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Neuss: Makler sehen Pläne der Bundespolitik gelassen

Neuss : Makler sehen Pläne der Bundespolitik gelassen

Geht es nach den Politikern in Berlin, sollen künftig die Vermieter statt der Mieter die Provision der Makler zahlen. Die sehen das gelassen.

Die Pläne von CDU und SPD in ihren Koalitionsverhandlungen für eine Reform des Mietrechts stoßen beim Mieterverein auf Zustimmung. Dass zukünftig der Auftraggeber des Maklers auch dessen Kosten trägt und eine Mietpreisbremse kommen schließlich dem Wohnungssuchenden zu Gute.

"Grundsätzlich kann ich aus unserer Sicht diese Pläne nur begrüßen", sagt Hermann-Josef Friedrichs vom Neusser Büro des Mietervereins Düsseldorf.

Er übt sich allerdings dabei noch in Zurückhaltung. "Offen sind bisher die Fragen, ob all dies am Ende auch eins zu eins umgesetzt wird und ob es überhaupt nach dem geltenden Recht funktioniert", so Friedrichs. Als bestes Beispiel dafür nennt er die Maklercourtage, die bisher immer der Mieter zahlen muss, auch wenn der Eigentümer den Vermittler beauftragt hat. Das Prinzip "Wer bestellt, soll auch bezahlen" — in der Politik eine gern verwendete Redewendung — ist auch bei der Beauftragung eines Maklers aus Mietersicht nur logisch. Doch Friedrichs zweifelt an der Rechtmäßigkeit einer solchen Vorgabe, sei dies derzeit schließlich nicht vereinbar mit der vorherrschenden Vertragsfreiheit, so der Rechtsberater des Mietervereins.

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Juristisch möchte der Neusser Makler Alexander Busch dies nicht bewerten. Dass zukünftig der Auftraggeber, also in der Regel der Vermieter, seine Provision zahlen soll, sieht er sehr positiv. "Das ist absolut folgerichtig, denn bei Gewerbeimmobilien ist dies längst üblich", sagt Busch. Der Sprecher der "Neusser Immobilien-Börse" glaubt nicht, dass dadurch der Umsatz der Makler einbrechen würde. "Sicherlich wird der ein oder andere Vermieter auf einen Makler verzichten, aber das macht er auch nur einmal bis er erkennt, welcher Aufwand dahinter steckt und er dies neben seinem Beruf machen muss", meint Busch.

Eine Mietpreisbremse klingt in der Theorie ebenfalls gut. Die designierte Große Koalition plant, den Anstieg der Preise bei einer Neuvermietung auf maximal zehn Prozent zu begrenzen. Aber dies betrachten Mieterverein wie Makler erst einmal mit Skepsis. Als "falsches Steuerungsinstrument" bezeichnet Alexander Busch die Mietpreisbremse. Er glaube zwar nicht, dass Vermieter deshalb bei der Instandhaltung sparen und ein Sanierungsstau entstünde, allerdings würde seiner Ansicht nach dadurch weniger des benötigten neuen Wohnraums zur Miete entstehen.

Mieter-Funktionär Hermann-Josef Friedrichs fragt sich, wie eine Mietpreisbremse kontrolliert werden solle. "Wird sich der Kunde die alten Verträge zeigen lassen? Und wenn jemand unbedingt eine Wohnung haben will, nimmt er die geforderte Miete vielleicht auch in Kauf", sagt er. Schließlich würden auch den Immobilienmarkt Angebot und Nachfrage bestimmen, so Friedrichs weiter. Das Niveau der Mieten in Neuss bezeichnet er als hoch. In mittlerer Lage liegen die Preise pro Quadratmeter zwischen 5,50 und 9,70 Euro, und steigen in besseren Gegenden über zehn Euro. Dabei spielt stets auch das Alter der Immobilie eine Rolle.

(NGZ)