Neuss: 1. Mai: Nur noch ein Feiertag?

Neuss : 1. Mai: Nur noch ein Feiertag?

Zum Tag der Arbeit mobilisieren die Gewerkschaften keine Massen mehr. Doch für Funktionäre und ehrenamtlich Engagierte ist der 1. Mai ein wichtiger Tag. 2010 kämpfen sie für gute Arbeit und gerechte Löhne.

1. Mai, Tag der Arbeit. Das ist schon lange nicht mehr der Tag, "an dem man Massen der Beschäftigten auf die Straße bringt", weiß Regionalsekretär Klaus Churt vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), der für Samstag unter dem Schlagwort "Wir gehen vor!" in Neuss zu einer großen Kundgebung aufruft. So hat der Tag viele Facetten — eine jedoch fehlt. Einkaufen.

Die Wochenmärkte in der Stadt und auch der Bauernmarkt in Reuschenberg wurden ersatzlos gestrichen, sagt Ordnungsamtsleiter Uwe Talke. Den Samstagsmarkt auf Freitag vorzuverlegen ging nicht, sagt er, weil der Münsterplatz nur eingeschränkt zur Verfügung stehe.

Die Geschäfte bleiben geschlossen. "Es gelten die üblichen Ausnahmen", betont Nora Timmerbeil vom Einzelhandelsverband. Zeitungs- und Zeitschriftenhändler, Blumenläden und Gartencenter aber auch Bäckereien dürfen für fünf Stunden öffnen. Und zumindest die Bäckereien werden das tun, ist Thomas Puppe sicher, Sprecher der Innung und Bäcker in Neuss. Und das Samstag wie Sonntag. In Städten wie Mönchengladbach wurde auf den "einkaufsfreien" Samstag mit einem Einkaufs-Sonntag reagiert. Der Neusser City-Treff wollte das nicht, erklärt dessen Vorsitzender Thomas Toll. Der Neusser Handel verlegt sich lieber auf den Sonntag nach Christi Himmelfahrt.

Für Hubert Eßer, Europa-Betriebsratsvorsitzender der Mayr-Melnhof Karton AG und SPD-Stadtverordneter in Neuss, bringt der Tag der Arbeit eine Premiere: Er wird zum ersten Mal in Neuss als Hauptredner einer DGB-Kundgebung sprechen. Sein Thema? "Alles, was uns als Arbeitnehmer betrifft", sagt er. Die Folgen der Finanzkrise, die Pläne, Nacht- und Feiertagsarbeit zu besteuern, der Wegfall der Altersteilzeitregelung, die geplante Kopfpauschale im Gesundheitswesen, die Mindestlohn-Forderung, die gerade von der Gewerkschaft Verdi unterstützt wird.

Verdi werde präsent sein, erklärt der Ortsverbandsprecher Eckhart Rosemann. Seine Gewerkschaft wird am Maifeiertag die Aktion "Weiter so — war gestern" gegen Niedriglöhne starten und die zeitgleich startende DGB-Kampagne gegen die Einführung der Kopfpauschale mit einer Unterschriftenaktion unterstützen.

Gerade für die Funktionäre in den Gewerkschaften und die ehrenamtlich Engagierten sei der 1. Mai ein wichtiger Tag, sagt Klaus Churt. Ein Gemeinschaftserlebnis, bei dem man die zentrale Forderung "Gute Arbeit. Gerechte Löhne. Starker Sozialstaat" in die Öffentlichkeit tragen kann. Ein unverzichtbarer Tag, so ergänzt Nihat Öztürk von der IG Metall, mit einer langen Tradition. Auch in Neuss.

(NGZ)
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