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Neuss: Abschied von Heinz Spoerli

Neuss : Abschied von Heinz Spoerli

Zum letzten Mal gastierte der Choreograph Heinz Spoerli – mit seinem Zürcher Ballett – bei den Internationalen Tanzwochen. Das Publikum verabschiedete ihn, der in den Ruhestand geht, mit tosendem Applaus.

Zum letzten Mal gastierte der Choreograph Heinz Spoerli — mit seinem Zürcher Ballett — bei den Internationalen Tanzwochen. Das Publikum verabschiedete ihn, der in den Ruhestand geht, mit tosendem Applaus.

Zwei Männer stehen hintereinander und halten eine lange Stange in den Händen. Sie deuten damit eine aufsteigende Linie an und geben die Formstrenge vor, die für den ganzen Abend gelten wird: für die Musik wie auch den Tanz. Denn zu hören sind drei der sechs Suiten für Violoncello von Johann Sebastian Bach. Und das Zürcher Ballett unter der Leitung von Heinz Spoerli setzt die klare Komposition in Bilder um.

Zum letzten Mal war Heinz Spoerli nun mit den 36 Tänzern des Zürcher Corps de Ballet zu Gast bei den internationalen Tanzwochen Neuss. Denn Mitte 2012 verlässt der renommierte Tanzmacher (wie er sich selber nennt) mit internationalem Ruf das Ensemble. Und man darf gespannt sein, ob es sich wirklich um einen Wechsel in den Ruhestand handelt. Nun konnte das Neusser Publikum jedoch noch einmal seine 2003 uraufgeführte Produktion "In den Winden im Nichts" genießen. Musikalisch hervorragend begleitet von Claudius Herrmann am Violoncello.

Klare Farben prägen die drei Teile des Abends: Rubinrot, Smaragdgrün und Meeresblau. Diese finden sich sowohl im Licht als auch in den kurzen Trikots der Tänzer auf der ansonsten leeren Bühne wieder. Die Frisuren der Frauen sind klassisch streng geknotet, und in den Gesichtern zeigen sie stets ein Opernbühnenlächeln. Individuelle Züge sind fast gar nicht zu erkennen.

Jede der 18 Sätze der drei Solosuiten 2, 3 und 6 setzt Spoerli technisch perfekt und exakt auf die Musik hörend in eine geradlinige neoklassisch strenge Tanzsprache um. Soli fließen dabei in Pas de deux, die wiederum zu Pas de Trois oder aber Ensembletänzen werden können.

Ein Wechselspiel zwischen synchronen und versetzten Abläufen, eingefrorenen Posen oder Bewegungen in Zeitlupe akzentuieren sein strenges Vokabular. Er verzichtet dabei auf jeglichen Ansatz einer Geschichte, einer Emotion, oder gar Erotik — Bachs unsentimentaler Kosmos ließe dies wohl auch gar nicht zu. Jedoch verleitet der meditative Abend dazu, gedanklich auch abzuschweifen. Die rein ästhetischen Bewegungen verbunden mit den perfekten Körpern nutzen sich doch recht schnell ab.

Wären da nicht die kleinen Brüche: Wunderbar, wie an einer Stelle eine Dame ihren Spitzenschuh als eine Art Waffe benutzt und dem auf dem Boden liegenden Herrn damit im Bauch herumsticht. Oder wie eine ganze Horde Tänzerinnen, aufgereiht, auf Spitzenschuhen über die Bühne stachelt, Beine in die Luft wirft als gelte es, in einer Casting-Show zu gewinnen. Von diesen kurzen Momenten, in denen so etwas wie dunkle Komik aufblitzt, hätte es mehr geben können.

Das Publikum spendete tosenden Applaus und verabschiedete sich gebührend von dem ebenfalls anwesenden Heinz Spoerli.

(NGZ/rl)