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Basketball-Zweitligist TG Neuss Tigers verliert wichtige Spielerinnen.

Basketball : Abgang mit Applaus – und Sorgen

Basketball-Zweitligist TG Neuss Tigers verliert in Britta Worms, Jana Heinrich, Jill Stratton und Leonie Prudent kaum zu ersetzendes Personal. Trainer John F. Bruhnke ist darum erstmal schwer daran gelegen, „unsere Reihen zu schließen.“

Wer genau hinhört, vernimmt aus Neuss (noch leise) das Notrufsignal SOS. Denn die TG Neuss, im personellen Bereich über Jahre ein Ausbund an Kontinuität hat auf einen Schlag sein Tafelsilber verloren. Vier Spielerinnen, die beim Basketball-Zweitligisten zur Startformation gehörten, haben die Mannschaft verlassen und zwingen Trainer John F. Bruhnke nun, im Rekordtempo den Umbruch zu managen.

Dass die Tigers nur ein Jahr nach dem berufsbedingten Abgang der nicht 1:1 zu ersetzenden Franziska Worthmann in Jana Heinrich auch ihre zweite Leitwölfin abgeben müssen, war vorauszusehen. Nach zwei Jahrzehnten im Leistungssport hatte die Lehrerin für Englisch und Sport an der Janusz-Korczak-Gesamtschule in Neuss mit 35 Jahren einfach „fertig“. Ihr folgte nach dem letzten Spiel auch Leonie Prudent. Sie beendet ebenfalls ihre Basketball-Karriere. Die 32-Jährige konzentriert sich ab jetzt ausschließlich auf ihren Job, vollzog darum einen klaren Cut: „Es ist Zeit, zu gehen.“ Und hinterlässt eine große Lücken. „Sie war unser defensiver Anker“, sagt Bruhnke.

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Vermissen wird der Coach auch Jill Stratton. Die 29-Jährige, beste Rebounderin und drittbeste Punktesammlerin des Teams, musste nach abgeschlossenem Studium erkennen, dass für sie in der Corona-Krise beruflich nichts geht in Deutschland und kehrt darum schweren Herzens zurück in ihre kanadische Heimat. Bitter für sie und die Tigers. Bis in Mark trifft die Wildkatzen nun aber der Abschied von Britta Worms. Die Centerin, vor drei Jahren noch unter Trainer Antoine Braibant zur TG gestoßen, will sich nach ihrer starken Saison (14,6 Punkte im Schnitt) mit 32 Jahren noch mal in Liga eins versuchen. Sie wechselt zum Aufsteiger Capitol Bascats. „Sie hatte schon im Vorfeld angekündigt, dass sie mit Düsseldorf spricht“, sagt Bruhnke. So ungern er die „wahrscheinlich beste deutsche Centerin der 2. Liga“ auch abgibt, kann er die Entscheidung absolut verstehen. „Es gibt kein Argument dagegen. Sie ist fit, ernährt sich vernünftig und macht auch individuell sehr viel. Sie wohnt in Düsseldorf und hat die Zusage, dass ihr Trainingsaufwand nicht größer als in Neuss sein soll.“ Obwohl für ihn feststeht, dass die begeisterte Yoga-Anhängerin auch eine Etage höher „definitiv spielen“ wird, hat er sie mit einer Rückkehroption entlassen. „Sie verlässt uns ja nicht im Streit, sondern hat sich hier in ihren drei Jahren sehr wohl gefüllt.“ Ihre Aufstieg ins Oberhaus sieht er zudem als Qualitätsmerkmal für die bei der Turngemeinde geleistete Arbeit. „Wir machen wohl nicht so viel falsch.“

Aber natürlich erkennt er das Problem: „Wir haben so viel Qualität verloren, dass wir das auf dem deutschen Markt nicht kompensieren können.“ Denn mit Herne sowie den Aufsteigern Capitol Bascats Düsseldorf und Rheinland Lions aus Bergisch Gladbach stellt Nordrhein- Westfalen nun drei Erstligisten. „Und die fischen alle in diesem Pool.“ Zusätzlich bekunden die West-Regionalligisten VfL AstroStars Bochum, BG Bonn 92 (Kooperationspartner der Rheinland Lions) und Citybasket Recklinghausen (mit der Ex-Neusserin Janina Pils auf der Trainerbank) ebenso wie Rist Wedel aus dem Norden Interesse an der 2. Liga Nord. Es wird also eng in NRW, das im BBZ Opladen noch einen weiteren Zweitligisten beherbergt.

Darum ist Bruhnke für den Moment hauptsächlich daran gelegen, „die Reihen zu schließen, um so keine Lawine auszulösen.“ Der Plan: Mit erfahrenen Kräfte wie Christina Krick (12,0 Punkte im Schnitt), Jana Meyer, Lotti Ellenrieder und Hannah Wischnitzki als Fundament soll wieder eine schlagkräftige Mannschaft entstehen. Die Deadline endet am 31. Mai, bis dahin will der Coach wissen, auf wen er auch in der elften Spielzeit der Neusserinnen im Bundesliga-Unterhaus bauen kann. Parallel dazu kämpft er darum, wieder zwei Profis beschäftigen zu dürfen. Ein schwieriges Unterfangen in auch finanziell fordernden Zeiten. „Und im Moment Wunschdenken“, weiß er.

Über Saisonziele zu sprechen, verbietet sich angesichts der vielen Fragezeichen zwar, doch für den Coach ist schon jetzt ziemlich klar, „dass unsere Ansprüche kleiner werden müssen.“ Zur Erinnerung: Seit dem unter Janina Pils 2014 erst am letzten Spieltag unter Dach und Fach gebrachten Klassenverbleib sind die Tigers stets ein Play-off-Kandidat gewesen, schlossen eine Saison nie schlechter als auf Platz sechs ab.