Römer in Neuss: An sie erinnert ein alter Gutshof

Pläne für die „Villa Rustica“: Römisches Erbe wird virtuell wieder sichtbar

Die Koalition will die „villa rustica“ in Meertal besser inszenieren. Winfried Kessel hat dazu eine ganz besondere Idee.

Die villa rustica, eine von zwei dokumentierten römischen Hofanlagen in Neuss, soll besser in Szene gesetzt werde. Das fordert die Koalition von CDU und Grünen, die für die heutige Sitzung des Umweltausschusses einen entsprechenden Antrag formuliert hat. Die Politik wünscht sich zumindest eine Info-Tafel an Ort und Stelle – und bleibt damit nach Überzeugung von Winfried Kessel weit hinter den Chancen zurück, die moderne Technik heute schon bietet.

Kessel engagiert sich für das Vorhaben, den „Niedergermanischen Limes“ zum Unesco-Weltkulturerbe zu machen. Seine Ideen dazu, die er mit dem Schlagwort „Mobile Discovering“ beschreibt, durfte er schon bei einem Symposium des Landschaftsverbandes Rheinland vorstellen. Dabei setzt er auf virtuelle Inszenierung, die er auch für den römischen Gutshof in Neuss anregt.

Unter dem Titel „RömerEcken – NEU(SS) entdecken“ hat Kessel für seine Heimatstadt eine Radtour entwickelt, die auf der Internetseite www.roemerradwege.de veröffentlicht wurde und auf Smartphones oder Navigationsgeräte herunter geladen werden kann. In diese digitale Tour wurden 20 virtuelle Bilder eingebettet, darunter auch Ansichten der villa rustica, von der es nur Fundamentreste im Erdreich gibt – die oberirdisch mit einem Rankgitter nachgezeichnet wurden. Mehr nicht. Auf Kessels Tour aber wird der Gutshof virtuell so gezeigt, wie er in der Landschaft gewirkt haben könnte.

  • Das Rankgitter zeichnet die Grundrisse einer
    Neuss : Koalition will römischen Gutshof besser inszenieren

„Neuss hat oberirdisch nichts Römisches mehr sichtbar vorzuweisen“, sagt Kessel, der Objekte, Landschaftssituationen, veränderte Flussläufe und antike Straßenverführungen auf dem Smartphone an Originalorten sichtbar macht – gesteuert über hinterlegte Geodatenpunkte. „Mein Ziel ist“, erklärt er, „dieses Projekt informationstechnologisch so weiterentwickeln zu lassen, dass die Bilder an den Geodatenpunkten fixiert werden und sich dort öffnen, wo das Objekt sich befand.“ Letztlich solle daraus eine App werden können, sagt Kessel.

Er trommelt für seine Idee mit dem Argument vielfältiger Anwendungen – von der Entdeckertour bis zum Unterrichtsmaterial. Und er wirbt auch mit ganz praktischen Hinweisen. So seien seine virtuellen Bilder, was Infotafeln nie sein werden – vandalismussicher, wartungsfrei, billiger und viel flexibler.

(-nau)