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Neuss: Premiere für Orgelspiel mit Videoübertragung

Neuss : Premiere für Orgelspiel mit Videoübertragung

Ein wunderbares Kulturzwischenspiel ist der Orgelsommer in der Quirinusbasilika – in fünf Konzerten wird große Kunst geboten, quasi als Ferienbonbon für Daheimgebliebene.

Ein wunderbares Kulturzwischenspiel ist der Orgelsommer in der Quirinusbasilika — in fünf Konzerten wird große Kunst geboten, quasi als Ferienbonbon für Daheimgebliebene.

Zum ersten Konzert hat der künstlerische Leiter, Münsterkantor Joachim Neugart, einen Interpreten großer symphonischer Orgelmusik eingeladen: Martin Seiwert ist seit 20 Jahren Kantor an der Schweinfurter Stadtkirche Heilig Geist. Seine eigene Bearbeitung der "Ouvertüre" aus Johann Sebastian Bachs "Orchestersuite Nr. 1" (BWV 1066) war der repräsentative Auftakt.

Mit bemerkenswerter Kenntnis der 86 Register umfassenden Münsterorgel wandelte er die oft concertinoartig geführten Holzbläser zum präzise durchscheinenden Ebenpart der Streicher. Aber es sollte noch besser kommen: Die symphonische Dichtung "Les Préludes", von César Franck 1885 für Klavier und Orchester geschrieben (Orgelfassung: Jörg Abbing), konfrontiert gleich zwei unterschiedliche Themen in vielfältiger Variation miteinander.

Für fast permanenten Registerwechsel waren gleich zwei Registranten nötig: Maria Seiwert und Joachim Neugart erledigten das sehr konzentriert. So konnten im eingeschobenen langsamen Satz poetisch dekorative Flötentöne über weichen Streichern faszinieren. Den virtuosen und anspruchsvollen Klavierpart erledigte Martin Seiwert schlackenlos.

Viel Arbeit für die Registranten erforderte auch die herausragende symphonische Dichtung "Les Préludes" von Franz Liszt. Die glänzende Instrumentation des Orchesters war auf der Münsterorgel bestechend zu adaptieren. Gleichwohl wäre für das Instrument mit einem Spieltisch von 1948 eine moderne Setzeranlage, die vielfältige Registerwechsel programmiert, ein zeitgemäßer Gewinn.

Topaktuell war hingegen die erstmalige Übertragung des spielenden Organisten auf eine Leinwand. Joachim Neugart hatte diese in der Mitte des Kirchenschiffes aufgebaut, um so den Zuhörern die Wahl zu lassen. Tatsächlich war die Resonanz ganz unterschiedlich.

"Ich fand das hochinteressant, manches wurde durch den Blick auf vier Manuale erst richtig transparent", sagte Margret Dickels begeistert. Ganz anders reagierte Gisela Götte: "Das ist ja schrecklich. Ich will mich ganz auf die Musik konzentrieren." Immerhin will sie beim nächsten Mal hinschauen und "zur Not die Augen schließen". Auch für Martin Seiwert war es eine Premiere, dass er bei einem Konzert so genau beobachtet wurde.

(NGZ)