„Orgelsommer“ im Neusser Münster

„Orgelsommer“ in St. Quirin Neuss : „Orgelsommer“ beginnt mit symphonischer Musik

Kirchenmusikdirektor Martin Bambauer, Organist an der Konstantinbasilika in Trier, überzeugte auch an der Münsterorgel.

„Kathedral-Kollegen“ hat der scheinbar nie um ein stimmiges Motto verlegene Münsterkantor Joachim Neugart dem Orgelsommer 2018 als Titel gegeben. Nun war es ein schönes Zeichen der in Neuss besonders intensiv gepflegten Ökumene, dass der Kollege beim ersten von fünf Konzerten der „oberste“ evangelische Organist des Landes Rheinland-Pfalz war.

Kirchenmusikdirektor Martin Bambauer (48) ist seit 1999 Organist an der Konstantinbasilika in Trier, einer antiken römischen Palastaula mit ihren Ursprüngen aus dem 4. Jahrhundert. Auf diese Ursprünge weist der in mehrerer Hinsicht irrtümliche Name „Konstantinbasilika“ hin. Seit 1856 ist der Weltkulturerbe-Saalbau die evangelische Kirche zum Erlöser. Martin Bambauer hat dort seit vier Jahren eine vollkommen auf die Architektur konzipierte neue Hauptorgel mit 87 Registern auf vier Manualen und Pedal zur Verfügung Sie ist vor allem sinfonisch disponiert.

Darauf war auch sein Programm für Neuss ausgerichtet. Nach dem auf großer Pedalfanfare aufgebauten „Final B-Dur“ (op. 21) von César Franck waren es vor allem Transkriptionen anderer Werke für Orgel, die im Mittelpunkt seines Programms standen. Dabei gewährte Martin Bambauer bei der romantischen „Fantasie Des-Dur“ von Camille Saint-Saëns einen eindrucksvollen Blick auf die Klangvielfalt der Münsterorgel.

Er kennt das größte Neusser Instrument, denn während seines Studiums an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf hatte er dort vor 20 Jahren schon gespielt. Eine Orgelfassung von Saint-Saëns’ „Symphonie Nr. 3 c-Moll“ drängt sich scheinbar auf, denn sie hat auch den Beinamen „Orgelsinfonie“. In Wirklichkeit verstärkt aber die Orgel nur im 2. und 4. Satz das Riesenaufgebot an Orchester.

Wenn man dem englischen Organisten Herbert F. Ellingford folgt, der in seinem 1922 verfassten „The Art of Transcribing for Organ“ schreibt: Hauptziel sei, „für Orgel arrangierte Musik so zum Klingen zu bringen, als wäre sie original für Orgel geschrieben worden“, dann hat Martin Bambauer dieses Ziel erreicht. In seiner Bearbeitung des 2. Satzes der „Symphonie singulière“ von Franz Berwald verknüpft er langsamen und Scherzo-Satz effektvoll zur Einheit.

Und doch hatte die abschließende Originalmusik von Louis Vierne mehr Klang im Raum der Quirinusbasilika. Wirkte das Fantasiestück „Naiades“ noch wie eine Geläufigkeitsübung, die aber exzellent gespielt war, so hatte das schwungvoll-virtuose Finale der „Orgelsymphonie Nr. 1 d-Moll“ nochmals die orchestrale Klangfülle, die dem Organisten auch auf der Münsterorgel seit ihrer Renovierung zur Verfügung steht.

(Nima)