Das Skride-Quartett beendet die Konzertsaison im Zeughaus Neuss

Zeughauskonzert-Saison beendet : Ein Gipfeltreffen europäischer Musikerinnen

Das Skride-Quartett gastierte mit Werken von Strauss, Mozrat und Mahler im Zeughaus.

  Erst im Herbst 2016 fanden die Geigerin Baiba Skride, die Bratschistin Lise Berthaud, die Cellistin Harriet Krijgh und die Pianistin Lauma Skride – alle bereits seit Jahren solistisch erfolgreich tätig – anlässlich der „Schubertiade Hohenems“ zum Quartett zusammen. Das mag man kaum glauben, da – wie jüngst beim letzten Saisonkonzert im sehr gut besuchten Zeughaus – die vier Damen sich in untadeliger Homogenität und traumwandlerisch sicherer, immer freundlicher Übereinstimmung präsentierten.

Höhepunkt des animierenden Programms war zweifellos das kaum einmal im Konzert zu erlebende Klavierquartett c-Moll, op.13, das Richard Strauss als 21-Jähriger komponierte. Das Werk widmete er dem Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen, an dessen Hof er —  in der Nachfolge Hans von Bülows —  für einige Zeit als Hofkapellmeister tätig war.

Großer, expressiver Ausdruck, Pathos und Schwung kennzeichnen den umfangreichen Kopfsatz, in dem immer wieder Motive aus der Oper „Der Rosenkavalier“ auftauchen.  Der springende Rhythmus und die unregelmäßige Metrik des anschließenden Scherzos – nicht unbedingt „typisch Strauss“ – verlangten den spielfreudigen Interpretinnen höchste Konzentration und vor allem der Pianistin extreme technische Fertigkeit auf ihrem Instrument ab.

Das schwärmerische Andante zitiert mehrfach den lyrischen Ton des bekannten Strauss’schen Sololiedes „Und morgen wird die Sonne wieder scheinen“. Mit instrumentaler Virtuosität – kein Problem für die „Skrides“ – geht das umfangreiche Werk zu Ende.

Andersartige Herausforderungen stellten sich den Musikerinnen beim ersten der beiden Mozart-Klavierquartette – g-Moll KV 478. Trotz des eher ernsten Charakters dieses bei den Zeitgenossen des Komponisten wenig beliebten Opus ist eine gut durchhörbare Wiedergabe mit brillantem Laufwerk unabdingbar. Hier konnten die Gäste mit der ihnen eigenen Spielfreude, nicht zuletzt auf blendender Technik beruhend, überzeugend glänzen.

Am Anfang des Abends machten die Gäste mit einem ebenfalls selten gespielten Tongemälde bekannt – dem Klaviersatz a-Moll aus Gustav Mahlers Studienzeit(etwa 1875- 1880). Das Werk geriet –  wie auch andere Arbeiten aus dieser Zeit –  in Vergessenheit und wurde erst rund 100 Jahre später vom Komponisten und Dirigenten Peter Ruzicka wiederentdeckt. Einflüsse von Brahms, Schumann und Schubert sind unverkennbar, dennoch ist bereits der Gustav Mahler eigene melancholisch-schwermütige Grundton zu erkennen. Diesen wussten die Instrumentalistinnen voller Einfühlungsvermögen und souverän zu vermitteln. Das Publikum dankte begeistert, besonders nach dem Werk von Richard Strauss.

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