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Neuss: Friedhofsgebühren trotz Verlusten vorerst stabil

Neuss : Friedhofsgebühren trotz Verlusten vorerst stabil

Die Stadt muss Leistungen vorhalten, die Bestatter günstiger anbieten können. Die Kunden wandern ab, und das drückt aufs Ergebnis.

Das Neusser Schützenfest wirkt lebensverlängernd. Stephan Schmitt, Betriebsleiter der städtischen Friedhöfe, kann das mit Zahlen belegen. Von Januar bis Juli verzeichnet er monatlich zwischen 105 und 115 Beerdigungen, im August unter 90. Und das mit großer Regelmäßigkeit. "Eigentlich müsste ich das in meiner Kalkulation berücksichtigen", sagt Schmitt, doch mit den Bilanzen hat er auch ohne dieses Neuss-Phänomen genug zu kämpfen. Denn die Kapellen und Kühlhäuser auf den städtischen Friedhöfen drücken als Kostenfaktor tüchtig aufs Ergebnis und werden zu einem echten Nachteil im Wettbewerb mit den örtlichen Bestattungsunternehmen.

Die Kunden merken nichts von diesem Ringen. Sie freuen sich über eine Gebührenstabilität, die im Umland ohne Beispiel ist, und dürfen sicher sein: Auch 2014 bleiben die Friedhofsgebühren stabil — im elften Jahr in Folge. Doch das wird mit einem Ausgleich in die allgemeine Rücklage erkauft, denn das Geschäftsjahr 2012 schloss diese eigenbetriebsähnliche Einrichtung der Stadt mit einem Defizit in der Größenordnung von 263 685 Euro ab, das damit größer ist als die Summe aller Investitionen. Und 2013 "droht" Ähnliches.

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2003 wurden die Friedhöfe privatisiert, seitdem arbeiten sie wirtschaftlich unabhängig. "Unser Kapital sind nur unsere Gräber", sagt Schmitt. Denn Verstorbene dürfen nur auf Friedhöfen beigesetzt werden. Viele andere Leistungen rund um die Beerdigung sind aber frei wählbar. Und das wird zunehmend zum Problem. Denn gut die Hälfte der Bestatter hält eigene Leichenzellen und Abschiedsräume vor und bietet deren Benutzung günstiger an, als die Stadt das kann. Immer weniger Aussegnungsfeiern finden deshalb in den Friedhofskapellen statt. Vorhalten muss Schmitt aber diese Einrichtungen, die auch Kosten verursachen, wenn sie nicht genutzt werden. Nur, wer zahlt das der Friedhofsverwaltung?

Die so entstandenen Defizite einfach vorzutragen und im kommenden Jahr durch eine Gebührenerhöhung wieder einzufangen, darf Schmitt nicht. Denn damit würde sich die Stadt dem Verdacht der Quersubventionierung aussetzen. Den Gemeinkostenanteil, der unabhängig von der Beisetzungsart erhoben wird, kann er aber auch nicht unendlich in die Höhe schrauben. Dann, so Schmitt, würde der Stadt vorgeworfen, eine Grundgebühr zu erheben. Und die, das zeigt die Rechtsprechung, ist im Fall einer Klage nicht zu halten. Die Gebühr für die Wahlleistung Kapelle oder Leichenzelle zu erhöhen, traut sich Schmitt auch nicht. Denn dann, so seine Befürchtung, wird die noch weniger gebucht. "Wir sind gefangen", stellt er fest.

Um eine Lösung zu finden, werden aktuell Gutachter bemüht. Eine Formel haben auch sie nicht gefunden. So kämpft die Friedhofsverwaltung um jeden Euro auf der Einnahmeseite. "Wir rennen jedem Nutzer hinterher." Bei Anschlussverträgen für abgelaufene Grabstellen spricht keiner mehr von Mindestdauer. Schmitt: "Wir gehen runter bis auf zwei Jahre."

(NGZ)