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Neuss: Schützen: Auflagen übertrieben

Neuss : Schützen: Auflagen übertrieben

Anders als im Vorjahr werden alle Sicherheitsauflagen für das Schützenfest früher erfüllt sein. Aber die Schützen ärgern sich über merkwürdige Auflagen: wie das Bewässern des Tannengrüns an den Tribünen.

Genau 24 Stunden vor dem Fassanstich zur Kirmeseröffnung genehmigt die Stadt im vergangenen Jahr das Sicherheitskonzept des Neusser Bürger-Schützen-Vereins. Erst damit war der Weg frei für das Bürger-Schützenfest. In diesem Jahr wird das Komitee das Papier mit der Unterschrift von Bürgermeister Herbert Napp früher in Händen halten.

"Seit Montag liegt der Vorentwurf des Antrags im Rathaus", sagt Komitee-Mitglied Heiner Kaumanns. Trotz aller, mitunter merkwürdig wirkenden, Vorgaben: wie dem täglichen Wässern des Grüns an den Zuschauertribünen auf dem Markt (unsere Zeitung berichtete am Montag).

Mit dieser Vorschrift hat die Stadt als Genehmigungsbehörde nichts zu tun — sagt Napp: "Die Vorgaben kommen aus dem Innenministerium." Zunächst nur der Entwurf einer Verordnung, an die sich tunlichst zu halten ist. "Auch wenn eine Veranstaltung wie das Schützenfest einen völlig anderen Charakter hat wie andere Großveranstaltungen — es gibt keine Ausnahme", so Napp.

Seit der Loveparade-Katastrophe in Duisburg im vergangenen Jahr sind die Vorschriften für Großveranstaltungen erheblich verschärft worden. Nicht immer so, dass die Betroffenen sie nachvollziehen können. Das betrifft nicht nur das zweifelhafte Verlangen nach dem Bewässern des Tannengrüns. Keine besondere Ortskenntnis dürfte auch der Sachbearbeiter nach Ansicht des Schützen-Komitees besitzen, der verlangt, dass ein möglicher Fluchtweg von der Festwiese zur Hammer Landstraße ausgeschildert wird — geradewegs also zur meist vollen "Rollmopsallee".

"Dabei ist das riesige Rennbahn-Gelände nach allen anderen Seiten hin offen", wundert sich Rechtsanwalt Kaumanns. Das tat er auch über die Anregung, das Festwiesengelände zusätzlich zu den vorhandenen Absperrgittern mit rot-weißem Flatterband als besonderes Areal kenntlich zu machen. "Wir haben nicht für alles Verständnis." Die Zusatzkosten verschlingen einen fünfstelligen Betrag — Geld der Marschierer.

Für das Aufstellen des Festzeltes ist ein formeller Bauantrag notwendig, mit Grundrisszeichnung und dem Einzeichnen der Notausgänge, einer Sitzordnung und der Positionen der Feuerlöscher. Um dies zu bewerkstelligen, wurde ein Architekt beauftragt, der am Dienstag den Bauplan bei Kaumanns abgab.

Bürgermeister Napp weiß um die Nöte der Schützen. Sein Angebot an den Bürger-Schützen-Verein: "Wir wollen eine Genehmigung auf Widerruf erteilen, um dieses jährliche Prozedere zu vermeiden." Schützen mit Gießkannen an den Tribünen wird es nicht geben. "Das Grün wird frisch sein", ist Bürgermeister Napp überzeugt, "daher entfällt die Gießpflicht". Geliefert werden die Tannenzweige schließlich auch vom städtischen Grünflächenamt.

(NGZ)