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Neuss: Diakonie-Heim ist EU-geprüft

Neuss : Diakonie-Heim ist EU-geprüft

Das Alten- und Pflegeheim Heinrich-Grüber-Haus der Diakonie hat sich als erstes der 35 Alteneinrichtungen in Neuss der Zertifizierung nach EU-Richtlinien gestellt. Damit sei das Klima im Haus sogar besser geworden.

"Ein Haus voller Leben" steht auf der Visitenkarte von Karen Rothenbusch. Die 51-Jährige ist Leiterin des Heinrich-Grüber-Hauses in Weckhoven. Sie hat mit Bedacht diesen Leitspruch für das auf schwere Demenz spezialisierte Alten- und Pflegeheim mit 90 Plätzen in der vollstationären Pflege und 14 Plätzen im Kurt-Burckhardt-Haus für die Tagespflege von Senioren gewählt. Denn in dem Haus an der Gohrer Straße ist manches anders als in den übrigen Seniorenheimen mit geronto-psychatrischem Schwerpunkt. "Wir fördern die Aktivitäten und die Mobilität unserer Bewohner", Rothenbusch, Das ist ungewöhnlich für ein Haus, das schwerpunktmäßig von schwer Demenzkranken bewohnt wird. "Wer raus möchte, kann das tun. Ein Betreuungspfleger begleitet den Bewohner zum Beispiel zu Besorgungen in das Ladenzentrum."

Essen wann jeder will

Diese Offenheit war eines der Kriterien für die Zertifizierung des Hauses nach den höchsten Richtlinien, die in Europa gelten. Bislang hat sich nur eine Einrichtung in Meerbusch dieser Herausforderung erfolgreich gestellt, in Neuss ist das Grüber-Haus Vorreiter für die insgesamt 35 weiteren Alteneinrichtungen in Neuss. "Die Zertifizierung nahm anderthalb Jahre in Anspruch und hat höchste Anforderungen an die insgesamt 114 Mitarbeiter des Hauses gestellt", berichtet Rainer Küppers (48), Geschäftsführer der Diakonie Neuss-Süd.

"Das umfangreiche Handbuch mit den Zertifizierungsunterlagen wurde ohne Abstriche akzeptiert", sagt Küppers. Wissenschaftlich begleitet wurde der Zertifizierungsprozess von den Universitäten Witten-Herdecke und Maastricht.

Die Zertifizierung ist auch im Klima des Hauses nicht ohne Folgen geblieben. "Der Umgang zwischen Pflegekräften und Personal ist weitaus offener und freier und damit entkrampft und ehrlich geworden", sagt Rothhausen. Auch in der Organisation des Alltags ist vieles anders als in anderen Senioren- und Krankeneinrichtungen. So hat sich die Leitung unter anderem von den starren Regeln des Heim-Alltags gelöst. Die Bewohner dürfen ausschlafen, Abendessen gibt es bis 21.30 Uhr und ist nicht an feste Zeiten gebunden. Es gibt bis zu fünf Mahlzeiten: "Demenzkranke, die den ganzen Tag laufen, brauchen bis zu 5000 Kalorien am Tag", sagt Rothhausen.

"Unsere Bewohner sollen ihr Leben so weit wie möglich selbst bestimmen", ist eine der Leitlinien des Hauses. Das bedeutet auch, dass sich das Haus dem Lebensrhythmus der Alten und Kranken annähert: "Ein Haus voller Leben", wie es auf der Visitenkarte steht.

(NGZ)