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„Lustigen Witwe“ vor dem Zeughaus in Neuss

Oper To go vor dem Zeughaus in Neuss : Vom Liebesleid der lustigen Witwe

Rund 600 Zuhörer verfolgten auf dem Freithof die Geschichte der „Lustigen Witwe“ und ihrem Grafen Danilo. Es war die vierte „Oper To Go“-Aufführung eines von der Sopranistin Desirée Brodka gegründeten Vereins.

Die Melodien kann fast jeder Operettenliebhaber mitsummen, viele wurden zu unvergessenen Schlagern. Der musikalische Reichtum ist in der Lage, jedes Musical auszustechen, und die großartigen Ensembleszenen werden auf allen Bühnen der Welt geschätzt. Allein zwischen der Uraufführung 1905 in Wien und 1948, dem Todesjahr des Komponisten, gab es weltweit über 300.000 Aufführungen. Bereits zum vierten Mal präsentierte der Verein „Music to go“ vor dem Neusser Zeughaus eine „Operette im Espresso-Format“, diesmal eben „Die lustige Witwe“ von Franz Lehár.

Auch vor dem Zeughaus war der Andrang enorm. Die ersten Plätze waren zwei Stunden vor Beginn besetzt, weit eine Stunde vorher hatten mehr als 200 Besucher bei zunehmender Hitze Platz genommen, am Ende waren es 600 Zuhörer und viele Zaungäste unter den schattigen Bäumen. Das kostenfreie Vergnügen verdanken sie der in Büttgen lebenden Sopranistin Désirée Brodka, die mit Unterstützung von Neuss-Marketing, dem Kulturamt der Stadt und der Händlerinitiative ZIN dieses Open Air-Spektakel inszeniert. Bedeutender Mitstreiter ist der Düsseldorfer Komponist Raphael D. Thöne, der für „Music to go“ Lehárs Musik für fünf Opernsänger und Streichquartett bearbeitete.

Désirée Brodka moderiert auch charmant für das Publikum die Handlung, sie spielt um 1900 in Paris. Beim Ball in der Botschaft eines bankrotten Staates sorgt die Mmillionensschwere „lustige Witwe“ Hanna Glawari für besondere Aufmerksamkeit. Auch beim dandyhaften Grafen Danilo. Beide sind zu stolz, sich ihre Liebe einzugestehen. Nach etlichen Verwicklungen in echtem und vermeintlichen Liebesleid bekommen sie sich am Ende doch.

Désirée Brodka singt mit glanzvollem Sopran die Hanna Glawari und macht das bekannte Vilja-Lied zum Höhepunkt der sehr unterhaltsamen Aufführung. Ihr ebenbürtig und versiert opernerfahren agieren Agris Hartmanis als Graf Danilo (Bariton) und Gereon Grundmann (Bariton) als Baron Mirko Zeta. Der Gesandte Camille de Rossilon – mit kräftigem und selbstbewusstem Tenor James Park – stellt der Baronin Zeta nach. Sie wird gesungen von der Lettin Maija Tutova, die manche Sprachfärbung noch nicht ganz beherrscht, dafür aber mit klarem Sopran entschädigt. Ihr Duett „Mein Freund, Vernunft“ zusammen mit James Park („Wie eine Rosenknospe“) gehörte ebenfalls zu den umjubelten Höhepunkten.

Großartiges leistet von der kurzen Introduktion bis zum Schlusschor „Ja, das Studium der Weiber ist schwer“ das Streichquartett mit Katharina Storck an der 1. Violine. Die Musiklehrerin am Korschenbroicher Gymnasium und Mitglied der Düsseldorfer „Camerata Louis Spohr“ darf zudem im Lied der Grisetten ein entzückendes „Jou-Jou“ ins Publikum rufen.

Alvaro Navarro Diaz saß an der zweiten Violine, während die Brüder Dmitry (Viola) und Alexander Pichugin (Violoncello) zuverlässig tiefere Stimmen beisteuerten. Nicht nur bei Graf Danilos „Da geh ich zu Maxim“ summte ein begeistertes Publikum mit.

Das Spendenaufkommen beim Publikum nach der Aufführung war enorm. „In Neuss gibt es sehr großzügige Damen und Herren“, sagte etwa James Park staunend und Zuschauerin Lisa Heinen ergänzte: „Die Musik, die tänzerischen Einlagen und auch die schauspielerischen Leistungen waren aber auch riesig.“ Die Neusser Chorsängerin bewunderte zudem die absolute Professionalität.