Polizei in Neuss ermittelt in Raser-Szene

Neuss kämpft gegen illegale Autorennen : Tuning-Clubs sagen Rasern den Kampf an

Auf Klagen über illegale Autorennen und die Forderung der Politik nach stärkeren Kontrollen reagiert die Polizei mit Ermittlungen in der Szene. Die Auto-Tuner ihrerseits wenden sich mit einer eigenen Aktion gegen die Raser.

Die Neusser Tuning-Szene macht gegen Raser und illegale Autorennen mobil. Damit reagieren die Autoenthusiasten auf den Vorstoß des Neusser Landtagsabgeordneten Jörg Geerlings (CDU), der diesem gefährlichen Treiben Grenzen aufzeigen will und dazu strengere Kontrollen der Ordnungsbehörden einfordert. Die Tuner haben nun Sorge, mit diesen Rowdys in einen Topf geworfen zu werden und kündigen ihrerseits für Samstag, 18. August, eine Aktion an, mit der sie sich von den Rasern distanzieren wollen. Sie wollen selbst „kontrollieren“ – was die Polizei nur bedingt begeistert.

„Wir Autoveredler haben anderes im Kopf, als unsere Autos bei illegalen Rennen oder Rasereien aufs Spiel zu setzen“, stellt Daniel Claff klar, der erste Vorsitzende des Vereins „VAG Scene“, dessen Mitglieder ausschließlich an Fahrzeugen aus der Volkswagen-Familie schrauben. „Wir basteln mehr, als dass wir fahren – und stellen aus“, sagt Claff. Mit Polizei und Ordnungsamt hätte sein Verein deshalb auch keinen Ärger, ergänzt er.

Damit das so bleibt, wollen die Tuner eine Grenze betonen, die vielen Normalbürgern nicht bewusst zu sein scheint, wenn sie – wie etwa Anwohner der Erftstraße – über getunte und aufgemotzte Wagen klagen, die mit qualmenden Reifen durch den Kreisverkehr am Benno-Nußbaum-Platz driften. „Aufgemotzt kann schon der Wagen mit einer neuen Auspuffanlage sein“, sagt Claff, mit Tuning habe das wenig zu tun. Und er fügt deutlicher werdend hinzu: „Wir haben nichts zu tun mit denen, die mit einem finanzierten 5er BMW zeigen wollen, was für tolle Kerle sie sind.“

Gleichwohl kennen auch die Tuner der „VAG Scene“ und der befreundeten Neusser Clubs „Dezent“ und „Asphalt-Cruiser“ die Punkte, an denen diese „tollen Kerle“ ihre gefährlichen Spielchen treiben. Hauptbahnhof, das UCI-Kino oder den Platz am Lokal Drusushof, nennt Claff als Beispiel. Orte, wo es Publikum gibt. Dort wollen die „Schrauber“ am 18. August selbst Flagge zeigen, mit Bürgern das Gespräch suchen und dabei das Treiben auf der Straße im Auge behalten. „Wir werden Kennzeichen von sämtlichen Rasern erfassen, um diese zur weiteren Verfolgung an die Polizei zu übermitteln“, kündigt Claff an.

Der Polizei wäre es lieber, wenn sie bei solchen Verstößen direkt alarmiert würde, gibt Polizeisprecherin Daniela Dässel zu. Das würde die Aufklärung des Sachverhaltes erleichtern, denn ein Kennzeichen liefere meist nur einen Anhaltspunkt. Man freue sich zwar über das Engagement der Bürger, die sich dabei aber nicht der Gefahr einer Konfrontation aussetzen sollten, sagt Dässel, deren Behörde fein zwischen Tunern und Rasern unterscheide.

Nach dem Vorstoß aus der Politik, nach dem Motto „Null Toleranz für Raser“ engmaschige Tempo-Kontrollen zu fordern, hat die Kreispolizeibehörde nach Dässels Auskunft damit begonnen, verstärkt in dieser Szene zu ermitteln. Und man werde auf die von dem CDU-Politiker Geerlings in diesem Zusammenhang benannten Problemzonen ein besonderes Augenmerk haben. Sollte es sich am Ende aber „nur“ um ruhestörenden Lärm handeln, wäre die Stadt am Drücker.

Geerlings hatte von Rundkursen gesprochen, auf denen in den Abendstunden regelrechte Rennen stattfänden. Autos würden dabei maximal beschleunigt, um dann voll abzubremsen. Verfehlungen, die die Polizei noch nicht als illegales Rennen bezeichnet. Auch Claff meint, dass es solche in Neuss nicht gibt – zumindest nicht um Geld.