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Rhein-Kreis Neuss: Dieter Patt – Landrat, Maler, Rocker

Rhein-Kreis Neuss : Dieter Patt – Landrat, Maler, Rocker

Bis 2009 stand er an der Spitze des Rhein-Kreises. Das Unkonventionelle war und ist sein Markenzeichen. Dieter Patt malt Bilder, rockt mit Shakira und den Räubern, lehrt als Gast-Professor in New Mexico. Heute wird er 70 Jahre alt.

Dieter Patt ist immer für Überraschungen gut. Als Pensionär tat er das, was ihm kaum einer zugetraut hatte: Er ließ los. Er, der 13 Jahre als Landrat die erste Geige — pardon: die erste Gitarre — gespielt hatte, entzog sich mit dem Ende seiner Amtszeit am 26. Oktober 2009 weitgehend der Öffentlichkeit. Die Bühne überlässt er seinem Nachfolger Hans-Jürgen Petrauschke. Er macht sich rar und ist, wenn er denn einmal einen Termin wahrnimmt, gern gesehener Gast. Heute aber gilt ihm noch einmal ungeteilte Aufmerksamkeit: Heute vollendet Dieter Patt, der mit seiner Familie in Neuss-Vogelsang wohnt, sein 70. Lebensjahr.

Seine — zum Teil unkonventionelle — Schaffenskraft stellt er unter das Leitwort "Net kalle, donn!" Und er tat so viel, dass er zum "Mr. Rhein-Kreis" aufstieg. Er gab dem Rhein-Kreis ein Gesicht. Vieles, was heute als selbstverständlich angesehen wird, geht auf eine Initiative von Dieter Patt zurück: Lokaler Energiepakt, erfolgreiche Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung, internationales Standortmarketing, Vier-Türen-Modell des Sports, Atlantische Brücke, Ausbau der vier Kreisberufsbildungszentren zu Innovations- und Kompetenzzentren, Technologiezentrum Glehn, Ansiedlung der FOM (Hochschule für Oekonomie und Management) in Neuss, Segelflugplatz Grevenbroich, Internationale Schule am Rhein (ISR) in Neuss, Museum Insel Hombroich, neues Kreishaus Neuss sowie Einrichtung und Erhalt der Stiftung Schloss Dyck. Außerdem galt er als treibende Kraft interkommunaler und regionaler Zusammenarbeit.

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Doch das Bild des kommunalpolitischen Machers skizziert nur einen Teil seiner Persönlichkeit. Patt ist Künstler. Er will auch als Künstler anerkannt werden. Sein "Alter Fritz" steht vor dem Dorint-Hotel in Potsdam, sein Schützenkönigspaar vor der Neusser Stadthalle und an seiner "Further Familie" kommt jeder vorbei, der im Norden über die Gladbacher Straße nach Neuss hineinfährt. Das ist ihm eine Herzensangelegenheit. Denn wenn Dieter Patt auch weltweit vernetzt ist, global denkt, so ist er doch immer der Junge aus der Nordstadt geblieben. Von 1950 bis 1954 besuchte er dort die Burgunderschule.

Geben ihm Familie und Heimat auf der Furth Halt, so ist die Welt doch sein Spielfeld. Er zählt die Popdiva Shakira zu seinen Freunden, er ist der Architekt des Brückenschlags nach Kolumbien, er lehrt als Gast-Professor an der Universität New Mexico, er pflegt die Partnerschaft mit dem polnischen Kreis Mikolow, er engagierte sich beim "Aufbau Ost" im Kreis Perleberg, Land Brandenburg. Patt erreicht Menschen, weil er als Künstler die Sprache der Malerei und der Musik beherrscht, die überall auf der Welt verstanden wird. Shakira setzte er ein Denkmal in Kolumbien, mit den "Räubern" rockte er auf dem Münsterplatz.

Dieter Patt kann auf seinen Lebensweg und seine Lebensleistung stolz sein. Als 16-Jähriger begann er 1960 seine Ausbildung im Neusser Rathaus; 49 Jahre später ging er als Landrat in den Ruhestand. Sein Nachfolger Hans-Jürgen Petrauschke würdigt Patts gewaltige Schaffenskraft: "Er hat unseren Kreis geprägt, gestaltet, mit unverwechselbarem Profil — auch in der Region — versehen. Ich bin persönlich sehr dankbar für unsere gemeinsame Zeit beim Kreis." Darauf wird heute vielfach angestoßen: Man sieht sich!

(NGZ)