1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Petra Kuhles ist seit 1997 Dozentin für Schauspiel an der Alten Post Neuss

Alte Post Neuss : Dozentin fühlt sich als Teil eines Ganzen

Petra Kuhles ist seit 1997 Dozentin für Schauspiel an der Alten Post und arbeitet zudem an eigenen Projekten.

Es kann nicht nur an dem Beruf liegen, dass Petra Kuhles so genau weiß, wie alles angefangen hat. Ist schließlich schon eine Weile her, dass die Schauspielerin ihre Laufbahn an deutschen Theatern verlassen hat, um als Dozentin bei der Alten Post einzusteigen und als Künstlerin lieber frei zu arbeiten. „Seit 1997 bin ich Dozentin“, sagt sie lachend und  ergänzt: „Nach einem guten dreiviertel Jahr als freie Schauspielerin.“ Zuvor war sie in Köln engagiert, bei Jürgen Flimm noch, oder in Düsseldorf, wo Volker Canaris das Sagen hatte.12 Jahre lang gehörte sie unterschiedlichen Ensembles an, weiß heute auch immer noch genau, dass sie das nie wieder möchte.

„Man wird festgelegt“, sagt sie, „spielt Rollen, die man vielleicht nicht will.“ Sie sieht zudem „auch die Erschöpfung der Kollegen“, und selbst wenn sie nicht abstreiten will, dass gelegentlich der Wunsch da sei, wieder Schauspielerin zu sein: „Die Arbeit, die ich jetzt mache, ist das, was ich will!“

Intensive Kontakte zu früheren Kollegen hat sie immer noch, arbeitet immer wieder gern in neuen Projekten mit diesen zusammen. Außerdem profitiert sie auch in ihrer Arbeit als Dozentin an der Alten Post, mit dem Kamel-Ensemble, von früher gemachten Erfahrungen. „Mit Dimiter Gottscheff oder Werner Schroeter  war es ein körperliches Arbeiten“, sagt sie, „denn sich bewegen können auf der Bühne ist wichtig.“

Sie selbst hatte sich 1997 dem Leitungsteam der Alten Post, Thomas Brandt und Hans Ennen, empfohlen. „Wir hatten von Beginn an ein gute Beziehung“, sagt Kuhles, die gleichwohl an Projekten festhielt, die sie damals und auch später mit Kollegen machte. Parallel dazu entwickelte sich die Arbeit an der Schule für Kunst und Theater zu einem immer größeren Ding. „Eigentlich auch dadurch, dass ich meine Arbeit in Projekte eingebracht habe“, sagt sie nachdenklich, „es hat sich einfach entwickelt.“

Ob es nun Atemtechnik war, oder die Zusammenarbeit mit der Alte-Post-Dozentin Chris Parker – für Kuhles führte eines zum anderen. „Und als Chris sich entschied, mehr im Bereich Performance zu machen,  hatte ich das Glück, auf Otto Beatus zu treffen.“  Natürlich kannte sie den Musiker auch schon lange, aber nun begann wieder eine intensive Zusammenarbeit, von der auch die Alte Post, genauer: das Kamel-Ensemble, profitierte.

Klavier und Geige hat Kuhles selbst gespielt: „Ich habe es sogar mit der Bratsche versucht und überlegt, ob ich nicht Musik und Literatur studieren soll. Ich wollte eigentlich in die Operndramaturgie gehen“, erzählt sie. Aber ein Kursus in Pantomime begeisterte sie dann so, dass sie sich an der Hochschule für Musik und Theater Hannover bewarb und angenommen wurde.

Dass sie mit Regietheater heute wenig anfangen kann, hat vermutlich auch mit ihrer Haltung zu tun: „Ich schaue lieber: Wie setze ich die Menschen ein, die mit mir arbeiten?“ Und so mag sie es, dass sich das Ensemble an der Alten Post entwickelt hat, auch wenn es nicht aus Profis besteht: „Aber aus starken Persönlichkeiten!“

Dass die Arbeit mit ihr „sehr anstrengend ist“, mag sie keineswegs leugnen. Im Gegenteil: „Anstrengend, aber herausfordernd“, sagt sie und lacht. Was sie im Übrigen gern tut, auch in der Arbeit, die auf Großzügigkeit und Vertrauen basiere. Das hat etwa auch ihre Produktion „Yvonne, die Burgunderprinzessin“ beeinflusst, an der die „Kamele“ mehr als ein Jahr gearbeitet haben.

Gleichwohl mag es Kuhles, neben den Kursen und der Regiearbeit auch selbst wieder auf einer Bühne zu stehen. „Meine glücklichsten Erinnerungen sind Projekte, die eine Einheit wurden“, sagt sie und meint damit etwa auch szenische Lesungen mit der Kollegin Christiane Lemm. Aktuell ist zwar das gemeinsame Projekt „Kind aller Länder“ von Irmgard Keun  dem Corona-Virus  zum Opfer gefallen, aber schon die Zusammenarbeit an der Collage mit Texten von Ingeborg Bachmann und Marie Luise Kaschnitz sei davon geprägt gewesen, dass „schnell klar ist, wer welche Rolle spielt, wenn wir erst mal eine Fassung haben. Wir haben beide ein gutes Gefühl für den Rhythmus.“

Und so wundert es nicht, dass Petra Kuhles von sich selbst sagt: „Ich bin eine Ensemblespielerin, ein Teil eines Ganzen.“