rund um diesen Namenstag feiern die Menschen viele (Kirchweih-)Feste — in Neuss und anderswo. Während in Neuss heute erst die Quirinusaktav beginnt, zog gestern bereits die Quirinusprozession durch das saarländische Perl. Seit zehn Jahren hält Pfarrer Uwe Jansen dabei eine Reliquie des Neusser Heiligen in der Hand, die aus dem Schrein der Neusser Quirinuskirche stammt. 2001 hatte der damalige Oberpfarrer Msgr. Hans Dieter Schelauske die Reliquie ins Saarland überbracht. Gestern, zehn Jahre später, war Schelauske, der heute als Subsidiar in Reuschenberg lebt, Ehrengast beim 50. Quirinisritt in Perl. Im Hochamt unter freiem Himmel predigte Schelauske, anschließend führte die einstündige Prozession mit über 50 Pferden und vielen Kutschen durch die Weinberge. Mit dabei eine 30-köpfige Delegation aus Neuss, die von Herbert Balzer, Vizebaas der St. Quirinus' Schötzejeselle angeführt wurde.

Neuss ist das Zentrum des Quirinuskults. 1050 wurden seine Gebeine von Rom nach Neuss gebracht. So sagt es zumindest die Legende. Inzwischen sind in Mitteleuropa zirka 500 Orte bekannt, in denen der Neusser Heilige verehrt wird. Darunter auch Millen im Selfkant, St. Quirin am Fuße der Vogesen und eben Perl im Dreiländereck Deutschland, Frankreich und Luxemburg. Dort wird grenzübergreifende Kooperation im Alltag gelebt. 60 Prozent der Perler arbeiten im nahen Luxemburg, 20 Prozent der Perler besitzen die luxemburgischen Staatsbürgerschaft und gemeinsam finanzieren Luxemburger und Perler ihr Lyzeum, eine erfolgreiche internationale Schule. Für diesen internationalen Geist steht Bürgermeister Bruno Schmitt (SPD), der die völkerverbindende Quirinusverehrung begrüßt und fördert: "Der Glauben und die gemeinsame Hinwendung zum heiligen Quirinus verbinden uns über geografische und sprachliche Grenzen hinweg." Im kommenden Jahr findet das internationale Quirinustreffen in Püchersrath (Oberpfalz) statt; 2013 fällt Neuss die Gastgeberrolle zu. Als verbindenes Glied sieht Wilhelm Schepping die Musik. Der Neusser Professor hat in Zusammenarbeit mit den Schötzejeselle ein Buch mit 40 Quirinusliedern aus 23 Orten herausgegeben. In vielen Regionen wird der heilige Quirinus als Schutzpatron der Tier, insbesondere der Pferde, verehrt. In seiner Predigt transferierte Schelauske den Quirinuskult und den Pferderitt in die Gegenwart. Der Ritt habe nichts mit Aberglauben zu tun, sagte er, sondern die Menschen würden den Märtyrer Quirinus um Fürsprache bitten, für sich, für die Tiere und die Felder.

(NGZ)