Neuss: Kampf gegen illegale Autorennen

Raser in Neuss : Kampf gegen illegale Autorennen

Der CDU-Landtagsabgeordnete und stellvertretende Bürgermeister Jörg Geerlings sorgt sich wegen Rasern in der Innenstadt. Er fordert Maßnahmen, auch mit Blick auf illegale Autorennen. Bislang werde zu wenig kontrolliert.

Quietschende Reifen, aufheulende Motoren und riskante Bremsmanöver – das alles will Jörg Geerlings (CDU) nicht mehr in Neuss sehen. Der Landtagsabgeordnete will Raser in der Innenstadt ausbremsen und den „zahlreichen illegalen Autorennen“ ein Ende bereiten. Er fordert engmaschige Tempo-Kontrollen. Diese sollten unter dem Motto „Null Toleranz für Raser“ stehen. Bislang geschehe viel zu wenig, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Vor allem den Bereich der nördlichen City hat Geerlings als Problemzone ausgemacht, darunter die Adolf-Flecken-, Erft-, Gielen- und Kapitelstraße. Bis die Großbaustelle errichtet wurde, sei zudem die Hafenstraße ein Schwerpunkt gewesen. Der Landtagsabgeordnete und Stadtverordnete spricht von „Rundkursen“, auf denen in den Abendstunden regelrechte Rennen durch die Innenstadt stattfänden. Er beschreibt Autofahrer, die ihre Fahrzeuge maximal beschleunigen, um dann voll abzubremsen, auch Raser, die gegen die vorgeschriebene Fahrtrichtung unterwegs waren, habe er schon beobachtet. „Wenn man abends am Hamtorplatz vor einem der Lokale sitzt, versteht man manchmal sein eigenes Wort nicht mehr“, erklärt Geerlings. Auch zahlreiche Anwohner seien betroffen und würden sich über Lärm und Abgase ärgern – und um die Verkehrssicherheit sorgen. „An unseren Infoständen ist das regelmäßig Thema“, betont Geerlings.

Bei der Polizei allerdings wird die Situation auf den von Geerlings beschriebenen Straßen nüchterner bewertet. „Bei uns liegen keine objektiven Anhaltspunkte dafür vor, dass es in diesen Bereichen illegale Fahrzeugrennen, die einen Straftatbestand nach Paragraf 315d darstellen, geben soll“, sagt Hans Kalinowski von der Pressestelle der Kreispolizei. Es gebe lediglich einen Verdacht, dass es sich im April um einen durch einen Raser verursachten Unfall handeln könnte. Wenn Bürger illegale Autorennen oder Raser beobachten, sollten sie umgehend die Polizei rufen. Auch das Notieren der Nummernschilder wird empfohlen.

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Anwohner des von Geerlings genannten Bereichs bestätigen, dass auf Adolf-Flecken-, Erft-, Gielen- und Kapitelstraße regelmäßig Autofahrer unterwegs sind, die mächtig aufs Gas drücken. Mitunter sei dies auch mitten in der Nacht deutlich hörbar. Die Sorge vor Unfällen ist groß, aber auch der Lärm nerve. Einer, der das Schauspiel an der Erftstraße regelmäßig mitansehen muss, ist Walter Theisen, Inhaber des Traditionslokals Drusushof. In der Regel gehe es ab 19 Uhr, manchmal auch etwas später los. „Sie fahren in den Kreisverkehr und driften dort“, sagt Theisen. Quietschende und qualmende Reifen inklusive. Rennen würden diese Autofahrer, die meist in getunten und aufgemotzten Wagen unterwegs seien, vor der Tür seines Lokals zwar nicht fahren, dafür sei es dort auch zu eng. „Es ist mehr ein Zurschaustellen“, sagt Theisen. Und dieses Zurschaustellen nerve durchaus.

Jörg Geerlings fordert, dass gehandelt wird. Ihn ärgert, dass die von ihm genannten Bereiche in der städtischen Liste der Messstellen zur Geschwindigkeitsüberwachung fehlen. Stadt und Polizei sollten seiner Meinung nach gemeinsam gegen die Raser vorgehen, so solle der kommunale Ordnungsdienst zum Beispiel zur Abstärkung verstärkte Präsenz zeigen. „Wenn das nicht hilft“, meint Geerlings, „müssen wir auch über bauliche Maßnahmen nachdenken, wie zum Beispiel Bremsschwellen, Mittelinseln oder Fahrbahnverschwenkungen und -verengungen.“