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Neuss: Bericht zeigt soziales Gefälle in Neuss

Neuss : Bericht zeigt soziales Gefälle in Neuss

Mit einem "Sozialmonitoring" will die Stadt die soziale Situation der Neusser Stadtteile stärker in den Blick nehmen.

Als "soziale Großstadt" wird Neuss gern bezeichnet, doch wie die soziale Situation in den einzelnen Stadtteilen aussieht, das war bislang noch nicht evaluiert. Jetzt hat die Stadt den dritten und letzten Teil ihres umfassenden Sozial- und Jugendberichts vorgelegt. Zwei Jahre hat die Verwaltung an diesem "Sozialmonitoring", das in den kommenden Jahren regelmäßig fortgesetzt werden soll, gearbeitet, für das im letzten Schritt gemeinsam mit den Neusser Wohlfahrtsorganisationen für jeden Stadtteil Handlungsempfehlungen erarbeitet worden sind.

"Der Sozialbericht ist ein Nachschlagewerk", sagt Sozialdezernent Stefan Hahn. Denn für jeden Stadtteil stellt das 150-seitige Werk eine eigene Analyse bereit, die fünf zentrale Daten aufbereitet: Auf einer Punkteskala gibt der Bericht an, wie der Stadtteil in puncto Arbeitslosigkeit, Armut, Ausländeranteil, Bevölkerungsentwicklung sowie Wanderungsbewegungen (Zu- und Wegzüge) aufgestellt ist. "Für die Politiker der Stadt wird der Bericht eine Arbeitshilfe für künftige Entscheidungen sein", sagt Hahn, der die Aufgabe des Sozialberichts mit dem Motto "Daten für Taten" umschreibt.

Die Tabelle mit der Bewertung der fünf Faktoren ist ein Teil jeder Stadtteil-Analyse. Darüber hinaus werden die Besonderheiten jedes Stadtviertels genannt, die sich aus der Erhebung auslesen lassen. So erfährt der Leser etwa, dass der Stadtteil Furth-Süd die höchste absolute Zahl an Ausländern aufweist, Reuschenberg an einem hohen Sterbeüberschuss leidet und Weißenberg einen hohen Geburtenüberschuss verzeichnet. "Ziel ist es, den Sozialbericht zu nutzen, um Zielgruppen für Hilfsangebote zu definieren", sagt Andrea Schumacher.

Die städtische Sozialplanerin leitet das Monitoring-Projekt, mit dem Neuss mittlerweile in der Region aufsehen erregt. Beim NRW-Sozialministerium hat Schumacher die Neusser Analyse schon vorgestellt, demnächst ist sie zu Gast in Heinsberg, um dem dortigen Jugendhilfeausschuss von dem Projekt zu berichten. "Soziale Arbeit geschieht meist aus dem Bauch heraus", sagt Schumacher. Denn dass bestimmte Stadtteile, wie Erfttal oder Weckhoven, mehr soziale Probleme haben als ein Viertel wie Selikum, ist nicht neu. "Der Sozialbericht zeigt jedoch auf, wo in welchem Viertel Handlungsbedarf besteht", erläutert Schumacher. Erftal bräuchte laut dem Bericht eine bessere Anbindung durch öffentliche Verkehrsmittel und mehr Barrierefreiheit, was insbesondere wichtig ist, weil der Bericht aufzeigt, dass viele Senioren in dem Stadtteil leben. "Für die Politik bietet der Bericht eine Handreichung, um in Zeiten immer knapper werdender Mittel entscheiden zu können, wo Förderbedarf ist und wie genau er sich darstellt", sagt Sozialdezernent Hahn. Dabei werde sich an bisherigen Schwerpunkten allerdings wenig ändern, denn der Sozialbericht hat bestätigt, dass die südlichen Stadtteile Erfttal und Weckhoven, sowie im Norden die Furth und Weißenberg am stärksten mit sozialen Problemen kämpfen.

(NGZ/url)