Neuss: Eine rheinische Liebe

Neuss: Eine rheinische Liebe

Am Sonntag feiern Libet Werhahn-Adenauer und Hermann Josef Werhahn Diamantene Hochzeit. Die beiden sind einander 1947 in Rhöndorf zum ersten Mal begegnet und haben drei Jahre später in Maria Laach geheiratet.

Wenn man so will, hat Thomas von Aquin das Paar zusammengebracht. Eine Vorlesung über den Theologen und Philosophen hatte 1947 den gerade entlassenen Kriegsgefangenen aus Neuss ebenso angelockt wie die Studentin aus Rhöndorf. Die junge Frau mit den blonden Haaren fiel ihm auf, aber auch ein späteres Zusammentreffen in der Straßenbahn brachte sie einander (noch) nicht näher.

Das änderte sich schlagartig, als der damals 24-jährige Neusser Unternehmerssohn Hermann Josef Werhahn gemeinsam mit seiner Mutter dem damaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden im Landtag NRW, Konrad Adenauer, einen Besuch abstattete. Denn wer machte ihm die Tür auf? Die "nette junge Dame aus der Straßenbahn, das Fräulein Adenauer", erzählt er lächelnd.

Am Sonntag ist das Paar genau 60 Jahre verheiratet, hat davon nur die ersten fünf nicht in dem Haus verbracht, an dem sie so spürbar hängen: "Unser Leben in diesem Haus ist paradiesisch", sagt Hermann Josef Werhahn. Fünf Kinder sind dort groß geworden; mit ihnen und ihren Familien, zu denen 17 Enkel und drei Urenkel gehören, werden sie am Sonntag feiern und sich vermutlich wieder fragen, wo all die Jahrzehnte geblieben sind. Die Bestürzung darüber mischt sich mit großer Dankbarkeit für das, was sie in dieser Zeit gemeinsam erlebt haben.

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"Es war immer irgendetwas los", sagt Libet Werhahn, die in den ersten Jahren ihrer Ehe noch oft genug mit dem Vater, der damals Bundeskanzler war, auf Reisen ging und damit in gewisser Hinsicht die Rolle der deutschen "First Lady" anstelle der verstorbenen Mutter übernahm. Allein 1954/55 war sie zwölfmal mit ihm unterwegs. Und dem Ehemann ist es nie schwergefallen, seine Frau an den Schwiegervater abzugeben? Das Wort "abgeben" mag der 87-Jährige gar nicht. "Völlig unsinnig, eine Neusser Redensart" tut er es ab und betont: "Meine Frau hat bei diesen Reisen enorm dazugewonnen, und sie waren für uns beide eine große Bereicherung." Und ihr hat es vor allem großen Spaß gemacht: "Ich war immer neugierig", sagt die 81-Jährige lächelnd.

Ob es sich um ihre Aktivitäten an der Seite des Vaters oder später in der Neusser Lokalpolitik handelt — Libet Werhahn hat ihren Weg ebenso gehen können wie ihr Mann. "Jeder von uns beiden hatte seinen eigenen Beruf", betont er und erklärt auch, warum, er, der unter einem "gelinde gesagt dominanten Vater" aufwuchs, dessen Rollenbild nicht übernommen hat. Sein Schwiegervater war es, der auf sein ganzes Denken eine "enorm große Wirkung" gehabt habe. "Er war seiner Zeit voraus und jungen Ehen schon so aufgeschlossen wie wir heute." Für die die junge Libet Werhahn war der Eintritt in die Neusser Unternehmerfamilie denn zunächst auch wie einer in eine neue Welt: "Da gab es so viele fremde Traditionen. Dass sie alle einen Sinn haben, musste ich erst mal begreifen."

(NGZ)
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