Neuss: Mit Experten gegen das Planungschaos

Neuss : Mit Experten gegen das Planungschaos

Das Vergabeverfahren zur Bebauung des ehemaligen Münsterschulareals steht in der Kritik

Das Verfahren zur Gestaltung des ehemaligen Münsterschulareals im Quirinusviertel darf als gescheitert bezeichnet werden. Das sagt als einzige Partei bislang nur die Neusser FDP. Die Liberalen haben recht, aus unterschiedlichen Gründen.

1. Als "anonymes Verhandlungsverfahren" europaweit ausgeschrieben, gingen bei der federführenden Stadthafen Neuss GmbH lediglich vier Bewerbungen ein — alle aus Neuss. Ein bemerkenswert peinliches Ergebnis. Dass sehr schnell an die Öffentlichkeit kommt, wer sich hinter den Vorschlägen verbirgt, ist angesichts typischer "Handschriften" der Teilnehmer nicht weiter überraschend. Die Anonymität der Teilnehmer ist damit nicht mehr aufrecht zu erhalten und zweitens grundsätzlich infrage zu stellen, denn...

2. Warum soll nicht offen darüber diskutiert werden, wie das wichtigste innerstädtische Baugrundstück gestaltet werden soll? Antwort: Weil die Politik eben diese Art des Verfahrens — warum auch immer — so beschlossen hat. Ein falscher Beschluss für ein richtiges Projekt. Auch wenn er vor der Kommunalwahl und damit vor der Koalitionsvereinbarung zwischen CDU und FDP getroffen worden ist, lohnt sich ein Blick in den Koalitionsvertrag. Dort heißt es unter anderem: "Ein Gestaltungsbeirat... soll städtebaulich relevante Bauprojekte begleiten." Wenn nicht das Münsterschulareal, welches Vorhaben ist dann überhaupt noch städtebaulich bedeutsam? Im bisher vorgesehen Verfahren bewertet und entscheidet ausschließlich und allein die Politik.

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3. Trotz aller gegenteiliger Annahmen fehlt es vielen Planungspolitikern der Fraktionen an der Selbsterkenntnis, dass sie als Freizeitpolitiker oftmals nicht den nötigen Sachverstand haben (können), um bei einem solch komplexen Bauvorhaben wie im Quirinusviertel (Wechselwirkungen mit den Veränderungen am Hafenbecken I mit Waterfront und Cretschmarhalle) zu beurteilen, welches die sinnvollste Lösung ist. Das Fatale: Sie rücken von ihrer Anspruchshaltung nicht ab.

4. Dabei ist genügend Kompetenz von unabhängigen Fachleuten in der Stadt Neuss vorhanden, die genutzt werden könnte — wenn man "moderne Demokratie wagen und Bürgerbeteiligung ausbauen" will — so wie es CDU/FDP in ihrem Koalitionsvertrag propagieren. Zu nennen wären zum Beispiel das bekannte Architekten-Duo Ercan Agirbas/Eckehardt Wienstroer oder der in Neuss wohnende Dierk van den Hövel, Professor und Dekan der Peter Behrens School of Architecture/Fachbereich Architektur. FDP-Fraktionschef Heinrich Köppen formulierte es so: "Ohne Sachverstand von unabhängigen Architekten wird das ganze Verfahren im Chaos enden."

(NGZ)
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